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topplus Bäuerinnenforum 2023

Schwangerschaft und Betriebsleitung: Wenn die Familienplanung den Hof gefährdet

Einige Betriebsleiterinnen in Deutschland stellt der Kinderwunsch vor eine Herausforderung. Denn Familie kostet Zeit und diesen Verlust der Arbeitskraft gilt es zu kompensieren.

Lesezeit: 4 Minuten

Wie genau sieht die Doppelbelastung „Mutterschaft und Betriebsleitung“ aus? Darüber diskutierten die Landfrauen im diesjährigen Bäuerinnenforum, das am Samstag im Rahmen der Grünen Woche in Berlin stattfand.

„Die Leitfrage des Forums muss lauten: Wie können wir das betriebliche Potenzial von Frauen nutzen und stärken, ohne dass sie der Frage und Entscheidung ausgesetzt sind: Kind oder Betrieb?“, so Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes (dlv), in ihrer Begrüßungsrede.

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Auch gesundheitliche Risiken in der Schwangerschaft, z. B. aufgrund der schweren körperlichen Arbeit im Betrieb, durch Zoonosen oder fruchtbarkeitsrelevante Substanzen, mit denen in der Landwirtschaft hantiert wird, müsse man berücksichtigen. Hinzu kämen die Rahmenbedingungen der ländlichen Räume, beispielsweise mangelnde Kinderbetreuung, eingeschränkte Mobilitätsangebote und fehlende Unterstützung bei der Pflege der Altenteiler.

„Frauen sind Überzeugungstäterinnen“

Einen ersten Diskussionsimpuls setzte Anne Dirksen, Leiterin der sozioökonomischen Beratung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in ihrem Vortrag. Anders als Männer, die Betriebe oft aus der Tradition heraus übernehmen, müssten sich Frauen für die Hofübernahme stärker engagieren und dafür kämpfen, einen Betrieb übernehmen oder gründen zu können.

Betriebsleiterinnen seien deshalb die Art von Überzeugungstäterinnen, die in der Landwirtschaft dringend gebraucht würden, so Anne Dirksen. Doch die Geburt des ersten Kindes sei für viele Frauen mit einer Rolle rückwärts verbunden, hin zu eher klassischen Aufgaben wie Büro- oder Hausarbeit.

Kinder verändern den Hofalltag

Anne Dirksen erklärte, dass sie die Geschlechtergerechtigkeit dabei nicht in der Frage sehe, ob die Frauen auch Schlepper fahren würden oder nicht. Vielmehr gehe es darum, alle Aufgaben, die im Haus, bei der Erziehung und auf dem Hof anfallen, gerecht zu verteilen.

Ziel müsse es sein, dass alle Hofbewohner individuell entscheiden können, welche Aufgaben sie im durch die Schwangerschaft veränderten Hofalltag übernehmen möchten. Das schließe auch die Großeltern mit ein. „Die Unterstützung muss unabhängig von Oma nebenan funktionieren“, so Anne Dirksen. Dafür bräuchten die Frauen nicht nur ein erreichbares, sondern auch ein akzeptiertes Unterstützungsnetzwerk.

Unterschreiben Sie nichts, das Sie nicht verstanden haben“, Anne Dirksen

Von der Politik forderte Anne Dirksen daher eine praxistaugliche Infrastruktur, die zu den Menschen vor Ort passen müsse. Vom dlv erbat sie weiterhin Impulse für das Thema und die anhaltende Ermutigung der Frauen, sich frühzeitig mit Herausforderungen und Hürden zu beschäftigen und Beratung anzunehmen.

Den Familien sprach sie mehr Mut für die partnerschaftliche Betriebsführung zu – mit dem wiederholten Appell, offen und unromantisch über Erwartungen und Rollen zu sprechen. Schließlich richtete sie das Wort an die Frauen. Unverzichtbar sei es, die eigene unternehmerische Verantwortung wahrzunehmen. „Informieren Sie sich! Es gibt viele Angebote, die nichts nützen, wenn man sie nicht annimmt“, so die Beraterin.

Und zu guter Letzt: „Unterschreiben Sie nichts, das sie nicht verstanden haben.“ Dokumente wie den Ehevertrag dürfe man sich so oft neu formuliert vorlegen lassen, bis das Geschriebene den gemeinsamen Vorstellungen entspreche.

Hochschwanger im Stall

Über die Herausforderungen, mit denen sich junge Mütter und Betriebsleiterinnen im Alltag konfrontiert sehen, sprach Cecilia Abel. Sie ist Co-Betriebsleiterin des Ziegenhofes am Gut Ogrosen GbR und Mutter eines knapp einjährigen Kindes. Abel forderte eine Erweiterung der Betriebs- und Haushaltshilfe. Die 40 Wochenstunden des Betriebshelfers seien in der Praxis nicht ausreichend, um die Aufgabenvielfalt einer Betriebsleiterin angemessen aufzufangen.

Alle Aufgaben neu verteilen

In der abschließenden Podiumsdiskussion zeigte sich auch die Hürde, passende Informationsangebote und Kanäle für selbstständige, schwangere Frauen zu finden. Die Diskussionsteilnehmerinnen sprachen sich zudem dafür aus, für die eigene Familie individuelle Lösungen zu finden. Auch wenn das bedeute, den Hof und die Betriebsführung an die neue Situation anzupassen.

Initiative zeigen

Letztlich wurden auch aus dem Publikum die Forderungen geäußert, Männer stärker in die Care-Arbeit einzubeziehen und familiäre Aufgaben gleichmäßiger zu verteilen. Das Wissen um dieses Ungleichgewicht sollte bereits in Berufs-, Fach- und Hochschulen verpflichtend etabliert werden. Die Frauen bräuchten zudem Foren und Vorbilder. Der Prozess hin zu einer gerechteren Vereinbarkeit von Betriebsleitung und Familie erfordere auch die Initiative derer, die sich in dieser Situation befinden, Gespräche zu führen, Lösungen zu diskutieren und Probleme sichtbarer zu machen.

Die Aufzeichnung der Hybrid-Veranstaltung finden Sie hier:

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