Düngeverordnung

Agrargipfel: Prof. Taube mahnt mehr Politikverlässlichkeit an

Prof. Taube fordert Julia Klöckner auf, den Bauern eine klare Brutto-Stoffstrombilanzverordnung mit festen Anpassungsschritten bis 2030 an die Hand zu geben. Dann könnten sie sich auch danach richten.

Beim Landwirtschaftsgipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel haben auch der Vorsitzende des Deutschen Maiskomitees, Prof. Friedhelm Taube, sowie der Geschäftsführer Dr. Helmut Meßner teilgenommen. Merkel machte dabei unmissverständlich klar, dass es in Sachen Düngeverordnung kein zurück geben könne, da Deutschland hier zu lange mit politischen Anpassungen gewartet habe und nun handeln müsse, um Strafzahlungen zu vermeiden.

Prof. Taube machte in seinem Statement für das Deutsche Maiskomitee klar, dass gute Landwirtschaft mit den notwendigen Anpassungen zurechtkommen könne und dass Mais dabei aufgrund des geringen Stickstoffbedarfs ein Teil der Lösung sei.

Er wies – auch in seiner zusätzlichen Funktion als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Agrarpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums - jedoch auch darauf hin, dass die landwirtschaftlichen Unternehmen in der Düngegesetzgebung Planungssicherheit benötigten und forderte Ministerin Klöckner auf, eine ‚road map Nachhaltige Stoffströme 2030‘ vorzulegen.

Deutschland habe sich in der Nachhaltigkeitsstrategie verpflichtet, den sektoralen N-Saldo bis 2030 auf maximal +70 kg N/ha zu senken von heute etwa 95 kg N/ha. „Frau Ministerin, das sind minus 25 kg N/ha in 10 Jahren: Geben Sie den Landwirten eine klare Brutto-Stoffstrombilanzverordnung mit festen Anpassungsschritten bis 2030 – wenn Landwirte diese konkreten und verlässlichen Meilensteine kennen, werden sie sich darauf einrichten“. Das Wissen für die Umsetzung sei da und die guten Landwirte könnten das jetzt schon.

Taube warnte deutlich davor, die Diskussion um ‚rote‘ und ‚grüne‘ Gebiete beim Grundwasserschutz zu vertiefen – Stichwort Binnendifferenzierung -, denn wenn neben dem Grundwasser auch die Belastung der Oberflächengewässer gesehen werde, - und das gehört auch zur Umsetzung der Nitratrichtlinie – dann wären viel mehr agrarische Intensivregionen als ‚rot‘ zu kennzeichnen als das heute der Fall ist. Die Überschüsse insgesamt seien das eigentliche Problem, das gelöst werden müsste. Es lägen seit 2013 Umsetzungsvorschläge der Wissenschaft mit dem sogenannten 120/120-Modell für das BMEL auf dem Tisch, die auch weiterhin eine erfolgreiche Tierhaltung in Deutschland gewährleisten.

Wenn das jetzt nicht angegangen werde, dann drohe eine Verunsicherung des Sektors, wie ihn insbesondere die Mais anbauenden Betriebe vor nun 15 Jahren schon einmal erleben mussten, als sie im Rahmen des EEG-Hype zu Energiewirten werden sollten, aber die Leitplanken einer vernünftigen Düngepolitik fehlten und der Mais zu Unrecht in Misskredit gebracht wurde.


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von Gerd Uken

Der Professor hat ja auch

Mitbekommen was in NL z.Zt. ab geht. Seit Februar hat er ja eine 20% Stelle in Waageningen. Vergleich mal das Interview das er damals hier im Top Agrar gegeben hat https://guelleverschmutzung-stoppen.de/wp-content/uploads/2019/05/DLG_Taube_Interview_28.02.2019_DüV.pdf

