Agrophotovoltaik

Doppelnutzung auf dem Acker: Solarstrom und Nahrungsmittel

In Bayern ist eine neuartige Agrophotovoltaikanlage ans Netz gegangen. Die nachgeführten Module sind nach Süden ausgerichtet und lassen sich senkrecht aufstellen.

In Althegnenberg im oberbayrischen Landkreis Fürstenfeldbruck steht neuerdings eine innovative Solaranlage auf einer Ackerfläche. Initiator dafür war Thomas Rebitzer. Der studierte Maschinenbauer und Lehrer an Fach- und Berufsoberschulen (FOS/BOS) in Friedberg plante die Anlage zusammen mit seinen Schülern. Für die Umsetzung der Anlage konnte Rebitzer das Ehepaar Wiedemann, Besitzer der Agrarfläche in Althegnenberg, sowie Pächter und Bio-Landwirt Martin Gastl gewinnen. Zusammen gründeten sie die Agro-Photovoltaik-GbR und stemmten die Finanzierung aus eigenen Mitteln.

14 m auseinander, 2,5 m hoch

Über der rund 2,2 Hektar großen Ackerfläche hat der Solarfachbetrieb „Öko-Haus“ die Solarmodule im Abstand von 14 Metern errichtet. Im Gegensatz zur sonst üblichen Ost-West-Ausrichtung sind die Module auf einem Nachführsystem nach Süden ausgerichtet und in 2,5 Meter Höhe auf einer drehbaren Welle mit einer Gesamthöhe von 4,4 Meter montiert. Durch Solar-Tracking folgen sie dem Lauf der Sonne. „Die PV-Anlage liefert im Durchschnitt rund 20 Prozent Mehrertrag“, erklärt Felix Steber, Geschäftsführer von Öko-Haus.

Module lassen sich senkrecht stellen

Für die Ernte der Ackerfrüchte lassen sich die Module senkrecht aufstellen. Der Landwirt kann den Acker bis zu einem halben Meter an die Tragstützen heran maschinell bewirtschaften. Der Be- reich unter den PV-Montagesystemen soll durch Anlegen von Biotopen oder spezieller Kräuter- und Beerensträuchern dem Artenschutz dienen. Durch die Teilverschattung erreicht der Landwirt je nach Bepflanzung einen Mehrertrag von rund 30 %. Wissenschaftlern zufolge wirkt sich der Schattenwurf positiv auf Lufttemperatur, Einstrahlung und den Wasserbedarf aus: Der Schatten führe zu kühleren Tages- sowie wärmeren Nachttemperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit als beim traditionellen Anbau unter freiem Himmel.

Einspeisevergütung für Agrophotovoltaik gefordert

Die Agrophotovoltaik-Anlage in Althegnenberg ist seit April 2020 am Netz. Die Betreibergesellschaft freut sich über das erfolgreich umgesetzte PV-Projekt, das Signalwirkung auf Folgeprojekte haben soll. Auch auf politischer Ebene will Rebitzer etwas bewirken: „Zur offiziellen Einweihung der Anlage im Oktober laden wir politische Entscheider ein. Agrophotovoltaik ist die Lösung für den Nutzungskonflikt um Flächen. Wir möchten eine Gesetzesänderung erreichen.“ Wenn die Einspeisevergütung für AGV-Anlagen an Autobahnen und Bahnlinien ohne den Abstand von 110 Metern gelte, würden mehr PV-Anlagen dieser Art entstehen. „Das ist unser Ziel“, sagt Thomas Rebitzer.


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