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„Die DLG kann auch mal ein Thema anspielen!“

Seit dem 20. Februar ist Hubertus Paetow neuer DLG-Präsident. Er folgt damit Carl-Albrecht Bartmer. Im Interview mit top agrar online spricht Paetow über die künftigen Herausforderungen für die DLG, das Verhältnis zum Deutschen Bauernverband und die Anforderungen an die neue Bundesregierung.

Lesezeit: 7 Minuten

Seit dem 20. Februar ist Hubertus Paetow neuer Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Er folgt damit Carl-Albrecht Bartmer, der nach 12 Jahren nicht wieder kandidierte. Im Interview mit top agrar online spricht Paetow über die künftigen Herausforderungen für die DLG, das Verhältnis zum Deutschen Bauernverband und die Anforderungen an die neue Bundesregierung.


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Was reizt Sie am Amt des DLG-Präsidenten?


Paetow:Erstens ist es das schönste Amt, das die deutsche Agrarbranche zu bieten hat. Zweitens habe ich in den vergangenen Jahren fachlich in vielen Bereichen von der DLG sehr profitiert. Ich habe interessante Menschen kennengelernt, die mich auch persönlich weitergebracht haben. Deshalb möchte ich jetzt durch mein Engagement etwas davon zurückgeben. Und drittens habe ich Freude daran, gemeinsam mit anderen die Zukunft der deutschen Landwirtschaft zu gestalten. Wo könnte man das besser als in der DLG?


Wie gut ist die DLG für die Zukunft aufgestellt?


Paetow:Als Organisation ist die DLG gut gerüstet. Die gesellschaftliche Debatte über die moderne Landwirtschaft zeigt doch, dass wir in Deutschland dringend eine Organisation brauchen, die aktuelle und zukünftige Themen und Diskussionen mit wissenschaftlichen Fakten unterlegt und bewertet. Dafür haben wir mit unseren Ausschüssen und mit der Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt die richtigen Strukturen. Darauf dürfen wir uns allerdings nicht ausruhen. In Zukunft werden sicher neue Formate dazukommen müssen. Das wird schon allein die weiter fortschreitende Digitalisierung der Arbeitsprozesse erfordern.


An welche Formate denken Sie?


Paetow:Wir sind schon breit aufgestellt. Wir geben Fachinformationen heraus, führen Produktprüfungen bei Lebensmittel und in der Landtechnik durch und veranstalten Messen. Diese Formate verbessern wir stetig. Dazu zwei Beispiele: Unsere landwirtschaftlichen Merkblätter sind heute selbstverständlich auch digital verfügbar. Wir versuchen unser gesamtes Wissen in Form von digitalen Nachschlagewerken verfügbar zu machen. Es sind noch viele Potenziale zu heben. Wir müssen nur kreativ genug sein.


Bislang war die DLG sehr stark innerhalb der Branche aktiv. Die Diskussionen über die Zukunft der Landwirtschaft zeigen aber, dass es auch notwendig ist, den Dialog zwischen Landwirten und Nicht-Landwirten zu intensiveren. Ist auch eine Aufgabe der DLG?


Paetow: Das wird sich automatisch ergeben. Wir sehen schon heute, dass sich fachliche Diskussionen über Glyphosat oder Tierwohl zunehmend mit emotionalen Debatten, die außerhalb der Agrarszene geführt werden, vermischen. Das zwingt eine Fachorganisation dazu, sich in diesen Prozess einzubringen und die Debatte zum Beispiel mit wissenschaftlichen Argumenten zu versachlichen. Insofern ist das die logische Konsequenz dessen, was notwendig ist.


Wenn man die Diskussion über Glyphosat verfolgt, ist das bislang aber bestenfalls zum Teil gelungen.


Paetow: Das ist richtig. Umso wichtiger ist es, in diesen Bemühungen nicht nachzulassen, sondern sie noch zu verstärken. Wir müssen immer wieder die wissenschaftliche Abwägung einfordern, bevor eine Weichenstellung in die eine oder andere Richtung erfolgt. Das fängt schon dabei an, dass man echte Probleme von gefühlten unterscheidet, dafür aber die echten Problembereiche offen anspricht. Das haben wir mit unseren 10 Thesen im vergangenen Jahr getan. Natürlich wissen wir, dass es ein Unterschied ist, wer etwas sagt. Wenn die DLG die Überschussprobleme bei Nährstoffen anspricht, wirkt das im Berufsstand ganz anders, als wenn dies ein Umweltverband tut, von dem man nichts anderes erwartet. Deshalb sind uns Wissenschaftlichkeit und Neutralität so wichtig.


Und Glaubwürdigkeit?


Paetow: Natürlich auch Glaubwürdigkeit. Die würden wir aber sofort verlieren, wenn wir über unsere wissenschaftliche Expertise hinaus versuchen, politische Entscheidungen zu beeinflussen. Das ist nicht die Aufgabe der DLG.


Was ist Ihre Aufgabe?


Paetow:Wir verstehen uns als Referenz- oder Bezugssystem. Wir wollen eine fachlich fundierte Informationsquelle sein, die Interessierten und Entscheidungsträgern dabei hilft, sich zu bestimmten Problemen ein objektives Urteil zu bilden.


