Biogas-Innovationskongress

Neue Verkaufsprodukte aus Biogasanlagen: Ammoniak, Papierfasern, Biokohle

Am zweiten Tag des Biogas-Innovationskongresses stellten Praktiker, Berater und Wissenschaftler ihre Erfahrungen mit neuen Geschäftsmodellen vor.

Biogasanlagen liefern Strom, Wärme oder Biomethan als Kraftstoff. Doch daneben gibt es weitere Produkte, die sich herstellen und verkaufen lassen. Welche das sind, stellten in der vergangenen Woche Referenten am zweiten Tag des "Biogas-Innovationskongresses" vor. Diesen haben zum 14. Mal der Fachverband Biogas, der Bundesverband Bioenergie und der Deutsche Bauernverband gemeinsam veranstaltet.

Folgende Vortragsthemen haben wir für Sie zusammengefasst:

Wasserstoff aus Biogas

Zu einem neuen Geschäftsfeld gehört die Wasserstoffproduktion. Dieser wird im Moment großtechnisch via Dampfreformierung aus Erdgas produziert. „Aber auch Biogas ist als Rohstoff geeignet“, erklärte Dr. Andy Gradel von BTX energy, einer jungen Firma, die sich erst im Jahr 2020 aus der WS Wärmeprozesstechnik GmbH ausgegründet hat. „Die Dampfreformierung ist effizienter als die Elektroylse“, stellte er auf dem zweiten Tag des Biogas-Innovationskongresses vor Über diesen Weg ließe sich mehr H₂ erzeugen als mithilfe von Solarstrom:

  • Aus 10 m³ Biogas (ca. 50 kWh Energieinhalt) und 4,5 l Wasser lässt sich 1 kg Wasserstoff (33 kWh) erzeugen.
  • Bei der Elektrolyse sind laut Gradel für die gleiche Menge Wasserstoff 50 kWh Strom sowie 9 l Wasser nötig.

Als Vorteil nannte Gradel eine Treibhausgaseinsparung von rund 50 % gegenüber der Reformierung aus Erdgas. Bei dieser Betrachtung wird das Biogas aus Energiepflanzen hergestellt. Setzt der Betreiber dagegen 100 % Gülle ein, beträgt die THG-Minderung laut Gradel 271 % gegenüber Erdgas.

Als Vermarktungswege hält er den Verkauf an Zwischenhändler für technische Gase, die Direkvermarktung an die umliegende Industrie (Logistik, stahlverarbeitende Betriebe, Chemiewerke) oder den Verkauf als Kraftstoff für möglich.

Gärrestaufbereitung: Kalkmilch statt Säure

An einer neuen Art der Gärrestaufbereitung arbeitet die FH Münster. Dabei produziert der Anlagenbetreiber mithilfe von Kalkmilch Ammoniakwasser statt dem Flüssigdünger Ammonium-Sulfat-Lösung (ASL). „Mit diesem Weg sparen wir Schwefelsäure und Natronlauge ein und verbessern die Düngewirkung des Gärrestes“, erklärte Dr. Daniel Baumkötter von der FH Münster. Zudem habe ASL aktuell eine geringe Werschöpfung. Ammoniakwasser ließe sich außerhalb der Landwirtschaft z.B. zur Rauchgasreinigung in der Zementindustrie oder als Reinigungsmittel...


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