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Bioenergiedörfer funktionieren nur von unten nach oben!

Die Bioenergiedörfer Grosbardorf (Bayern), Oberrosphe (Hessen) und Schlöben (Thüringen) haben den mit 10.000 € dotierten Preis „Bioenergiedorf 2012“ erhalten. Peter Bleser, Staatssekretär des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zeichnete die Vertreter der drei Dörfer gestern Abend auf dem Bioenergy-Abend der Messe „Bioenergy Decentral“ in Hannover aus.

Lesezeit: 5 Minuten

Die Bioenergiedörfer Grosbardorf (Bayern), Oberrosphe (Hessen) und Schlöben (Thüringen) haben den mit 10.000 € dotierten Preis „Bioenergiedorf 2012“ erhalten. Peter Bleser, Staatssekretär des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zeichnete die Vertreter der drei  Dörfer gestern Abend auf dem Bioenergy-Abend der Messe „Bioenergy Decentral“ in Hannover aus.

Bis zum 1. Juni diesen Jahres hatten sich 41 Dörfer und Ortsteile beworben, deren Energieversorgung zu mindestens 50 % auf regenerativer Biomasse basiert. Bei der Preisvergabe besonders berücksichtigt wurden der Versorgungsgrad mit Bioenergie, die Effizienz, die Nachhaltigkeit und technische Konzepte, die regionale Wertschöpfung, die Beteiligung der Bevölkerung und die aktive Öffentlichkeitsarbeit. „Denn die Dörfer sollen ja Beispiele sein, die von möglichst vielen nachgeahmt werden“, sagte Bleser. Ziel des Wettbewerbs war, besonders gelungene Konzepte im öffentlichen Raum auszuzeichnen.

 

Großbardorf: Das Geld des Dorfes dem Dorfe

 

Im nordbayerischen Bioenergiedorf Großbardorf wird dieses Motto des Reformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen gelebt und neu interpretiert. Rund 50 Mio. € haben die Dorfbewohner seit 2005 in den Ausbau von Photovoltaikanlagen, der Biogasanlage und des Nahwärmenetzes investiert. Seit 2011 betreiben 41 Landwirte die Biogasanlage als GmbH. Sie bauen die benötigten Rohstoffe an. Der Maisanteil übersteigt in der Gemarkung nicht die 7 %-Marke. Im Sommer wird die überschüssige Wärme von den Landwirten genutzt, um Getreide und Mais zu trocknen, im Winter wird eine Hackschnitzelheizanlage dazu geschaltet.


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Das Nahwärmenetz gehört einer Genossenschaft, in der alle 121 Abnehmer Mitglieder sind. 130 Arbeitsplätze konnten durch die Ansiedlung einer Firma geschaffen werden, die eigens wegen des dauerhaft günstigen Wärmepreises den Standort wählte. „Die Idee zu dem Projekt ist aus der Gemeinschaft heraus im Jahr 2003 entstanden. Damals haben sich Bürger mit der Entwicklung einer Freiflächenanlage Gedanken gemacht“, blickt Großbardorfs Bürgermeister Josef Demar zurück. Daraus ist eine Photovoltaikanlage entstanden, an der sich 100 Personen, 50 davon aus Großbardorf, beteiligt haben. Eine kleine Hackschnitzelheizung, ein Nahwärmenetz, die Biogasanlage und noch ein Holzheizwerk folgten. „Unser Beispiel zeigt: Wenn sich viele kluge Köpfe zusammentun, entsteht Wachstum. Wo Energie ist, ist Wachstum und Entwicklung, wo Entwicklung ist, ist auch Leben, und wo Leben ist, entsteht etwas für die Zukunft. Diese Investition ist eine Saat, die unsere Kinder noch ernten werden“, berichtete Demar den rund 500 Gästen des Bioenergy-Abends.

