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topplus Pflanzenschutz

So bleibt Ihr Weizen gesund

Richten Sie den Fungizideinsatz nach Witterung und Sortenanfälligkeit aus. Um die Wirksicherheit zu erhalten, ist es wichtig, die Wirkstoffe in den Strategien geschickt zu kombinieren.

Lesezeit: 11 Minuten

Nur so viel Pflanzenschutz wie notwendig – das ist langfristig wohl die einzige Strategie, um noch dauerhaft Ackerbau betreiben zu können. Das gilt vor allem für den Fungizideinsatz im Getreide. Behandlungen nach Termin, getrieben von dem Argument „haben wir schon immer so gemacht“ sind heute nicht mehr tolerierbar.

Krankheiten treten sehr unterschiedlich auf und der Befall hängt von vielen Faktoren ab. Entscheidend ist immer die jahresspezifische Witterung. Auch die Anfälligkeit der Sorte spielt eine wichtige Rolle. Davon hängt es ab, ob keine oder bis zu drei Fungizidbehandlungen erforderlich werden.

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Die Praxis, aber auch die Beratung ist gefordert, je nach Situation zu entscheiden. Zudem muss die Industrie nach dem Prinzip „nur so viel wie nötig“ entsprechende Lösungen anbieten. Breit wirksame Packlösungen sind oft wenig hilfreich, vor allem dann, wenn es Produkte wie Unix, Talius, Comet oder Proline nur im Pack gibt. Viel besser und umweltschonender wäre es, Einzelprodukte zur Verfügung zu stellen, sodass man situativ das notwendige Potenzial über Soloprodukte zumischen kann. Kaufmännische Argumente dürfen beim Thema Pflanzenschutz nicht zählen.

Wirkstoffe sichern ist A und O

Immer wichtiger wird die Wirkstoffsicherung, auch deshalb, weil jetzt und künftig die Wirkstoffvielfalt durch massive Einschränkungen bei der Neubewertung durch die Zulassungsbehörden verloren geht. Nur Prothioconazol und Revysol werden längerfristig als momentan noch gut wirksame Azole nutzbar bleiben. Ein einseitiger Einsatz führt aber immer schnell zu nachlassender Wirksamkeit. Carboxamide und Strobilurine werden zunehmend an Bedeutung gewinnen, sind selbst aber resistenzgefährdet.

Jeder Anwender muss deshalb die Regeln eines Resistenzmanagements beachten. In 2020 ist zwar noch ein breites Wirkstoffangebot verfügbar. Zudem lässt sich mit auslaufenden Produkten, die im Herbst bzw. Winter vorverkauft wurden, eine preiswerte Strategie realisieren. Grundsätzlich sollte man aber versuchen, jeden Wirkstoff nur einmal einzusetzen. Das gilt besonders für Carboxamide und für das neue Revysol.

Falls notwendig, kann man z.B. zur Kontrolle von Septoria Kontaktwirkstoffe zumischen. Chlorthalonil aus Amistar Opti bringt die effektivste Wirkung gegen Septoria tritici. Dessen Einsatz ist allerdings nur noch bis zum 20. Mai 2020 erlaubt. Etwas schlechter wirkt Dithane NeoTec – noch darunter liegt das neue Folpan 500 EC. All diese Kontaktwirkstoffe sind nicht resistenzgefährdet und können zur Entlastung der Azole und Carboxamide beitragen.

Nachfolgend finden Sie Fungizidstrategien für die Saison 2020, zugeschnitten auf unterschiedliche Situationen.

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Frühe Weizensaat, nasses Frühjahr

Ist der Druck mit Pilzkrankheiten hoch, können bis zu drei Fungizideinsätze erforderlich werden.

Mit einem hohen Krankheitsdruck müssen Sie in früh gesätem Weizen (Ende September/Anfang Oktober), bei Anbau höher anfälliger Sorten (Tobak, Benchmark, Kashmir, Rumor) und in feuchten Frühjahren rechnen. Frühsaaten sind generell stärker gefährdet, weil in diesen der Ausgangsbefall mit Septoria tritici immer höher ist als in Normalsaaten. In Spätsaaten entwickeln sich dagegen im Herbst und milden Wintern kaum Krankheiten.

