Aus der Wirtschaft

Batteriespeicher

Solarstrom plus Speicher machen Milchviehbetrieb im Sommer fast autark

Thomas Kuck hat auf dem neuen Kuhstall eine 60 kW-Solarstromanlage errichtet. Den Strom speichert er in einer Batterie, die mit Notstromfunktion ausgestattet ist.

Thomas Kuck ist Land- und Energiewirt in Hürtgenwald im nordrhein-westfälischen Kreis Düren Seine Investitionen in die Solarstromerzeugung und die Energiespeicherung spiegeln die Entwicklung des Photovoltaikmarktes wider. Seit 2009 betreibt er eine PV-Anlage mit 80 Kilowatt Leistung, den Solarstrom speist er gegen die EEG-Vergütung komplett in das öffentliche Stromnetz ein. Im vergangenen Jahr baute er einen neuen Liegeboxenlaufstall. Auf dem Dach ließ er Solarmodule mit 60 Kilowatt Gesamtleistung installieren. Mit dieser Anlage und mit Speichersystemen von E3/DC kann er über das Jahr rund 80 Prozent des jährlichen Strombedarfs für das Melken von 160 Kühen, die Kühlung der Milch und die Reinigung der Anlage solar decken. Und in acht Jahren wird er den nächsten Schritt machen: Dann läuft die EEG-Vergütung für seine erste PV-Anlage aus. Kuck will sie ebenfalls auf Eigenversorgung umstellen und dann den gesamten Strombedarf auf dem Hof solar decken.

46.000 kWh Strom verbraucht

Rund 46.000 Kilowattstunden verbraucht der Landwirt pro Jahr für das Melken von 160 Kühen einschließlich der Milchkühlung, die Anlagensteuerung und das elektrische Licht. Er ist Kunde bei einem Strom-Maklerportal, welches für ihn immer den jeweils günstigsten Tarif auswählt. Doch bei einem Strompreis von 23,8 Cent netto je Kilowattstunde (Ende 2018) würden sich die Stromkosten nur für diese Betriebssparte trotzdem noch auf etwa 11.000 Euro im Jahr belaufen.

Notstromversorgung mit Speichersystem

Mit seiner ersten Photovoltaikanlage hatte Kuck schon gute Erfahrungen gemacht, nun lag es nahe, mit einer zweiten Anlage Stromkosten einzusparen. Damit er mehr Solarstrom selbst verbrauchen kann, empfahl sein Installationsbetrieb, die Harperscheidt GmbH, das Hauskraftwerk S10 E PRO des Osnabrückers Herstellers E3/DC. Diese Speichersysteme bieten auch die Notstromversorgung, was für Kuck ein wichtiger zusätzlicher Nutzen ist. Denn seine Molkerei verlangt, dass er jederzeit melken und die Milch kühlen kann. Ein Notstromaggregat, die übliche Methode, um die Stromversorgung bei Netzausfall sicherzustellen, hat Kuck bisher nicht angeschafft. Sein Hof befindet sich im Ort, so dass er jederzeit kurzfristig, zum Beispiel bei der Feuerwehr, ein Aggregat holen könne, erzählt er.

Dass das Hauskraftwerk von E3/DC eine dreiphasige Ersatzstromfunktion hat – Elektrofachleute sprechen von Drehstrom – ist für Kuck deshalb ein willkommener „Mitnahmeeffekt“. Eine Besonderheit an der im Farmbetrieb einsetzbaren Pro-Serie von E3/DC ist, dass der Anlagenbetreiber eine Mindestreserve an Strom bestimmen kann, die jederzeit in den Akkus vorgehalten wird. Die Ausgangsleistung des Speichersystems sorgt dafür, dass die Melkanlage, die eine maximale Last von 25 kW hat, jederzeit mit Strom versorgt werden kann.

Gute Ergebnisse auch im Winter

Konkrete Zahlen gibt es schon für die ersten Betriebsmonate. Sie zeigen, wie positiv die Energiebilanz ausfallen kann. Als Beispiel nennt Harperscheidt den 11. August 2020: An dem sonnigen Tag konnte Kuck 99 Prozent des Strombedarfs für Melken, Kühlen, Reinigen und Steuerung der Anlage sowie das Licht im Stall mit der neuen PV-Anlage und dem Speichersystem decken. Der Energieversorger lieferte nur 1,37 kWh Strom zu.

Aber auch an einem Wintertag kann sich die Energiebilanz sehen lassen. Am 11. Dezember 2020 lag der Autarkiegrad bei 66 Prozent. 43 kWh Strom bezog Kuck an dem Tag vom Energieversorger. „Das klappt alles einwandfrei“, bestätigt der Landwirt im Januar 2021. Sämtliche Daten seiner Anlagen könnte er auch auf einer App auf seinem Handy einsehen. „Aber ich bin ja sowieso jeden Tag im Büro und da am Computer.“


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