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topplus Jubiläum in Schwandorf

HZI Schmack sieht Zukunft im Biomethan

Seit 20 Jahren ist Hitachi Zosen Inova (HZI) Schmack (früher Schmack Biogas) in Schwandorf tätig. Das Unternehmen hat nicht nur Meilensteine gesetzt, sondern auch zwei Konzernübernahmen hinter sich.

Lesezeit: 6 Minuten

Vom Biogasanlagenbauer zum Spezialisten für regenerative Gase: Das Unternehmen HZI Schmack hat in fast dreißig Jahren eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Der im Jahr 1995 gegründete Generalunternehmer von Biogasanlagen siedelte im Jahr 2003 von Burglengenfeld nach Schwandorf (Oberpfalz) um – auf das Gelände des ehemaligen Braunkohlekraftwerks der Bayernwerk AG. Das zwanzigjährige Jubiläum des Standorts nahm die Firma jetzt zum Anlass zu einem Rück- und Ausblick.

Vom Kraftwerksareal zum Biogas-Hotspot

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Neben dem Verwaltungsgebäude des Braunkohlekraftwerks der Bayernwerk AG, das noch heute als Firmenzentrale dient, übernahm Schmack nach seinem Umzug das Kraftwerkslabor in Schwandorf und setzte den neuen Schwerpunkt auf Biogasanalytik.

Nach dem Rückbau der Kraftwerksblöcke begann 2004 mit der Planung und dem Bau der ersten Biogasanlage die neue Nutzung des restlichen Areals als Biogas-Hotspot. Die damals größte Biomethananlage Deutschlands wurde 2008 mit viel politischer Prominenz eingeweiht. Besitzer ist die Bioerdgas Schwandorf GmbH (ein Konsortium aus der E.on Bioerdgas GmbH und der Bayernwerk Natur GmbH), die technische Betriebsführung hat HZI Schmack in den Anfangsjahren übernommen.

Das Labor, die Zusammenarbeit mit Energieversorgern und der Fokus auf die Einspeisung von Biomethan ins Erdgasnetz waren damals die Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens. „Vor zwanzig Jahren war es normal, dass eine Biogasanlage zweimal im Jahr abstürzte. Darum haben wir schon früh mit der Prozessanalyse und anwendungsorientierter Forschung im Labor und in unserem Technikum beschäftigt“, sagt Chemikerin Doris Schmack, Ehefrau eines der Firmengründer und von Anfang zuständig für alle Fragestellungen rund um Biologie im Unternehmen.

Erste Anlage mit Mais-Monovergärung

Mit dem Wissen um die Fermenterbiologie wagte sich HZI Schmack im Jahr 2003 an ein besonderes Projekt: Die erste Biogasanlage, die ohne Gülle ausschließlich Mais vergärt. Weil das Neuanlagengeschäft auf dem deutschen Markt damals in Erwartung des EEG 2004 stillstand, baute Schmack die Anlage im österreichischen St. Veith. Mit 1 MW elektrischer Leistung war es die damals größte landwirtschaftliche Biogasanlage in Europa.

Ein weiterer Meilenstein der Entwicklungsabteilung war die Markteinführung der speziellen Bakterienkultur „Methanos“ im Jahr 2009. Dabei handelt es sich um zwei Bakterienstämme, die aus Biogasanlagen mit besonders hoher Gasausbeute isoliert wurden. Schmack hat ein Verfahren entwickelt, um sie  in großer Menge zu züchten und haltbar zu machen. Im gefrorenen Zustand werden die Bakterien dem Fermenter beim Einsatz von schwierigen Substraten, wie zum Besipiel Festmist, zugegeben.

Im Jahr 2012 begann HZI Schmack mit der Entwicklung einer Power to Gas-Technologie mit dem Namen BiON. Bei dieser biologischen Methanisierung werden in einem Bioreaktor Biogas und Elektrolyse-Wasserstoff zusammengeführt. Spezielle Bakterien synthetisieren in Sekunden das im Rohbiogas enthaltene CO₂ mit dem Wasserstoff zu Methan (CH₄ ). Die mit 2,5 Megawatt Elekrolyseurleistung erste industrielle Anlage in Europa hat HZI Schmack im Jahr 2021 im schweizerischen Dietikon gebaut.

Rückschläge und Neustarts

Neben diesen Schritten hat HZI Schmack aber auch einige Rückschläge und Neustarts erleben müssen: Auf dem Höhepunkt der Firmenexpansion mit knapp 500 Mitarbeitern musste Schmack im Jahr 2009 Insolvenz anmelden. Erst 2006 war das Unternehmen an die Börse gegangen. Im Jahr 2010 übernahm es der hessische Heizungskonzern Viessmann. Aus dem Zusammenschluss ist u.a. eine spezielle Beratung zu Bioenergiedörfern entstanden, um Nahwärmelösungen auf Basis von Biogas-BHKW, Holzheizungen und anderen Wärmequellen aufzubauen.