Empfehlungen zum Spritzstart

Strategien für Situationen mit höherem Krankheitsdruck – wenn also ab dem 20. April anhaltend bis in den Mai hinein wiederkehrende Niederschläge für günstige Septoria-Infektionsbedingungen sorgen (andauernde Blattnässe über 30 Stunden) – entnehmen Sie der Übersicht 1. Es gilt: Je mehr Regen, umso höher ist die Ausbreitungsgefahr von Septoria.

Bei der ersten Behandlung ist es in diesen Fällen wichtig, in anfälligen Sorten und früh gesäten Beständen viel Wert auf eine gute Septoriawirkung zu legen. Spritzungen vor EC 31 sind in der Regel allerdings wenig wirtschaftlich. Wegen der besseren Dauerwirkung empfehlen sich Einsätze um EC 32. Dann schiebt der Weizen bereits das drittletzte Blatt, was von den Fungiziden dann geschützt wird. Letztendlich bestimmt der Regen, sprich die Infektion, den genauen Termin.

Neben Septoria ist in solchen Situationen zu entscheiden, welche Krankheiten zusätzlich bekämpfungswürdig sind. Anhaltend feuchte Witterung begünstigt Schneeschimmel und Halmbruch, ist aber ungünstig für Mehltau und Rostkrankheiten. Falls allerdings nach milder Winter- und warmer Märzwitterung Ausgangsbefall mit Gelbrost und Mehltau vorkommt, kann eine breite Wirkung der ersten Behandlung erforderlich werden. Eine entscheidende Rolle spielt dann die Anfälligkeit der angebauten Sorte. Gegenüber Gelbrost sind Benchmark, Reform, Maddox u.a. anfällig. Schwächen bei Mehltau weisen z.B. Bergamo und Elixer auf.

Je nach Krankheit eignen sich folgende Fungizidkombinationen für die erste Behandlung:

  • Gegen Septoria wirkt Amistar Opti bei vorbeugendem Einsatz (also vor Niederschlägen) sehr gut. Zusätzlich lassen sich damit Neuinfektionen von Gelb- und Braunrost verhindern. In Kombination mit Mirage ist eine Kurativwirkung von bis zu vier Tagen und eine Nebenwirkung auf Schneeschimmel möglich.



  • Mit 1,0 l/ha Opus Top können Sie gegen etwas Mehltau vorgehen, erreichen auf Septoria eine Kurativwirkung von drei Tagen und erzielen eine sehr gute Rostwirkung. Die Mittel Eleando oder Capalo sind fast gleichwertige Alternativen mit zusätzlicher Nebenwirkung auf Halmbruch. Mischen Sie zu diesen Azolen immer ein Kontaktmittel zu. Das im Amistar Opti enthaltene Chlorthalonil bringt die beste Septoriawirkung, etwas schlechter sind 1,5 l/ha Dithane NeoTec, gefolgt vom neuen Folpan 500 EC.



  • Das neue Fungizid Revystar ist gegen Septoria erste Wahl, wenn eine Kurativwirkung nach Niederschlägen gefragt ist. Von 1,0 l/ha darf man eine etwa sechstägige Kurativwirkung erwarten. Das im Pack enthaltene Flexity erweitert die Leistung auf Mehltau (nur vorbeugend) und Halmbruch, ein Einsatz ist aber nicht auf allen Schlägen nötig.

Falls Mehltau stärker vorkommt, ist der Pilz weder mit Revystar noch mit Flexity zu beseitigen. In solchen Fällen können Sie Flexity besser vorziehen und um EC 30 platzieren. Vorhandene Pusteln sind durch Zusatz von z.B. Kantik oder Ceralo zu bekämpfen.

Alternativ lassen sich bei stärker vorhandenem Mehltau um EC 31/32 Input Triple oder Kantik kombiniert mit einem Kontaktmittel (z.B. Amistar Opti, Dithane NeoTec) einsetzen. Input Triple gewährleistet über das enthaltene Talius gegen Mehltau eine sehr lange Dauerwirkung von 28 Tagen (siehe Fungizidtabelle aus der top agrar 1/2020). Kantik ist preiswert, aber wegen der Strohauflage nur dann zu gebrauchen, wenn das Stroh auf der Fläche bleibt.

Welchen Anschluss bei feuchtem Wetter?

