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Wie rechnen sich Freiflächenanlagen?

Die Bundesregierung hat die Vergütung für Freiflächenanlagen angehoben. Aber auch deren Preis ist gestiegen. Lohnt sich eine Investition?

Lesezeit: 8 Minuten

Der Druck ist hoch: Bis 2030 will die Regierung die Stromproduktion aus Photovoltaikanlagen verdreifachen. Eine wichtige Rolle werden dabei auch Freiflächenphotovoltaikanlagen spielen. Allerdings ist eine Investition kein Selbstläufer. Das wurde anhand unserer Beispielkalkulationen im vergangenen Jahr deutlich (top ­agrar 6/2022, ab Seite 32).

Die Ampelkoalition hat die Vergütung zwar in der Zwischenzeit ange­hoben. Fast zeitgleich schnellten allerdings auch die Anlagenpreise in die Höhe. Die Energieberater von C.A.R.M.E.N aus Straubing haben deshalb nachgerechnet: Zahlt sich eine Investition derzeit aus? Wie im vergangenen Jahr haben wir zwei unterschiedlich große Anlagen ins Rennen geschickt: eine Ein- und eine Fünf-Megawatt-Anlage (1 MW bzw. 5 MW).

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Verkauf an der Börse

  • Anlagen bis 1 MW: Anders als bei großen Anlagen halten sich die Kosten für diese Größenklasse in Grenzen. Daher ist dieser Anlagentyp für Landwirte interessant, die alleine oder zusammen mit Nachbarn investieren wollen. Weiterer Pluspunkt: Für Anlagen mit bis zu 1 MW erhalten Sie seit Anfang des Jahres eine feste Einspeisevergütung. Vor einem Jahr lag die Grenze noch bei 750 kW. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie die Anlage auf dafür vorgesehene Flächen installieren, zum Beispiel entlang von Autobahnen oder Schienen. Derzeit stehen Ihnen 7 ct/kWh zu. Experten nennen diesen Wert auch „anzulegenden Wert“.

    Zum Verständnis: Sie erhalten zwar eine gesetzlich festgeschriebene Vergütung in Höhe des „anzulegenden Wertes“. Sie müssen den Strom aber zunächst an der Börse vermarkten. Dies können Sie nicht selbst, sondern dazu benötigen Sie einen Direktvermarkter. Dieser verkauft für Sie den Strom und überweist Ihnen den Erlös abzüglich eines Entgeldes für die Bearbeitung (etwa 0,3 ct/kWh).

    Wenn Sie durch den Stromverkauf weniger einnehmen, als Ihnen nach dem anzulegenden Wert zusteht, erhalten Sie eine Marktprämie vom Netzbetreiber. Diese gleicht die Differenz aus. Die Höhe der Marktprämie legen die Netzbetreiber jeden Monat neu fest und orientieren sich dabei am durchschnittlichen Börsenpreis für Solarstrom. Sie können somit sogar mehr als 7 ct/kWh erzielen. Denn wenn die Nachfrage an der Börse höher als das Angebot ausfällt, steigen die Strompreise und damit steigt auch die Prämie. Nehmen Sie zusammen mit der Prämie mehr als 7 ct/kWh ein, dürfen Sie die Mehrerlöse behalten. Derzeit werden die Zusatzeinnahmen für Anlagen mit über ­einem Megawatt Leistung jedoch teilweise vom Staat abgeschöpft (Übererlösabschöpfung).

