Podiumsdiskussion

Biogas: Für die Zukunft gerüstet?

Aktuell sind viele Biogasbetreiber dabei, ihre Anlagen zu flexibilisieren. Knapp die Hälfte der Anlagen hat dieses Ziel schon erreicht. Das bedeutet hohe Investitionen für Landwirte, für größere Gasspeicher und leistungsstärkere BHKW. Im Gegenzug gibt es die Flexprämie aus dem EEG und die Erträge auf dem Strommarkt, die allmählich wieder anziehen.

„In Zukunft wird es bei der Biogaserzeugung um Klasse statt Masse gehen. Dafür muss das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weiterentwickelt werden und dafür muss die Biogasbranche insgesamt wieder innovativer werden.“ Das forderte Christoph Hanrott von der Energielenker Beratungs GmbH in der vergangenen Woche bei einer Podiumsdiskussion zum Auslaufen des EEG im münsterländischen Vreden (Kreis Borken). Rund 200 Landwirte, Anlagenhersteller und weitere Interessierte diskutierten dort auf Einladung von Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch über die Zukunft der Biogasanlagen.

47.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Die Branche habe einiges zu verlieren, warnte Hanrott. „Es geht um 9.500 Anlagen und insgesamt 47.000 Arbeitsplätze“, zeigte der Berater die Dimension auf. Aktuell sind viele Betreiber dabei, Ihre Anlagen zu flexibilisieren. „Knapp die Hälfte der Anlagen hat dieses Ziel schon erreicht“, betonte Hendrik Becker vom Fachverband Biogas. Das bedeute hohe Investitionen für Landwirte, für größere Gasspeicher und leistungsstärkere BHKW. Im Gegenzug gebe es die Flexprämie aus dem EEG und die Erträge auf dem Strommarkt, die allmählich wieder anzögen.

„Wir raten unseren Mitgliedern, die Flexibilisierung rechtzeitig einzuleiten und mit den Stadtwerken Kontakte aufzunehmen“, empfahl Ludger Schulze Beiering, Kreisverbandsvorsitzender des Westfälisch-Lippischen Bauernverbands (WLV) im Kreis Borken und Vorsitzender des WLV-Arbeitskreises Bioenergie. Matthias Temminghoff, Anlagenbetreiber aus Vreden und Ortsvereinsvorsitzender des WLV in Vreden, hat das schon getan. „Das ist ein enormer finanzieller Aufwand, ohne dass ich 100 %ig sicher sein kann, dass sich die Investition auch lohnt, erläuterte Temminghoff seine Rahmenbedingungen.

Raus aus dem Klein-klein des EEG

„Was wir brauchen, sind langfristige Rahmenbedingungen für Biogas“, fordert Becker. Gegenwärtig stünde bei vielen Anlagenbetreibern die Flexibilisierung und der Ersatz von Mais durch Gülle im Vordergrund. Der begrenzende Flexdeckel (1.000 MW) werde aber voraussichtlich noch im Jahr 2019 erreicht. Dann sei diese Option erst einmal vorbei. Deshalb sei es jetzt wichtig, dass die Bundesregierung das Ausschreibungsverfahren weiterentwickle und Anreize für neue Entwicklungen schaffe. Power to Gas-Anlagen (Strom zu Gas) könnten eine Möglichkeit sein, die Energie für andere Nutzungen verfügbar zu machen, zum Beispiel für den Autoverkehr. „In diesen Bereichen werden wir in den nächsten Jahren noch große Fortschritte sehen“, ist sich der Wissenschaftler Dr. Michael Weber von Energieagentur NRW sicher.

Was alle Experten unisono beklagten, ist der enorme Zeit- und Bürokratieaufwand insbesondere für die Genehmigungsprozesse zum Beispiel im Rahmen der Flexibilisierung. „Ohne juristische Unterstützung sind diese kaum zu bewältigen“, sagte Rechtsanwalt Dr. Arnim Albert, der sich stark auf die juristische Beratung und als Rechtsbestand von Anlagenbetreibern spezialisiert hat.

Dennoch zeigten sich die Experten überwiegend optisch. „Ich gehe davon aus, dass Biogas auch in Zukunft Bestand hat. Von der Politik müssen dafür aber klare Ziele gesetzt werden“, forderte Temminghoff. „Gegenwärtig fahren wir allerdings nur auf Sicht“, beschrieb Becker die Ausgangslage. „Notwendig ist es, langfristige Weichenstellungen vorzunehmen und vom Klein-klein des EEG wegzukommen. Wenn das die Politik nicht schafft, gerät die Energiewende in Gefahr.“


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