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Weniger Pflanzenschutz: So passen sich die Maisanbauer an die neue Lage an

Mesurol-Wegfall, TBA-Beschränkungen, GAP-Reform: Wie sich Maisanbauer wieder auf klassisch ackerbauliche Maßnahmen besinnen, um ihre Erträge zu sichern.

Ein Fachbeitrag von Markus Mücke, Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Wirksame Herbizide und chemische Beizen sicherten über Jahre den konventionellen Maisanbau gegen pilzliche und tierische Schaderreger sowie gegen Vogelfraß gut ab. Nun steht der Mais als Sorgloskultur vor dem Umbruch. Deutliche Einschränkungen bei den Beizen führen zu immer mehr Problemen durch bodenbürtige Schädlinge und Vogelfraß. Die gewohnt frühen Saattermine mit z.T. verzögertem Feldaufgang, lassen sich vielerorts nicht mehr halten. Gleichzeitig kommt es 2022 zu deutlichen Einschränkungen im Bereich der Herbizidanwendung. Nicht nur deshalb rücken mechanische Verfahren weiter in den Fokus vieler Maisanbauer. Auch in der GAP-Reform sind Förderungen für den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel vorgesehen. Je weniger chemische Hilfsmittel zur Verfügung stehen, desto größer wird wieder die Bedeutung ackerbaulicher Faktoren.

Blick zum Ökolandbau

Silo- und vor allem Körnermais haben auch im ökologischen Anbau in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Ökolandwirte erreichen dabei Maiserträge, die auf dem Niveau des konventionellen Anbaus liegen können. Zweifelsohne können das Anbaurisiko und die Ertragsschwankungen im ökologischen Maisanbau jedoch wesentlich höher ausfallen. Drei Problembereiche sind hier zu nennen, die auch im konventionellen Maisanbau immer stärker an Bedeutung gewinnen:

  1. Vogelfraß, vor allem durch Saatkrähen, kann zu hohen Ausfällen führen.
  2. Tierische Schaderreger wie z.B. Drahtwurm, Saaten- und Fritfliege.
  3. Beikrautregulierung, die durch vorbeugende und mechanische Maßnahmen umzusetzen ist.

Soll der Maisanbau gelingen, müssen Ökolandwirte besonders präventive ackerbauliche Strategien und Maßnahmen berücksichtigen, die man auch im konventionellen Maisanbau anwenden kann. Sie können aber arbeitsaufwendiger, nicht immer verlässlich und dadurch auch kostenintensiver sein.

Erfolgreich mit späteren Aussaaten

Das Kernziel im Öko-Maisanbau ist es, nach der Saat einen schnellen Aufgang und eine zügige Jugendentwicklung zu erzielen. Damit soll der Mais einen Wachstumsvorsprung gegenüber Beikräutern erreichen und widerstandsfähiger gegenüber Auflaufkrankheiten (z.B. Fusarien, Phytium sp., Rhizoctonia), tierischen Schaderregern und Vogelfraß werden.

Für einen schnellen Aufgang ist es entscheidend, dass der Boden zur Saat eine Temperatur von mindestens 10 bis 12°C in einer Bodentiefe von 5 bis 6 cm erreicht hat. Besser ist es jedoch, erst unter noch wärmeren Bedingungen mit der Aussaat zu beginnen, wie die Grafik 1 verdeutlicht. Bei Bodentemperaturen von 10°C vergehen rund 21 Tage von Aussaat bis zum Aufgang, bei 16°C sind es nur noch sieben Tage. Bei Bodentemperaturen von 10°C vergehen rund 21 Tage von Aussaat bis zum Aufgang, bei 16°C sind es nur noch sieben Tage.

Frühe Saaten im April sind im Ökolandbau selten Erfolg versprechend. Aussaaten Anfang Mai können zwar passen, aber auch hier ist der weitere Witterungsverlauf entscheidend. Im Zweifel ist es besser, die Aussaat erst um Mitte Mai nach den Eisheiligen vorzunehmen. Bei späteren Saaten im Mai müssen Sie aber berücksichtigen, dass bei der Sortenwahl die sichere Abreife vor den Ertrag zu stellen ist. Je nach Region sind dann besonders Sorten der frühen und der mittelfrühen Reifegruppe zu bevorzugen.

Das kalte Frühjahr 2021 zeigte in der Praxis sehr deutlich, welchen positiven Einfluss eine spätere Aussaat hat. Hier wurde es erst Ende Mai spürbar und anhaltend wärmer. Selbst Aussaaten um Mitte Mai brauchten im kalten Boden teils noch über zehn Tage, bis sie aufliefen. Dagegen zeigten Aussaaten in der letzten Maidekade, in der es sich deutlich erwärmte, ein zügiges Auflaufen innerhalb von fünf bis sieben Tagen sowie eine schnelle Jugendentwicklung.

Problemfall Bodenschädlinge

Eine Aussaat in einen nicht ausreichend erwärmten Boden verlangsamt dagegen den Keimprozess und den Feldaufgang. Folgen dann Pflanzenausfälle, liegt die Ursache oft bei tierischen Schaderregern. Häufig handelt es sich um die Larven der Saaten- oder Wurzelfliege. Sie ernähren sich von Pflanzenrückständen, aber auch von keimenden Samen und bohren sich in die Körner. Ungünstige Keimbedingungen fördern den Befall. Die Fliegen bevorzugen frisch gepflügte Flächen mit einem hohen Anteil organischer Rückstände. Neben der Saatenfliege kann auch Drahtwurmbefall zu Pflanzenausfällen führen. Häufig sind einzelne Pflanzen bzw. Pflanzennester betroffen. Sie fangen an zu welken und bleiben im Wuchs zurück, weil der Drahtwurm an den Wurzeln oder auch im Pflanzeninnern frisst. Sehr wirksam sind hier auch spätere Saaten und frohwüchsige Maissorten.

Darüber hinaus ist Fritfliegenbefall ein zunehmendes Problem. Die erste Generation legt ihre Eier im Ein- bis Zwei-Blatt-Stadium ab. Die Larven schlüpfen bereits wenige Tage später und...

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