    Sicherheitshalber haben wir in unseren Kalkulationen 7 ct/kWh angesetzt, die Ihnen 20 Jahre lang zustehen, plus die restlichen Monate des Jahres, in dem Sie die Anlage an das Netz anschließen. In unseren Beispielen sind wir von genau 20 Jahren ausgegangen. Bis Januar 2024 bleiben die Vergütungssätze im Übrigen gleich. Danach sinkt der Wert im Laufe der Zeit. Je später Sie Ihre Anlage in Betrieb nehmen, desto niedriger fällt somit Ihre Vergütung aus, die Sie dann aber 20 Jahre lang in unveränderter Höhe erhalten. Auf den Seiten der Bundesnetzagentur können Sie die jeweils aktuellen Vergütungssätze abrufen (www.bundesnetzagentur.de).
  • 5 MW-Anlage: Eine Investition in diese Anlagentypen schlägt schnell mit einigen Millionen zu Buche. Auftraggeber solcher Projekte sind in der Regel Investoren oder Bürgerenergiegesellschaften. Anders als bei Anlagen mit einer Leistung von bis zu 1 MW erhalten Sie für diese Kraftwerke keine ge­setzlich festgelegte Einspeisevergütung, sondern müssen an einer Ausschreibung teilnehmen. Das funktioniert so: Zunächst legt der Staat einen Höchstwert fest. Aktuell liegt dieser bei 7,37 ct/kWh. Um einen Zuschlag zu bekommen, müssen Sie diesen Wert unterbieten und die Konkurrenz mit einem möglichst niedrigen Preis ausstechen. Bekommen Sie einen Zuschlag, erhalten Sie die Vergütung aus Ihrem Gebot 20 Jahre lang (ohne die restlichen Monate im Jahr der Installation). Für die Direktvermarktung des Solarstroms gilt auch hier: Liegt der Wert unter der Ihnen zustehenden Vergütung, erhalten Sie eine Marktprämie, die die Lücke ausgleicht. Möglicherweise erzielen Sie über den Verkauf an der Börse einen höheren Preis. In unseren Berechnungen haben wir die Mehreinnahmen außen vor gelassen.

Teure Technik

Für eine Anlage mit 1 MW müssen Sie derzeit rund 830 € je Kilowatt Leistung einplanen (inkl. aller Kosten, Übersicht 1 auf Seite 46). Die reine Investition schlägt somit mit 830 000 € zu Buche. Je größer die Anlage, desto geringer fallen die Kosten pro Kilowatt aus. Bei 5 MW können Sie von etwa 740 €/kWp ausgehen, bzw. insgesamt rund 3,7 Mio. €.

Den größten Anteil an den Kosten hat die Anlage selbst (bis etwa 88 % der gesamten Kosten). Der Rest verteilt sich auf den Netzanschluss (ca. 3 %), den Zaunbau (ca. 2 %), Planung (ca. 2 %), Bürgschaft für den Anlagenrückbau (ca. 1 %), Ausgleichsfläche (ca. 1 %) und Sonstiges wie Erdarbeiten, artenschutzrechtliche Prüfung, Blendgutachten etc. (ca. 3 %).

Freiflächenanlagen sind relativ betreuungsarm. Allerdings müssen Sie Ihr Kraftwerk z. B. warten lassen, versichern und Sie benötigen einen Steuerberater. Für eine 1 MW-Anlage betragen die laufenden Kosten rund 11.000 €/Jahr. Für eine 5 MW-Anlage sind es rund fünfmal so viel (50.000 €/Jahr).

Neben den Kapitalkosten können Ausgaben für die Flächenpacht hinzukommen. Pro Megawatt installierter Anlagenleistung sollten Sie ungefähr mit einem Flächenbedarf von einem Hektar rechnen. Bei größeren Anlagen kann der Wert auch darunter liegen, weil Sie die Fläche effizienter nutzen können. Je nach Region liegen die jährlichen Pachtpreise zwischen 2.000 und 3.000 €. In einigen Kreisen wird auch mehr gezahlt. In der nachfolgenden Berechnung haben wir die Pacht außen vor gelassen und sind von einer Nutzung auf der eigenen Fläche ausgegangen.

Einmal installiert, erzeugen die Module über Jahrzehnte hinweg Strom. Allerdings nimmt die Modulleistung im Laufe der Jahre ab. Im Schnitt verlieren diese pro Jahr bis etwa 0,5 % ihrer Leistung. Auf 20 Jahre hochgerechnet sind das rund 10 % Verlust.

Zudem scheint die Sonne nicht überall gleich stark. Für beide Anlagen haben wir daher unterschiedliche Standorte angenommen: Einen mittleren mit 900 kWh/Jahr, einen guten mit 1.000 kWh/Jahr und einen sehr guten mit 1.100 kWh/Jahr je Kilowatt installierter Leistung.

