BÖLN-Studie

Saatwicken in der Öko-Fütterung – Einsatz mit moderaten Anteilen empfehlenswert

Die Saatwicke erreicht hohe Erträge und 319 bis 338 g/kg TM. Durch Keimung und Silierung der Körner lassen sich die Gehalte für einzelne verdauungshemmende Stoffe zum Teil deutlich senken.

Die Saatwicke ist als eiweißreiche Leguminose mit geringen Ansprüchen an den Standort eine interessante Futterpflanze, insbesondere für den Ökolandbau. Mit einzelnen Sorten lassen sich im Gemengeanbau mit Getreide gute Erträge mit hohen Rohproteingehalten erzielen. Für die Fütterung von Geflügel und Schweinen ist der Einsatz in roher Form und moderaten Rationsanteilen zu empfehlen.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer dreijährigen Studie, die Forscherteams des Johann-Heinrich von Thünen-Instituts und des Friedrich Loeffler-Instituts durchführten. Finanziert wurde das Projekt vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).

Hohe Erträge

In drei Anbaujahren erwies sich die dunkelsamige Sorte Slovena bei sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen als besonders ertragreich. Im Gemengeanbau mit Sommertriticale oder -weizen erreichte sie unter ökologischen Anbaubedingungen mit 34 bis 37 Dezitonnen pro Hektar die höchsten Kornerträge aller getesteten Sorten. Um hohe Gesamt- und Rohproteinerträge zu erzielen, empfiehlt das Forscherteam einen Wickenanteil von 30 bis 50 % im Aussaatgemenge.

Die Rohproteingehalte der untersuchten Sorten lagen im Schnitt bei 319 bis 338 g/kg Trockenmasse, mit Methionin- und Cysteingehalten zwischen 5,2 und 5,8 g/kg TM. Die höchsten Rohproteinerträge pro Fläche wurden ebenfalls bei der Sorte Slovena gemessen.

Herausforderungen

Ein Nachteil der Wicke für den Einsatz als Futtermittel sind ihre hohen Gehalte an verdauungshemmenden Bestandteilen wie Vicin, Convicin, Cyanoalanintoxinen und Tanninen. Auch in der Studie wurden zum Teil hohe Anteile gemessen. Zwischen den Sorten gab es dabei größere Unterschiede.

Durch Keimung und vor allem durch Silierung der Körner ließen sich die Gehalte für einzelne verdauungshemmende Stoffe zum Teil deutlich senken. Das führte aber nur teilweise zu Vorteilen bei den Verdaulichkeits- und Fütterungsversuchen. Zwar bevorzugten Masthähnchen, Legehennen und Vormastschweine eindeutig die beiden behandelten Wickenvarianten gegenüber roh vorgelegten Wicken. Aber die aufgenommenen Mengen blieben insgesamt gering.

Bei Fütterungsversuchen mit rohen Wicken der Sorte Slovena in einer pelletierten Futtermischung für Masthühner war dagegen ein Anteil von bis zu 12,5 Prozent möglich. Auch bei Mastschweinen konnten Wicken problemlos als Komponente verfüttert werden. Mit Energiegehalten von 14,9 Megajoule/kg TM erreicht die Kultur Werte auf dem Niveau von Ackerbohne und Erbse.

Auf Basis der gesammelten Ergebnisse sehen die Forscherteams die Saatwicke grundsätzlich als gut geeignete Eiweißkomponente in der ökologischen Fütterung von Geflügel und Schweinen. Wegen der relativ hohen Gehalte an verdauungshemmenden Inhaltsstoffen empfehlen sie aber moderate Anteile in der Ration. Zudem sollten Wicken roh verfüttert werden, da der Aufwand für eine Keimung oder Silierung nach aktuellem Kenntnisstand keine Vorteile für eine höhere Aufnahme bringt.


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