Interview

Frauen in der Selbstständigkeit: Wann Gründen eine gute Idee ist

Frau, Ü 50, eigene Firma? „Warum nicht“, sagt Dr. Sabina Fleitmann. Sie ist ehrenamtliche Gründungslotsin der LandFrauen.

Erfahrung und Urteilsvermögen sind das Erfolgsrezept älterer Gründerinnen.“ – Dr. Sabina Fleitmann

Frau Dr. Fleitmann, ist es eine gute Idee, sich nach der Familienphase selbstständig zu machen?

Dr. Fleitmann: Ich finde, ja. Viele Frauen haben unheimlich tolle Ideen, die sie begeistern. Diese Motivation kann sie auch durch schwierige Phasen der Selbstständigkeit tragen. Daneben ist ein Interesse an Organisation und Finanzen von Vorteil.

Wo fange ich an, wenn ich ­gründen möchte?

Dr. Fleitmann: Es hilft oft weiter, erst einmal die Idee schriftlich zu formulieren. Nehmen Sie sich Zettel und Stift und fünf Minuten Zeit. Schreiben Sie Ihr Vorhaben so auf, dass Sie es ­anderen präsentieren können. Dabei merken Sie schnell, wo das Konzept noch ausbaufähig ist.

Was ist außerdem wichtig?

Dr. Fleitmann: Man sollte sich im Klaren sein, wie viel Zeit man für die Selbstständigkeit benötigt und wie viel Zeit faktisch dafür im eigenen Leben zur Verfügung steht. Dazu empfehle ich, ein Zeitbudget zu erstellen. Dabei notiert man, wie viel Tageszeit für welche Aufgabe benötigt wird. Wie viel Schlaf, Freizeit oder Zeit für die Hausarbeit brauche ich? Ist daneben ein eigenes Business drin? Natürlich ist auch eine nebenberufliche Selbstständigkeit möglich. Und: Weihen Sie Ihren Partner und Ihr Umfeld in ihre Pläne ein.

Wer nimmt an den Gründungs-­Workshops des LandFrauenverbands Weser-Ems teil?

Dr. Fleitmann: Das ist ganz unterschiedlich. Junge Frauen, aber auch 50- und 60-Jährige. Angehende Schmuckdesignerinnen ebenso wie Frauen, die ein Fortbildungshaus oder ein Hofcafé eröffnen möchten. Im Kurs mache ich gern eine „Altersreihe“. Dabei wird klar, welche Stärken die unterschiedlichen Alters­gruppen mitbringen. Jung und ener­getisch zu sein, hat Vorteile. Aber Erfahrung und Urteilsvermögen sind auch starke Erfolgsfaktoren.

Gibt es auch Teilnehmerinnen, die sich gegen eine Gründung entscheiden?

Dr. Fleitmann: Sicherlich. Manche erkennen, dass ihrem Bedürfnis nach ­Sicherheit mit einem festen Arbeits­verhältnis besser gedient ist. Andere stellen fest, dass sie zu wenig Zeit ­erübrigen können. Auch das ist eine Erkenntnis.

Empfehlen Sie allen Frauen Beratung?

Dr. Fleitmann: Beratung hilft fast immer dabei, Prozesse zu beschleunigen. Oft kommt man schneller zu einem Ergebnis. An unseren LandFrauen-Workshops, die übrigens auch Nicht-Mitgliedern offen stehen, schätze ich, dass die Frauen unter sich sind. Schwierigkeiten und Fragen der Vereinbarkeit können ganz offen besprochen werden.

Infos zum Gründen: www.landfrauenverband-weser-ems.de/selbststaendig-machen


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