Gunststandorte nutzen

10 % mehr Agrarproduktion sofort möglich - Landwirtschaft von Beschränkungen befreien

Unerwartet ist die Sorge um eine ausreichende Versorgung mit bezahlbaren Lebensmitteln wieder da. Landvolkpräsident Hennies meint, man müsse offen über eine Neujustierung der Agrarpolitik reden.

Der Ukrainekriegs und die drohenden Auswirkungen der Erderwärmung, die sich trotz aller Anstrengungen zum Klimaschutz unausweichlich noch über Jahrzehnte fortsetzen wird, erfordern eine neue Bewertung der Nahrungsmittelerzeugung in klimatisch begünstigten Regionen wie Mitteleuropa. Daher sollte man jetzt offen über eine Neujustierung der Agrar- und Umweltpolitik diskutieren, meint Landvolk-Präsident Dr. Holger Hennies.

„Wir werden uns an dieser Diskussion konstruktiv beteiligen, und wir stellen bereits erste Berechnungen an, mit welchen Maßnahmen wir die Erzeugung unserer Betriebe an unserem Gunststandort in Niedersachsen erhöhen könnten. Durch etliche vom Gesetzgeber in den zurück liegenden Jahren getroffene Anbaurestriktionen ist bei unveränderten Rahmenbedingungen auch bei normalen Witterungsverläufen leider eine Getreideproduktion von nicht deutlich mehr als 6 Mio. t in 2022 zu erwarten“, rechnet Hennies vor. Allerdings setze das „bezahlbare“ Düngemittel voraus, was angesichts der aktuellen Krise kurzfristig keinesfalls sicher sei.

Naturschutzeinschränkungen weg - Green Deal überdenken

„Wenn die Politik einschränkende Vorgaben, die insbesondere vom Umwelt- und Naturschutz eingefordert wurden, mindestens teilweise aufheben würde, wäre eine Steigerung um 10 % bereits kurzfristig noch in diesem Jahr möglich“, prognostiziert Hennies. Mittelfristig müssten aber vor allem die bis 2030 vorgesehenen weiteren Maßnahmen, die insbesondere von der EU im Paket des „Green Deal“ vorgeschlagen worden sind oder bereits bei der Agrarförderung ab 2023 beschlossen wären, unverzüglich auf den Prüfstand.

Als Sofortmaßnahme zur Kompensation einer in der Ukraine möglicherweise ausfallenden Getreide- und Körnermaiserzeugung schlägt der Landvolkpräsident vor, die aktuellen und zukünftigen Verpflichtungen zur Bereitstellung von Ackerbrachen auszusetzen, die an EU-Beihilfen für landwirtschaftliche Betriebe geknüpft sind. Darüber hinaus sollte die für 640.000 ha Acker in Niedersachsen bestehende Pflicht zur Reduzierung der Stickstoffdüngung unterhalb des tatsächlichen Pflanzenbedarfs aufgehoben werden. Außerdem kann unbürokratisch eine befristete höhere Wasserentnahme für die Feldberegnung zugelassen werden.

Abschließend stellt Hennies fest: „In der akuten Krise darf es keine Tabus geben. Die Herausforderungen des Klimawandels, der Biodiversitätserhaltung und des Gewässerschutzes bleiben trotz allem bestehen, aber wir müssen sie zukünftig viel effizienter lösen. Wir brauchen keine pauschale Extensivierung, sondern eine nachhaltige Intensivierung, um gleichzeitig die Versorgungssicherheit sicher zu stellen.“


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