Pflanzenschutzanwendung

So senken Sie die Abdriftgefahr

Mit abdriftmindernden Düsen lassen sich Wirkstoffeinträge in Oberflächengewässer vermeiden. Wichtig ist, die richtige Düsenstrategie für Ihren Betrieb zu finden.

Unser Autor: Werner Heller, Institut für Pflanzenschutz, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Die Verfrachtung von Wirkstoffen in Oberflächengewässer oder in andere sensible Bereiche ist ein heikles Thema. Eine Ursache davon ist die Abdrift. Die Spritzwolke von feintrop­figen Standarddüsen hinter der Feldspritze ist für jedermann sichtbar.

Obwohl Abdrift – im Gegensatz zu den Punkteinträgen – bei den tatsäch­lichen Gewässerbelastungen eine eher untergeordnete Rolle spielt, kann sie vor allem bei kritischen Wirkstoffen zu Problemen führen: Einerseits besteht die Gefahr, nebenliegende Gewässer zu verunreinigen und andererseits kann es Schäden durch Unverträglichkeiten in Kulturen angrenzender Flächen geben. Problematisch sind Wirkstofffunde insbesondere in Kulturen ohne entsprechende Zulassung oder auf benachbarten Ökoflächen.

Deshalb ist es wichtig, Abdrift über die Behandlungsfläche hinaus unbedingt zu verhindern. Dazu gibt es vielfältige Möglichkeiten.

Passen Wind, Temperatur und Gestängehöhe?

Um Pflanzenschutzmittel optimal und möglichst verlustmindernd einsetzen zu können, gilt es, einige grundsätzliche Punkte zu beachten:

  • Vermeiden Sie Einsätze bei Windgeschwindigkeiten von über 5 m/sec oder bei Temperaturen von über 25 °C mit niedriger Luftfeuchtigkeit. Denn das kann zu Wirkminderungen durch Abdrift und Verdunstung führen.

  • Reduzieren Sie den Anteil feinster Tropfen (kleiner als 100 µm), weil diese stark abdriftgefährdet sind. Ein 100-µm­Tropfen verdunstet bei ungünstiger Witterung innerhalb weniger Sekunden, noch bevor er die Zielfläche erreicht. Durch Luftströmungen und Thermik besteht die Gefahr, dass Wirkstoffe dadurch über weite Strecken vom eigentlichen Zielort weg verlagert werden. Wichtig ist es daher, bei nicht optimalen Witterungsbedingungen den Spritzdruck zu reduzieren, sodass ein gröberes Tropfenspektrum entsteht.Verwenden Sie anerkannte und abdriftarme Injektordüsen, diese erzeugen einen deutlich geringeren Feintropfenanteil als ältere Standarddüsen.

  • Führen Sie insbesondere bei windigem Wetter die Düsen nicht zu hoch über der Zielfläche. Denn ein zu hohes Gestänge verstärkt die Abdrift deutlich.Mittlerweile bieten die Hersteller von Feldspritzen auch moderne Gestänge mit einem Düsenabstand von 25 cm an, um damit tiefer und näher an die Zielfläche zu gelangen. Bei vergleichbarer Verteilung lässt sich dadurch die Abdrift zusätzlich reduzieren.

Eine weitere Möglichkeit, mit der sich Drift vermeiden lässt, ist der Einsatz von Spritzen mit Luftunterstützung. Diese drücken die Tropfen mithilfe eines Luftstroms gezielt in den Bestand. In dichten Beständen kann man damit auch die Anlagerung auf der Blattunterseite verbessern.

Wie sich verschiedene Faktoren auf die Abdrift auswirken und...

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