von Karlheinz Gruber

Das einzige was der LDW

noch hilft ist ein abgeschotteter Markt. Das zeigt sich immer mehr. Wir können diese ganzen Auflagen, ob wir nun dafür verantwortlich sind oder nicht, lasse ich mal dahingestellt, nicht schultern ohne dafür GERECHTE PREISE zu erhalten. Das was uns dann wieder die Politik an Brotkrümeln hinwirft, gepaart mit überbordenden Auflagen bring im Endeffekt auf mittlere Sicht alle Betriebe in Deutschland um. Daher müssen wir bei unseren Forderung dahin kommen, den Weltmarktpreis aufzugeben. Da wir in vielen Bereichen eh unterversorgt sind, wird das die Preise schnell hochkommen lassen. Einfuhren sind nur noch gestattet, wenn ein ganzes Land !!! nicht einzelner Betrieb, unsere STandards auch hat. Sonst ist Betrug auf der Tagesordnung. Also fordern wir halt nun die Grenzen für Lebensmittel mit nicht Deutschlandstandard dicht zu machen. Bin gespannt wie die Politik dann darauf reagiert, wenn wir fordern, nur noch unsere Standards ins Land zu lassen. Da wird die Industrie zu laufen beginnen und wir haben einen "verbündeten" Feind mehr...

von Klaus Fiederling

Wir Bauern wünschen uns eine Wissenschaft, die WISSEN schafft!

Herr Prof. Tauber plädiert als Problemlösungsmöglichkeit für den Maisanbau, sind ihm in diesem Zusammenhang die Wildschweindichten geläufig? In unseren Instituten verzeichnet man diese Schäden sicherlich nicht, in unseren Fluren sehr wohl. // Auch er stellt Forderungen auf, die einen massiven Eingriff in das persönliche Flächeneigentum nach sich ziehen. // Wie verhält es sich im übrigen mit Gewässerrandstreifen, die möglicherweise auf den Bildschirmen in unseren Elfenbeintürmen aufgezeichnet und als solche zu schützen sind, wenn diese laut staatlicher Kartierungen mitten durch Ackerflächen verlaufen, wo noch nie Oberflächenwasser zu sichten war!? // Die Stoffstrombilanz von Herrn Prof. Taube können wir Bauern schon morgen problemlos umsetzen, wenn er seinerseits uns die Witterungsverläufe bis 2030 dezidiert abzuliefern weiß. In unseren wissenschaftlichen Elfenbeintürmen scheint noch immer nicht angekommen zu sein, dass Landwirte, die unter dem freien Himmelszelt produzieren, derzeit auf zuverlässige Wetterprognosen für maximal einen sehr begrenzten Zeitraum von 3-6 Tagen zurückgreifen können. Das reicht aber schlichtweg ganz sicher nicht, um ein Ordnungsrecht in der vorstehend angedachten Art und Weise verfügen und installieren zu können. // Zum wiederholten Male: Dieser Wissenschaftler und auch andere Mitstreiter in seinem Geiste müssen endlich den deutschen Landwirten rechtsgültig zusichern, dass alle in sämtlichen deutschen Verbraucherregalen verkauften Lebensmittel in Ausschließlichkeit unseren Qualitätsstandards unter den gleichen Produktionsbedingungen Genüge tun müssen; ansonsten ist ein striktes VERKAUFSVERBOT zu verhängen, mit sofortiger Wirkung - zum Schutze der deutschen Verbraucher und der Natur! Genau darin, werter Herr Prof. Taube, sollten Sie, unsere geistigen Eliten -eine Vielzahl staatlich alimentierter Wissenschaftler- in Vorreiterschaft, Ihre wirklichen wissenschaftlichen Herausforderungen für die Zukunft sehen. Als mediales Aushängeschild stehen Sie alle sowie auch unsere Politik dahingehend in einer ganz besonderen Pflicht! // Eine schöne Adventszeit wünschen Ihnen Ihre Bauern!

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von Gerd Schuette

Planungssicherheit ist sicher erstrebenswert, dass die Landwirte jedoch auch immer die Wirtschaftlichkeit im Blick haben müssen, blendet Herr Taube in seiner Betrachtung aus. Die Preisfindung globalisieren und dem ungeregeltem Markt überlassen und zeitgleich die Landwirtschaft immer mehr mit Auflagen, Verboten und Regularien zu belasten, geht nicht auf.

von Albert Maier

Bürokratiewissenschaftler

Taubes Glaube an die heilsbringende Wirkung aufgeblähter Bürokratiemonster ist beängstigend. Im Hinblick u.a. auf die Oberflächengewässerverschmutzng würde ihm mehr Sachverstand statt Bürokratiewut gut tun!

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