Das sind die kurzfristigen Folgen des Importstopps

Kurzfristig sind durchaus spürbare Effekte für die Agrarwirtschaft und die Verbraucher zu erwarten, meint das Leibniz-Institut. Man habe ähnliches bei den ad hoc Agrarhandelsrestriktionen verschiedener Getreideexportnationen im Kontext des jüngsten Preisbooms auf den internationalen Getreidemärkten erlebt.

Kurzfristig sind durchaus spürbare Effekte für die Agrarwirtschaft und die Verbraucher zu erwarten, meint das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung (IAMO). Man habe ähnliches bei den ad hoc Agrarhandelsrestriktionen verschiedener Getreideexportnationen im Kontext des jüngsten Preisbooms auf den internationalen Getreidemärkten erlebt.
 
Diese wirkten laut IAMO sozusagen in „umgekehrter“ Weise. Einige Hauptgetreideexporteure, darunter auch Russland und die Ukraine, hatten ihre Weizenexporte in den Hochpreisjahren 2007/8 sowie 2010/11 durch Quoten und Exportverbote massiv eingeschränkt. Dies hatte Folgen. Das Weizenangebot auf internationalen Märkten wurde (kurzfristig) eingeschränkt, die Weizenpreise erhöhten sich und Verbraucher, insbesondere in Entwicklungsländern, sahen sich höheren Brotpreisen gegenüber. Gleichzeitig wurden die nationalen Märkte dieser Getreideexporteure vom globalen Marktgeschehen abgekoppelt und erheblich verunsichert. Ukrainische und russische Landwirte und Agrarhändler mussten massive Einkommenseinbußen hinnehmen.

In gewisser Analogie dazu erwarten die Fachleute folgende kurzfristige Effekte durch den Agrarimportstopp Russlands: Auf der Suche der Europäer, Nordamerikaner und Australiern nach neuen Absatzmärkten werde das Angebot auf internationalen Märkten kurzfristig steigen, so das IAMO. Die Märkte würden verunsichert und Preise unter Druck geraten. Der europäische Handel werde Verluste an Exporterlösen hinnehmen müssen, heißt es.
 
Sollten die Preissenkungen von Groß- und Einzelhandel an Landwirte und Verbraucher „weitergereicht“ werden, was die Experten für sehr fraglich halten, dann müssten europäische Landwirte leichte Einkommensverluste hinnehmen, hingegen profitierten europäische Verbraucher. Allein der „überschaubare“ landwirtschaftliche Wertschöpfungsanteil an den Exporterlösen würde mögliche Preiseffekte dämpfen.
 
In Russland stehen die Konsumenten zunächst einer eingeschränkten Produktpalette und höheren Nahrungsmittelpreisen gegenüber. Dies werde auch die geplante „Deckelung“ verschiedener Nahrungsmittelpreise nicht vollständig verhindern können, erklärt das Leibniz-Institut. Kurzfristig werde der russische Agrarsektor vermutlich nicht in einem erheblichen Maße betroffen sein. Etwas profitieren könne er von temporären Preissteigerungen und verstärkten Staatbeihilfen.

Die mittelfristigen Folgen

Aus einer mittelfristigen Perspektive werden viele der genannten kurzfristigen Effekte durch Anpassungsreaktionen, insbesondere durch Handelsumlenkungen, abgeschwächt bzw. „umgekehrt“, geben die Wissenschaftler jedoch Entwarnung. Es werde sich zeigen, dass globale Handelsstrukturen geeignet sind, Krisen zu begegnen. Europäische Handelshäuser werden in der Lage sein, andere Absatzmärkte, etwa in Asien, zu bedienen. Und Russland wird seine Importnachfrage anderweitig, wie etwa in Brasilien, Argentinien und Türkei, realisieren, ist man sich in Halle an der Saale sicher. Erste Initiativen sollen bereits gestartet sein.
 
Konkret heißt das: Insgesamt soll sich das Welthandelsvolumen, eben das globale Angebot und die globale Nachfrage, nicht drastisch verändern. Lediglich die internationalen Agrarhandelsströme würden anders verlaufen. Allerdings werde der Handel bedingt durch die Umlenkungen der Handelsströme suboptimal organisiert sein. Das bedeutet, die Preise werden in Folge steigender Transportaufwendungen und sonstiger Transaktionskosten anziehen; aber sicherlich nicht drastisch. Der Verbraucher – sowohl in Europa als auch in Russland -  wird die Preislast tragen müssen. Für die europäische Landwirtschaft sind mittelfristig aber keine einschneidenden Auswirkungen zu erwarten, so das IAMO.

Wie sich der russische Importstopp langfristig auswirkt, ist laut den Experten schwierig abzuschätzen. Dies hängt maßgeblich von der Dauer der Maßnahmen, sowohl der westlichen Sanktionsmaßnahmen als auch des russischen Agrarboykotts ab. „Vor einem lang anhaltenden Handelskonflikt zwischen der EU und der Russischen Föderation kann nur gewarnt werden. Die Sanktionen und Gegensanktionen gefährden letztendlich auch den Austausch von Wissen und Wissenschaft – eine Voraussetzung für Innovation, Wachstum und Wohlstand“, so IAMO-Direktor Thomas Glauben.


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