Anschlussspritzungen sind nach früher Vorlage bei hohem Krankheitsdruck immer nötig. Den Termin dafür bestimmt die Witterung. Bei anhaltendem Infektionsdruck gilt es, früh ab EC 33 nachzulegen. Falls sich nach der ersten Behandlung bzw. nach Ablauf der Dauerwirkung von etwa 10 bis 14 Tagen trockene Witterung einstellt, kann man warten. Erst bei erneut feuchter Witterungslage ist dann eine Nachlage erforderlich.

Für die zweite Behandlung sind in Situationen mit hohem Septoriadruck die Carboxamid-Produkte erste Wahl. Welches Mittel und welche Aufwandmenge wird durch den Termin, den Infektionsdruck (Sorte und Regendauer) und die benötigte Kurativwirkung bestimmt. Optimal sind Behandlungen vor Infektionen, also vor Niederschlägen. Die vorbeugende Wirkung ist bei allen Produkten gut. Wer nach Niederschlägen oder zwischen Schauern behandelt, sollte nur die besten Produkte wählen.

Bei ca. 80% Aufwandmenge können Sie von Ascra Xpro, Elatus Era, Ceriax und Adexar eine Kurativleistung von etwa 5 bis 6 Tagen erwarten. Revytrex mit voller Aufwandmenge soll kurativ rund 9 Tage wirken. Das im Pack enthaltene Comet ist in dieser Strategie (Septoriakontrolle mit drei Anwendungen) nicht notwendig, da sich die Rostkrankheiten bei hoher Intensität immer ausreichend kontrollieren lassen.

In weniger kritischen Situationen reichen reduzierte Aufwandmengen aus. Das gilt besonders für die 1,2 l/ha Revytrex, 1,0 l/ha Ascra Xpro, 0,8 l/ha Elatus Era und 2,0 l/ha Ceriax. Die Leistung von Gigant gegen Septoria ist schwächer, ähnlich wie die von Aviator Xpro. Vorbeugend eingesetzt, lassen sich mit diesen Produkten in Kombination mit Amistar Opti aber vergleichbare Wirkungen erreichen.

Andere Krankheiten wie Roste werden von allen Carboxamid-Produkten gut kontrolliert. Gegen Halmbruch wirken Ascra Xpro und Elatus Era gut, die anderen haben eine Nebenwirkung. In unseren Versuchen zeigte Ascra Xpro eine brauchbare Mehltauwirkung.

Spezialfall Schneeschimmel

Falls es im Mai stark regnet, müssen Sie insbesondere in der Phase von EC 33 bis 49 (10. bis 30. Mai) mit erhöhter Schneeschimmelgefahr rechnen.

Gegen diesen Erreger ist Elatus Era mit deutlichem Abstand das beste Fungizid. Hohe Wirkungsgrade sind aber nur mit Behandlungen vor Niederschlägen möglich.

Bei Maisvorfrucht gegen Fusarium absichern

Vor allem in Regionen, in denen Mais mit höheren Anteilen in der Fruchtfolge angebaut wird und in der Regel höhere Niederschläge in der Kornfüllungsphase fallen (z.B. Münsterland, Weser-Ems, Oldenburgerland, feuchte Regionen im Süden) besteht Fusariumgefahr. Mit Infektionen ist zu rechnen, wenn warmes, feuchtes Wetter zur Blüte vorherrscht und feuchte Witterung in der Schossphase für eine optimale Entwicklung der Sporen auf der organischen Substanz gesorgt hat.

Einfluss auf den Befall haben zudem die Anfälligkeit der Sorte, die Strohrotte und die Art der Bodenbearbeitung. Mulchsaaten nach Mais – auch nach Silomais – sind am stärksten gefährdet. Je mehr Mais in der Fruchtfolge steht, umso höher ist die Fusariumgefahr.

Die Abschlussbehandlung ist am Wetter auszurichten. Regnet es bei über 20°C in der Blüte, hat der Pilz beste Voraussetzungen. Kurze Phasen von ein bis zwei Tagen mit kaltem Wetter schützen nicht vor Fusarium! Oft sind die Bedingungen suboptimal, sodass man sicherheitshalber die Behandlung mit Fusariumwirkung ausstatten sollte. Nur bei absolut trockener Witterung hat Fusarium keine Infektionschance.

Mit guten Fungiziden lassen sich Wirkungsgrade von 50 bis 80% Toxinreduktionen erzielen. Nach Carboxamidvorlage in der Schossphase sind Azole die Mittel der Wahl. Von Osiris + Prosaro oder Osiris + Soleil sind die besten Toxinreduktionen zu erwarten. Plexeo zeigte auch in Kombination mit Proline in 2019 schlechtere Wirkungen.

