Solarstrom vom Dach

Wirtschaft warnt: Zu wenig gewerbliche Photovoltaikanlagen

Die Nachfrage nach Bau von Photovoltaikanlagen könnte 2022 um 30 % sinken. Schuld sind sinkende Einspeisevergütungen trotz steigender Anlagepreise.

Unternehmensverbände registrieren gegenwärtig einen deutlichen Investitionsrückgang bei gewerblichen Solardächern. In einer neuen Studie machten Marktforscher von EUPD Research eine kontinuierliche Verschlechterung der Investitionsbedingungen als wesentliche Ursache dafür aus. Gleichzeitig warnen sie vor einem Markteinbruch auch bei Solarenergie in Privathaushalten im nächsten Jahr.

Rückgang schon 2021

Nach den Berechnungen von EUPD Research ging die neu installierte Solarstromleistung auf Gewerbedächern in den ersten neun Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr bereits um 18 % zurück. Die Marktprämien für neue Anlagen sind seit Anfang 2020 um 29 % gefallen und sinken monatlich weiter, während die Preise für Photovoltaikanlagen in diesem Zeitraum gestiegen sind. Die Installation neuer Solardächer werde damit wirtschaftlich zunehmend unattraktiver. Ohne rechtzeitige politische Gegenmaßnahmen wie höhere Marktprämien werde die Nachfrage nach Solardächern nicht wachsen, sondern im kommenden Jahr um ein Drittel einbrechen, so die Prognose der Bonner Marktforscher.

Widerspruch zum Sondierungspapier

Diese Entwicklungen stehen im direkten Widerspruch zum Plan einer künftigen Bundesregierung, dass „alle geeigneten Dachflächen für Solarenergie genutzt“ werden. So soll der Ausbau erneuerbarer Energien laut Ergebnispapier der Sondierungsverhandlungen „drastisch beschleunigt“ werden. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fordern daher die schnelle Wiederherstellung attraktiver Investitionsbedingungen und kostendeckender Marktprämien unmittelbar nach Regierungsbildung.

Ausbauziele sollten drastisch ausgeweitet werden

Der BSW fordert die Verhandlungsteams von SPD, Grünen und FDP auf, die jährlichen Ausbauziele für die Solartechnik stufenweise auf 20 Gigawatt zu vervierfachen. Mittels einer Sofortmaßnahme zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) müsse zeitgleich aber auch die notwendige Voraussetzung geschaffen werden, dass dieses Ziel auch erreichbar werde.

Größtes Hemmnis sei dabei der in §§ 48, 49 EEG gesetzlich festgelegte „atmende Deckel“. Dieser habe im Zusammenspiel mit dem seit zehn Jahren weitgehend unangepassten und zur Erreichung der Klimaziele und Vermeidung einer Stromlücke viel zu geringen Zubau-Ziel für Solardächer dramatische Marktauswirkungen: Ein dringend reparaturbedürftiger Algorithmus bestimmt die Förderhöhe für Solarstrom aus neu errichteten Solaranlagen. Dieser führt zu systematisch zu geringer Kompensation für eingespeisten Grünstrom aus Solaranlagen und entsprechend geringer Nachfrage.

Nach den Vorstellungen beider Verbände sollte dieser „atmende Deckel“ in einem 100 Tage-Solarbeschleunigungsgesetz neu kalibriert und somit zu einem „Solar-Booster“ weiterentwickelt werden. Die von der Ampel-Koalition geplante Einführung von Solarpflichten könnte wegen ihres zu geringen Marktimpulses diesen seit Jahren bestehenden Reformstau hingegen nicht kompensieren, sondern bestenfalls flankierend wirken, so die übereinstimmende Meinung von BSW und BVMW.

Eigenverbrauch wird behindert

„Immer mehr Unternehmer wollen in Solartechnik investieren und ihren künftigen Energiebedarf aus Erneuerbaren Energien sichern. Dabei treffen sie aber auf immer mehr Marktbarrieren und Bürokratie“, beklagt der Chefvolkswirt des BVMW Dr. Hans-Jürgen Völz.

Weitere Maßnahmen, um den Markt zu beleben, sind nach Übereinstimmung von BSW und BVMW auch eine Anhebung der Ausschreibungsgrenze für PV-Aufdachanlagen, die Ausweitung des abgabenfreien Eigenverbrauchs von Solarstrom, die Abschaffung der Personenidentität beim Verbrauch dieses Stroms vor Ort, der Abbau bürokratischer Barrieren sowie die Etablierung langfristiger Planungssicherheit für Solaranlagenbetreiber.


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