Die Zusammenarbeit mit Viessmann währte knapp zwölf Jahre. Seit Oktober 2021 ist HZI Schmack Teil des Konzernverbunds des schweizerisch-japanischen Unternehmen Hitachi Zosen Inova (HZI). Das Unternehmen mit Sitz in Zürich bietet Technologien an, um erneuerbare Energien aus Abfällen und biogenen Reststoffen zu gewinnen. HZI Schmack bringt die Erfahrungen zur Biogas-, Biomethan- und Power-to-Gas-Technologie ein. Immer noch sind das Technikum und das Labor in Schwandorf dabei zentrale Elemente der Forschung und biologischen Betreuung.

Beratung bestehender Anlagen

Seit 2017 hat HZI Schmack den Schwerpunkt auf das Servicegeschäft gelegt. „Auch heute ist das Geschäft stark auf den Bestand ausgelegt: Wir beraten viele Betreiber, wie sie ihre Anlagen nach 20 Jahren EEG-Laufzeit fit für die Zukunft machen können“, sagt Manuel Götz, heutiger Geschäftsführer der Hitachi Zosen Inova Schmack GmbH.

Der Einstieg von HZI hat den Standort Schwandorf aufgewertet: Der Schmack-Sitz ist jetzt europäisches Kompetenzzentrum für regenerative Gase. Aktuell arbeiten hier 180 Mitarbeiter, fünfzig weitere Stellen für Projektingenieure, Anlagen-Planer, Verfahrenstechniker, Labormitarbeiter und Monteure sind ausgeschrieben. Darum blickt HZI Schmack kurz vor seinem 30jährigen Firmenjubiläum optimistisch in die Zukunft.

Diese Trends sieht HZI Schmack

Aus Sicht von HZI Schmack wird sich die Branche wie folgt weiterentwickeln:

  • Die Vorortverstromung von Biogas im BHKW ist nur noch eine Option für Anlagen, die eine vernünftige, wirtschaftliche Wärmeverwertung haben.

  • Viele Betreiber werden auf die Biomethaneinspeisung umsteigen. „Treiber sind neue Perspektiven für das Biomethan“, sagt Geschäftsführer Manuel Götz. Denn das Biomethan wird nicht mehr nur zur Verstromung in BHKW genutzt, die an einer guten Wärmequelle stehen. Neue Märkte sind die Verwendung als Kraftstoff sowie als Brennstoff in Gasthermen. Damit können Hausbesitzer den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes nachkommen.

  • Sollten Anlagen zu klein sein für eine eigene Gasaufbereitung, werden sich einige zu Clustern zusammenschließen und eine gemeinsame Aufbereitung bauen. „Noch ist der Weg sehr bürokratisch. Aber ähnliche Probleme hatten die ersten Gaseinspeiseanlagen auch, bis im Jahr 2009 die novellierte Gasnetzzugangsverordnung in Kraft getreten ist“, blickt er zurück. Darum ist er optimistisch, dass auch der Zusammenschluss von Anlagen bald zur üblichen Praxis gehört.

  • Die Vergärung von Gülle, Festmist, Hühnertrockenkot aber auch von industriellen Abfällen wird weiter zunehmen. „Wir untersuchen die Einsatzstoffe der Zukunft im Labor. Gerade beim Biomüll gibt es noch viel Potenzial“, sagt Doris Schmack.

  • Neue Substrate machen neue Rührwerkskonzepte notwendig. Der Austausch von schnelldrehenden Tauchmotorrührwerken, die zudem einen hohen Stromverbrauch haben, nimmt weiter zu, erwartet Götz. HZI Schmack hat dagegen im Fermenter schon immer auf langsam drehende Paddelrührwerke gesetzt. „Anfangs hatten wir in dem eckigen Betonfermenter Euco eine durchgehende Rührwerkswelle. Aber das ist eine sehr teure Lösung“, sagt Götz. Diese Welle ist mittlerweile durch das Modell „Remex“ abgelöst, ein horizontales Rührwerk, das zwischen Fermenterwand und einer senkrecht stehenden Stütze montiert ist.

  • Laut Götz wird ein Teil der Betreiber aus dem Biogasgeschäft aussteigen. „Das ist dann der Fall, wenn es keinen Hofnachfolger gibt oder der Betreiber einfach keine Perspektive hat“, sagt er. Doch nicht alle Anlagen werden dann auch stillgelegt. Genau wie Schmack gibt es weitere Unternehmen, die eigene Biogasanlagen betreiben und weitere Anlagen für den eigenen Bestand kaufen. „Es wird auch für uns interessant bleiben, Biogasanlagen für den Eigenbetrieb zu übernehmen“, sagt er.

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