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Schädlingskontrolle vor dem Kollaps?

Verbote, Resistenzen und schwindende Wirksamkeit: Dr. Meike Brandes vom JKI berichtet, wie besorgniserregend die Möglichkeiten der Schädlingsbekämpfung bei Getreide, Raps, Kartoffeln und Rüben sind.

Lesezeit: 3 Minuten

Unsere Autorin: Dr. Meike Brandes, Julius Kühn-Institut (JKI)

Durch schärfere EU-Bewertungen stehen immer weniger chemische Wirkstoffe zur Verfügung. Zudem erhöht die einseitige Nutzung der verbliebenen Wirkstoffe die Resistenzgefahr – ein Teufelskreis. Wie sich dies mittlerweile auf die Schädlingskontrolle in den großen Ackerbaukulturen auswirkt, zeigen folgende Beispiele:

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Raps: Zunehmend Pyrethroidresistenz

Um im Raps die Glanzkäfer zu kontrollieren, lassen sich nur Pyrethroide, Neonikotinoide und Oxadiazine nutzen. Tritt die Grüne Pfirsichblattlaus als Saugschädling massenhaft auf, wirkt einzig noch der Wirkstoff Flonicamid (Teppeki).

Pyrethroide und Eradicoat sind zwar zugelassen, wirken hier aber nicht ausreichend. Da gegen alle weiteren Rapsschädlinge lediglich Pyrethroide nutzbar sind, ist ein Wirkstoffwechsel unmöglich. Bei vielen Schädlingen verschärft sich dadurch die Resistenzsituation weiter.

Von Pyrethroidresistenz betroffen sind bislang: Rapserdfloh, Schwarzer Kohltriebrüssler, Grüne Pfirsichblattlaus (mit Resistenz gegen weitere Wirkstoffgruppen) und Rapsglanzkäfer (mit einer beginnenden Resistenz gegen Neonikotinoide).

Ebenfalls betroffen ist der Kohlschotenrüssler. Neuerdings zeigen auch die Biotestergebnisse des Gefleckten Kohltriebrüsslers eine beginnende Pyrethroidresistenz.

Getreide: Kein Mittel gegen resistente Getreidehähnchen

Im Getreide wurde Pyrethroidresistenz bei der Großen Getreideblattlaus festgestellt. Die rothalsige Getreidehähnchenart Oulema duftschmidi ist ebenfalls betroffen, bei dem Blauhalsigen Getreidehähnchen tritt die Resistenz an ersten Standorten auf.

Gegen Schädlinge im Getreide sind im Herbst zurzeit nur Pyrethroide zugelassen. Lediglich in Wintergerste ist gegen Blattläuse als Virusvektoren mit Teppeki ein Mittel aus einer anderen Wirkstoffgruppe verfügbar. Im Frühjahr und Sommer sind nur bei Blattläusen Insektizide aus anderen Gruppen zugelassen. Um resistente Getreidehähnchen zu bekämpfen, gibt es keine chemischen Alternativen.

Kartoffeln: Neue Sorge vor Blattläusen und Kartoffelkäfern

In Kartoffeln sind zurzeit Mittel mit Wirkstoffen aus mehreren Wirkstoffgruppen zugelassen. Einige Blattlausarten und der Kartoffelkäfer zählen zu den stark resistenzgefährdeten Arten. Neben der Pyrethroidresistenz wurde in Nordamerika beim Kartoffelkäfer zudem eine Resistenzentwicklung gegen Neonikotinoide nachgewiesen – ebenso bei der Grünen Pfirsichblattlaus in Europa.

Rüben: Kaum Mittel, geringe Wirksamkeit, aber mehr Resistenzen

Gegen Auflaufschädlinge in Rüben ist momentan nur Force 20 CS (ohne befristete Notfallgenehmigung) als Beize gegen Schnellkäfer (Drahtwurm) und Moosknopfkäfer zugelassen. Andere Auflaufschädlinge kann man nicht gezielt bekämpfen.

Nur gegen oberirdisch an Keimlingen fressende Moosknopfkäfer lassen sich Pyrethroide einsetzen, wie auch gegen die meisten anderen Schädlinge. Resistenzen der Grünen Pfirsichblattlaus gegen Pyrethroide und Pirimicarb treten in vielen Regionen Deutschlands auf, sodass man mit eingeschränkter Wirksamkeit rechnen muss.

Eine Blattlausbekämpfung – vor allem, um Virusübertragungen zu verhindern – ist somit nicht sicher möglich. Gegen Blattläuse und Blattläuse als Virusvektoren ist Pirimor Granulat nur noch bis zum Ende der Aufbrauchfrist am 30.4.2022 verfügbar. Gegen Blattläuse als Saugschädlinge kann man Teppeki nutzen. Pyrethroide wirken wegen des versteckten Saugortes der Läuse nur eingeschränkt.

Alternativen erforderlich!

Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz stehen für die meisten Schädlinge aktuell nicht zur Verfügung – und die Resistenzzüchtung gegen Schädlinge steckt noch in den Kinderschuhen. Umso wichtiger ist es, die verbliebenen Wirkstoffe nur gezielt nach Überschreiten des Bekämpfungsrichtwertes einzusetzen, um den Selektionsdruck zu mindern.

Aktuelle Anti-Resistenzstrategien für Schädlinge in Raps, Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben sind unter www.julius-kuehn.de/resistenz abrufbar. Wegen der unzureichenden Mittelpalette und begrenzter Anzahl an Anwendungen sind die Strategien aber nur eingeschränkt wirksam. Um auch künftig noch verlässliche Ernten zu garantieren, sind Wirkstoffe aus anderen Wirkstoffgruppen oder alternative Bekämpfungsmethoden dringend erforderlich!

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