 

Oberrosphe: Rentner-Engagement wird groß geschrieben

 

Im hessischen Bioenergiedorf Oberrosphe am Rande des Odenwalds erzeugen die Bürger seit Oktober 2008 Wärme aus dem eigenen Hackschnitzelheizwerk. Befeuert wird es mit Kronen- und Restholz aus dem Odenwald und der ganzen Region. Über ein 7 km langes Nahwärmenetz strömt die Wärme anschließend in die Häuser. Nahwärmenetz und Heizwerk gehören der Genossenschaft „Bioenergiedorf Oberrosphe“. Jeder Abnehmer ist zugleich Teilhaber. Die Mitglieder können ihren Wärmepreis selbst bestimmen. Und der ist seit 2008 unverändert günstig.


Möglich macht das auch das Rentnermanagement. Pensionierte Dorfbewohner übernehmen die gesamte Verwaltung ehrenamtlich. Das bringt Wertschöpfung für Alt und Jung und ganz neue Kontakte im Dorf. Seit 2011 wird die Hackschnitzelanlage im Sommer ausgeschaltet, da ein örtlicher Betreiber seine Biogasanlage an das Dorfheizwerk angeschlossen hat. Das Preisgeld aus dem Wettbewerb soll in Kleinwindanlagen fließen und sprichwörtlich für frischen Wind sorgen. „Bioenergiedörfer funktionieren nur von unten nach oben. Kommunalpolitiker müssen dafür sorgen, dass die ehrenamtlichen Kräfte freigesetzt werden. Es braucht für die Kommunalpolitik viel Zeit“, resümierte Oberrosphes Bürgermeister Kai-Uwe Spanka nach der Preisübergabe.

 

Schlöben: Bioenergiedorf erhöht die Bekanntheit

 

Im thüringischen Bioenergiedorf Schlöben ziehen Gemeinde und Agrargenossenschaft an einem Strang für eine autarke Energieversorgung. Seit 2009 gehören zur Genossenschaft Bioenergiedorf Schlöben auch die Träger des Kindergartens, der Grundschule und die Bürger. Alle zusammen besitzen das Nahwärmenetz der Biogasanlage, drei Blockheizkraftwerke und einen Holzhackschnitzelkessel für die Wärmeversorgung. Abnehmer sind 130 von insgesamt 187 Haushalten. Mit ihren rund 2500 ha Fläche liefert die Agrargenossenschaft alle benötigten Rohstoffe für die Biogasanlage. Außerdem sind die Trocknungsanlage für das Getreide und das Wärmenetz angeschlossen. Auf Synergieeffekte haben die Schlöbener besonders geachtet. Eine Ölmühle produziert Rapsöl als Kraftstoff und Rapskuchen zur Rinderfütterung. Das Nahwärmenetz wurde zusammen mit Stromleitungen und einem Breitbandkabel verlegt.


Die neue Infrastruktur und der günstige Wärmepreis sind eine Kombination, durch die Schlöben deutlich an Attraktivität für Zuzügler gewinnt. „ Auch der heutige Abend  hilft, uns noch bekannter zu machen. Wir erleben jetzt schon einen waren Besucherboom“, berichtete Hans- Peter Perschke, Bürgermeister von Schlöben. Leute aus dem In- und Ausland kommen in das Dorf, um sich das Konzept anzuschauen. „Das Preisgeld wollen wir dafür nutzen, eine professionelle Betreuung von nationalen und internationalen Gästen aufzubauen“, stellt Perschke in Aussicht.

 

Rund 400 Dörfer ziehen nach

 

„Die Bioenergiedörfer können zurecht stolz sein, was sie vor Ort geleistet haben“, lobt Bleser das Engagement. Seit dem Start des ersten Bioenergiedorfes Jühnde bei Göttingen wächst laut Bleser die Zahl an regionaler Bioenergie-Initiativen. Auf der vom BMELV  und der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe initiierten Internetseite www.wege-zum-bioenergiedorf.de sind über 100 bereits bestehende oder in der Umsetzung befindliche Bioenergiedörfer aufgelistet. „Zusätzlich sind uns 300 weitere Ansätze bekannt, die bisher noch nicht offiziell gelistet sind“, macht der Staatssekretär aufmerksam. Seit dem 1. Wettbewerb im Jahr 2010 hat sich die Anzahl der Bioenergiedorf-Initiativen damit vervierfacht.   (neu)

 

 

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