Übersicht 1: So rechnen sich Freiflächen-Photovoltaikanlagen

Wie stark die Sonnenernte das Ergebnis beeinflusst, wird an den Stromeinnahmen deutlich. Während sich an einem mittleren Standort die reinen Einnahmen aus der 1 MW-Anlage auf knapp 1,2 Mio. € auf die gesamte Laufzeit addieren, sind es am guten Standort etwa 1,3 Mio. € und am sehr guten rund 1,5 Mio. €. Wer das nötige „Kleingeld“ hat und es anstatt auf ein Konto in eine 1 MW-Anlage stecken möchte, wird selbst auf mittleren bis guten Standorten keine Reichtümer anhäufen. Zwar weist unsere Berechnung einen Deckungsbeitrag von bis zu 23.000 € an einem sehr guten Standort aus. Setzt man das Kapital hingegen ins Verhältnis zu den Einnahmen, beträgt die Rendite 2,49 % pro Jahr (Gewinn/(Eigen- + Fremdkapital)). Hinzu kommt: In unseren Berechnungen haben wir keine Zinsen für das investierte Kapital angesetzt.

Keine Reichtümer in Sicht

Wer diesen Anlagentyp komplett fremd­finanziert, fährt an mittleren bis guten Standorten sogar ein Minus ein (4,5 % Zinsen). Erst bei einer sehr guten Einstrahlung dreht sich das Minus leicht ins Plus (Deckungsbeitrag 1.157 €/Jahr). Besser fällt das Ergebnis für die 5 MW-Anlage aus. Wer auf Fremdmittel verzichtet, kann je nach Standort 1,74 bis 3,53 % Rendite erreichen. Bei einer Fremdfinanzierung fällt das Ergebnis schlechter aus, liegt an Gunststandorten aber immerhin bei 1,17 %. Wer an der ein oder anderen Schraube dreht, kann hingegen sein Ergebnis deutlich verbessern.

Übersicht 2: Diese Faktoren prägen das Ergebnis*

Nur ein Beispiel: Wenn Sie die Kosten für eine fremdfinanzierte 5 MW-Anlage um 5 % reduzieren, erhöht sich der Deckungsbeitrag auf rund 4.300 €/Jahr und Hektar (Übersicht 2). Um überhaupt eine schwarze Null zu schreiben, müssten Sie die Kosten für eine 1 MW-Anlage um 15 % drücken. Ein Kostentreiber ist auch der Netzanschluss. Je mehr Leitung Sie verlegen müssen, desto teurer wird es. Wer kann, plant die Anlage möglichst an einem Ort nahe einer Mittelspannungsleitung und setzt sich frühzeitig mit dem Netzbetreiber in Verbindung, wo ein für das Projekt geeigneter Einspeisepunkt liegt. So lassen sich womöglich Tausende von Euro sparen.

Strom vermarkten

Letztendlich hängt der Erfolg auch von der Vergütung ab. Das zeigt Übersicht 2. Spannend kann es daher sein, seinen Strom nicht ins öffentliche Netz einzuspeisen und eine Vergütung zu kassieren bzw. den Strom an der Börse zu vermarkten, sondern stattdessen direkt an Verbraucher bzw. Unternehmen zu verkaufen. Hier lassen sich höhere Erlöse erzielen.

Dazu schließen Sie so genannte langfristige Stromabnahmeverträge mit Ihrem Kunden ab, sogenannte „PPA-Verträge“. Allerdings muss Ihr Stromabnehmer nicht nur den Preis zahlen, den Sie mit ihm vereinbaren, sondern es fallen auch Steuern, ggf. Netznutzungsentgelte und weitere Kosten an. Daher lassen sich auch bei diesen Modellen keine unbegrenzt hohen Strompreise erzielen.

Unsere Experten: Julian Müller und Clemens Garnhartner, C.A.R.M.E.N. e.V. in Straubing (Bayern)

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