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Scheitern macht gescheiter

Lesezeit: 4 Minuten

Wenn’s im Leben schiefgeht, was bleibt mir dann? Schande, Schuld und Beschämung? Nein! Familienberater Rolf Brauch sieht im Scheitern die Steilvorlage zur persönlichen Entwicklung. Hier sein Plädoyer zu Krise und Neubeginn.


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Liebe Leser, seien wir ehrlich: Wer will schon gerne scheitern, versagen, Schiffbruch erleiden? Wer will offen über die Ehekrise, das Zerwürfnis mit Freunden oder finanzielle Engpässe reden? Wer sagt unverblümt, dass er nicht mehr (weiter) kann?


Scheitern ist in unserer Gesellschaft eine Schande, ein Tabu. Meist zählen nur Leistung und Erfolg – auch unter Bauern. Viele Landwirtinnen und Landwirte definieren sich über ihre Lebenserfolge im Betrieb. Gerne schmücken sie sich mit Auszeichnungen und Preisen in Ehrenamt, Hobby und Sport.


Nicht selten beginnt das schon bei den Kleinsten. Dabei finde ich: Vor allem bei Kindern zeigt sich deutlich, was es heißt, aus Fehlern zu lernen: Unermüdlich suchen sie neue Wege, um z.B. das Krabbeln zu lernen oder ein Spielzeug zu greifen. Versuch und Irrtum – „trial and error“ – immer wieder, so lange und so oft, bis es gelingt. Diese Unbelehrbarkeit und Zähheit beeindrucken mich. Mit Blick auf mich selbst weiß ich: Wer und was ich heute bin, verdanke ich dem Scheitern.


Als Leiter eines Hauses für Erwachsenenbildung schloss ich mit meinem Team im Herbst 2003 eine große, bedeutende Renovierungsmaßnahme ab. Plötzlich die Nachricht: Alle Zuschüsse des Trägers sind sofort gestrichen. Aus, Ende, „finito“. Ein Schlag ins Gesicht. Ich war wütend, verzweifelt, zornig, ich haderte und klagte an. Gefangen in diesem Schock war jede Empfindung dramatisch, wenn auch – rückblickend – eine normale, menschliche Reaktion.


Als Folge wechselte ich in meine heutige Arbeitsstelle – den ‚Dienst auf dem Lande’ der Ev. Kirche in Baden. Ich weiß: Etwas Besseres hätte nicht passieren können! Jetzt und hier kann ich mich als Agrarökonom und Seelsorger bestens entfalten. Ich sehe neue Verbindungen im Zusammenspiel von Wirtschaftlichkeit und Miteinander auf den Höfen. Ich reise viel, halte bundesweit Vorträge. Meine Arbeit ist erfüllend. Sie macht mir Spaß! Es zeigt sich: Wenn nicht geschieht, was wir wollen, dann wird geschehen, was besser ist.


Natürlich, die Krise tut zunächst einmal einfach nur weh. Nicht zuletzt befeuert die Werbung das öffentliche Geschehen heute stark. Ihre Bilder zeigen junge, dynamische, äußerst attraktive Siegertypen. Die Botschaft: Alles ist machbar, alles ist planbar, wenn Du nur willst! Das Leben mutiert zu einer Management-Aufgabe. Organisier Dich: Deine Beziehung, Deine Gesundheit, die Karriere! Im Notfall gibt’s ein Training oder Du gehst zum Coach. Fertig!


Der Machbarkeitswahn.

Realität ist aber: Trotz Fitnesscenter und Vitaminpillen werden Menschen krank. Trotz Traumhochzeit und Liebesschwüren trennt sich ein Paar. Trotz guter Marktprognosen scheitern Traditionsunternehmen und schließen ihre Tore.


In der Beratungsarbeit habe ich folgende Erfahrungen gemacht:


  • Da zieht der Sohn und Hofnachfolger nach großem Konflikt mit Frau und Kind vom Hof. Die Senioren müssen alles verkaufen, sie hatten voller Hoffnung in einen neuen Stall investiert. Sechs Monate später schreibt die Altenteilerin: Danke, dass Sie hier waren. Es ist immer noch schwer, doch wir haben vieles geklärt. Der Hof steht nicht mehr zwischen uns und den jungen Leuten.
  • Da löst ein passionierter Landwirt seinen Betrieb auf, die Gesundheit will nicht mehr mitspielen. Wenig später stellt sich Heilung ein, weil – so scheint es – eine enorme Last von seinen Schultern und der Seele genommen ist.
  • Da hat der beste Milchviehhalter und Züchter einer Region einen Unfall. Keiner im Umfeld kann es glauben, doch er stallt die Kühe aus, geht als Unternehmer „rückwärts“. Am Sonntag ergeben sich freie Stunden für die Familie, das Betriebsleiterpaar fährt in den Urlaub.
  • Und: Da übermannt ein Burnout die Superlandfrau. Zur Auszeit gezwungen wagt sie es, auf die eigene Biografie zu schauen und söhnt sich aus – mit anderen Personen und sich selbst.


Scheitern bedeutet: Ich fahre vor die Wand. Das Leben entzieht sich meiner Kontrolle. Alles ist anders. Jetzt braucht es Vertrauen und Mut, um neu anzufangen. Die folgenden fünf Impulse mögen Ihnen die Kraft dazu geben.

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