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Im Osten reichen oft zwei Fungizideinsätze

In vielen Regionen Ostdeutschlands und auf Schlägen, auf denen kein oder nur sehr selten Mais in der Fruchtfolge steht, hat Fusarium nur eine geringe Bedeutung. Auch für Septoria sind bei geringeren Niederschlägen im Frühjahr die Infektionsbedingungen in der Regel weniger günstig (Ausnahmen: 2010, 2013, 2014). Viele Weizenbestände wurden im Herbst 2019 früh gesät (ab 10. September). Inwieweit Septoria schon früh mit den intensiven Niederschlägen in der ersten Oktoberhälfte infiziert hat, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich waren kaum Ascosporen im Umfeld vorhanden, da Septoria in den zwei extrem trockenen Vorjahren nicht vorgekommen ist.

Achten Sie auf Halmbruch!

Ähnlich wie in 2016 und 2017 könnte aber starker Befall mit dem Halmbrucherreger Cercosporella vorkommen. Gefährdet sind Frühsaaten mit anfälligen Sorten wie Patras und Sorten mit einer Ausprägungsstufe von über 5 für Halmbruch. Rechnen müssen Sie mit dem Erreger insbesondere in den Bördegebieten auf Lössstandorten.

Eine schlechte Strohrotte und feuchte Herbstwitterung führen besonders in Frühsaaten nach Raps und Leguminosen zu hohem Ausgangsbefall im Frühjahr. Die Bekämpfung ist nicht ganz einfach. Gute Wirkungen lassen sich nur dann erzielen, wenn man vor kühler feuchter Witterung behandelt. Gegen Halmbruch wirksame Fungizide verhindern in solchen Phasen Neuinfektionen und das Einwachsen des Pilzes in die Halmwand. Gute Wirkungen sind von EC 30 bis 33 möglich – wenn die Witterung passt.

Für effektive Wirkungsgrade sind nahezu volle Aufwandmengen von Unix und Champion notwendig. Mit Prothioconazol sind noch gute, aber nicht vergleichbare Wirkungen erreichbar. Prochloraz reicht bei Starkbefall nicht aus. Weil Halmbruchwitterung auch Neuinfektionen mit Septoria fördert, empfiehlt sich vor Niederschlägen der Einsatz von 0,75 bis 1,0 kg/ha Unix + 1,25 l/ha Amistar Opti (wirkt gut gegen Halmbruch und Septoria). Mit besserer kurativer Wirkung eignen sich Kombinationen aus 0,6 kg/ha Unix + 1,0 l/ha Mirage + 1,25 l/ha Amistar Opti (besser als 1,0 l/ha Input Classic).

Sofern Champion zur Verfügung steht, gilt fast die gleiche Vorgehensweise: Solo mit 1,25 l/ha Champion + Amistar Opti/Folpan 500 EC bzw. zwischen den Schauern mit 1,0 l/ha Champion + 0,75 l/ha Mirage + 1,25 Amistar Opti oder 1,5 l/ha Folpan 500 EC. Vorteil von Champion ist, dass es sicher auch auf vorhandenen Gelbrost wirkt.

Wenn es trocken wird den Abschluss vorziehen

Oft stellt sich in Trockengebieten nach einer feuchten Phase länger anhaltendes trockenes Wetter ein. Ab EC 39, nachdem sich der Blattapparat ausgebildet hat, können Sie in diesen Fällen die Abschlussbehandlung durchführen. Notwendig wird sie aber wiederum erst, wenn die Witterung feuchter wird oder intensiver Tau den Rost fördert.

Wer in EC 39 behandelt, sollte Fungizidkombinationen mit sehr langer Dauerwirkung wählen, meistens mit dem Schwerpunkt Rost. Geeignet sind hierfür 1,0 l/ha Elatus Era oder 1,25 l/ha Priaxor + 1,25 l/ha Osiris. In weniger braunrostanfälligen Sorten kann man auch 1,5 l/ha Ascra Xpro oder andere Carboxamide verwenden. Ascra Xpro wirkt auch gegen geringen Mehltau- und DTR-Befall. Bei späterer Behandlung oder in sehr gesunden Sorten ist es möglich, weniger intensiv entweder mit reduzierter Menge oder weniger wirksamen Produkten zu behandeln.

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