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Mammutbaum & CO: Sollten wir Baumarten aus Nordamerika pflanzen?

Wenn der Klimawandel heimischen Nadelbäumen zusetzt, können fremdländische Baumarten eine Alternative sein. Welche Baumarten eignen sich und was müssen Waldbesitzer beachten?

Lesezeit: 4 Minuten

Fremdländische Baumarten haben infolge des Klimawandels an Bekanntheit gewonnen. So eilt einigen Gehölzen aus Nordamerika oder Fernost der Ruf voraus, besonders trockenheitsresistent, sturmfest und wuchsstark zu sein.

Neben der etablierten Douglasie kommen noch viele an­dere Baumarten hinzu, die mancher Waldbesitzer vielleicht eher aus der Garten­abteilung des Baumarktes kennt, statt aus der Forstbaumschule – wie der Riesenlebensbaum. Welche Gehölze sich näher anzuschauen lohnen, weiß Dr. Bertram Leder, Zentrum für Wald und Holzwirtschaft.

Lohnende Nische

Derzeit untersuchen die Waldbauexperten aus Arnsberg 74 fremdländische Baum­arten. Einige davon sind sehr vielversprechend. Dazu zählt die Japanische Sicheltanne. Das Nadelgehölz reagiert ähnlich auf Trockenstress wie die heimische Fichte, erholt sich aber sehr viel schneller, sodass sich langfristige Schäden nahezu ausschließen lassen.

Das weiße Holz ist hart und bietet eine breite Palette von Verwendungsmöglichkeiten. Leider gibt es zurzeit nur wenige Erfahrungen was technische Aspekte angeht, da das Holz der Sicheltanne oftmals nur in Kleinstmengen verfügbar ist. Hinsichtlich einer Vornutzung ist die Sichel­tanne unbestritten eine lohnende Baumart: Ihre Reiser sind ein beliebtes Schmuckgrün.

Ebenfalls für die Schmuckgrün­ernte geeignet ist der Küstenmammutbaum. Sehr viel mehr Geld kann der Waldbauer aber mit dem Holz des sogenannten Redwood verdienen. Hinter der bis zu 30 cm dicken Rinde verbirgt sich ein hellrotes bis violettes Holz, das für die Nutzung im Hafenbereich überaus gefragt ist. Der Grund: Es ist resistent gegen die Bohrmuschel. Jüngste Versteigerungserlöse lagen bei rund 200 €/fm.

Darüber hinaus ist die Baumart sehr wuchsstark. 50-jährige Exemplare mit mehr als 3 fm Holzvorrat sind keine Seltenheit. Die dicke faserige Rinde nutzt der Zaunkönig gerne zur Brut. Erfahrungen über das Naturverjüngungspotenzial des Küstenmammutbaumes gibt es in Deutschland noch nicht: Der Baum produziert erst 200-jährig Samen.

Neben Sicheltanne und Küstenmammutbaum ist der Riesenlebensbaum eine wertsteigernde Baum­art. Das Nadelgehölz ist kaum empfindlich gegenüber Trockenstress und lässt sich gut mit Buche mischen. Der Lebensbaum verjüngt sich kräftig, jedoch kaum in Buchenbeständen. Mitunter verbreiten sich die Samen über weite Strecken.

Eine Wertästung des Lebensbaumes ist sinnvoll, die Äste und Zweige lassen sich gut als Schmuckgrün verkaufen. Das rotbraune Holz ist leicht und sehr dauerhaft.

In Nordamerika ist die „Red Cedar“ das meistverkaufte Bauholz, ähnlich der Fichte in Deutschland. Hierzulande wird Lebensbaum zu Grillbrettern verarbeitet. Außerdem ist das Holz im Bootsbau heiß begehrt und dient beispielsweise zur Herstellung von Rudern oder Bootsrümpfen.

Ersetzen oder ergänzen?

Diese Hölzer sind aber nicht als Ersatz für heimische Nadelbäume zu verstehen, sondern als lohnende Ergänzung. Im Vordergrund steht vor allem, die hiesigen Wälder stabiler zu gestalten. Berücksichtigen müssen die Forstwissenschaftler dabei die sich ändernden Konkurrenzbedingungen infolge von steigenden Temperaturen, Trockenstress, aber auch Starkregen­ereignissen.

Das Team Waldbau vom Zentrum für Wald und Holzwirtschaft in Arnsberg erforscht seit vielen Jahren fremdländische Baumarten. Dabei untersuchen sie intensiv die Anbauten im Revier Burgholz bei Wuppertal. Dort hat der damalige Revierförster ab 1955 Baumarten aus Nordamerika und Asien angebaut – zum Missfallen seiner Vorgesetzten aus Forst­amt und Ministerium. Förster Hogrebe erkannte, dass es nötig sein wird, das heimische Baumartenportfolio zu erweitern. Die Anforderungen an die Fremdländer sind:

  • Wuchsstärke,

  • Stabilität,

  • Schattentoleranz und

  • gute Mischbarkeit.

Neben der Douglasie haben sich die Roteiche und die Japanische Lärche nachweislich unter diesen Aspekten bewährt. Die ersten Anbauten dieser Gehölze in Deutschland gehen übrigens auf Reichskanzler Otto von Bismarck zurück.

Küstentanne nur für Verpackung

Die Küstentanne wird häufig als Ersatz für die Fichte bejubelt. Tatsächlich ist sie sehr wuchsstark und trockenheitsresistent. Vermarkten lässt sich die Tanne derzeit aber nur als Verpackungsholz zum Fichten-D-Preis von rund 60 €/fm. Die breiten Jahrringe schließen sie für den Einsatz als Bauholz aus. Außerdem neigt sie zur Ringschäle und zur Nasskernbildung. Um die Baumart zu etablieren, ist eine intensive Kulturpflege nötig. Darum lohnt sich der Anbau der Küstentanne nicht.

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