Trotzdem sind nach Veröffentlichung der 10 Thesen der DLG zur Landwirtschaft 2030 beim Deutschen Bauernverband einige Irritationen über die künftige Arbeitsteilung zwischen DLG und Bauernverband entstanden. Wie sieht die Aufgabenverteilung zwischen Ihnen aus? 


Paetow:Der Bauernverband vertritt bestmöglich die politischen Interessen aller Landwirte, soweit sie – wie ich auch - Mitglied des Bauernverbandes sind. Die DLG ist im Gegensatz dazu nur der wissenschaftlichen Erkenntnis verpflichtet. Das kann dazu führen, dass sich beide Organisationen zum gleichen Sachverhalt unterschiedlich äußern. Das müssen beide Seiten aushalten. Ich bin davon überzeugt, dass sich DLG und Bauernverband, wenn sie ihre unterschiedlichen Rollen richtig wahrnehmen, gut ergänzen. Die Diskussion über unsere 10 Thesen haben jedenfalls auch im Bauernverband fruchtbare Diskussionen ausgelöst, die am Ende ein gemeinsames Verständnis über den zukünftigen Weg der Landwirtschaft aufgezeigt haben.


Dafür sind auch die politischen Rahmenbedingungen wichtig. Wie bewerten Sie den Entwurf des Koalitionsvertrages von Union und SPD für die Landwirtschaft?


Paetow: Nach meiner Einschätzung werden relativ wenige Weichen gestellt. Vermutlich ist das in solchen Verhandlungen gar nicht anders möglich. Gestolpert bin ich allerdings über den ersten Satz des Landwirtschaftskapitels. Dort steht, dass nachhaltige Landwirtschaft und Naturschutz kein Gegensatz sind. Ich hatte gehofft, dass wir in unserem Selbstverständnis schon etwas weiter sind. Für uns ist jedenfalls klar, dass nachhaltige Landwirtschaft bedeutet, die Produktion so auszutarieren, dass sie eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft ermöglicht und die Biodiversität bestmöglich erhält. Insofern ignoriert die Formulierung in der Koalitionsvereinbarung die Diskussion der vergangenen eineinhalb Jahre. Das finde ich schade.


Was haben Sie erwartet?


Paetow: Dass erstens die Probleme, die wir in Teilen der Landwirtschaft haben, klarer angesprochen werden und zweitens das Ziel ausgegeben wird, diese Probleme messbar und objektiv bewertbar zu machen, um darauf aufbauend drittens nach Lösungen zu suchen. Dieser Koalitionsvertrag ist offenbar nur der kleinste gemeinsame Nenner. Da war wohl nicht mehr zu erwarten.


Was muss die neue Bundesregierung – so sie denn kommt – in Bezug auf die Landwirtschaftspolitik besser machen als die alte?


Paetow: Vor allem würde ich mir mehr Perfektion im Moderieren gesellschaftlicher Diskussionsprozesse wünschen. Das ist eine wichtige Aufgabe von Politik, die in der vergangenen Legislaturperiode nicht hinreichend wahrgenommen wurde. Die alte Bundesregierung hat es nicht geschafft, über Partei- und Ministeriumsgrenzen hinweg einen Meinungsbildungsprozess über den künftigen Weg der Landwirtschaft in Deutschland zu organisieren. Das sollte die neue Bundesregierung besser machen - unter Führung des neuen Landwirtschaftsministers oder der neuen Landwirtschaftsministerin.


Zurück zur DLG: Welches Instrument soll die DLG künftig im Orchester der vielen Verbände und Institutionen der deutschen Agrarwirtschaft spielen: erste Geige, Pauke oder Flöte?



Paetow:Ich würde das nicht an einem bestimmten Instrument festmachen, sondern eher an unserem Beitrag zum Konzert. Wir sind eine Stimme, die Harmonien und Töne abrunden kann, weil wir als fachliche Stimme immer unseren Beitrag zum Orchester leisten. Wir können aber auch mal ein Thema anspielen. Wir sind nicht der führende Verein, setzen aber gerne thematische Impulse, die dann von anderen aufgenommen werden.


Was sind die ersten Termine, die Sie als neu gewählter DLG-Präsident wahrnehmen?


Paetow: Ich habe nach der Wintertagung zwei Termine beim Bauernverband. Ich bin bei den Junglandwirten in Niedersachsen und ich habe einen Termin bei der Andreas Hermes-Akademie. Auf die beiden Diskussionen über die Zukunft der nachhaltigen Landwirtschaft freue ich mich schon sehr. Und dazwischen gehe ich mit der Veranstaltung „Landtechnik für Profis“ noch meiner Leidenschaft für die Agrartechnik nach.


Vielen Dank für das Interview


Interview: Dr. Ludger Schulze Pals

 

Zur Person:


Hubertus Paetow (51) bewirtschaftet in Finkenthal-Schlutow (Mecklenburg-Vorpommern) einen 1.250 Hektar großen Ackerbaubetrieb mit Saatguterzeugung. In den vergangenen drei Jahren war der fünffache Familienvater Vizepräsident der DLG sowie Vorsitzender des DLG-Testzentrums Technik und Betriebsmittel. Nach seiner Ausbildung zum Landwirt studierte der gebürtige Schleswig-Holsteiner Agrarwissenschaften in Göttingen und Kiel.


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top agrar hat Peatow im Frühjahr 16 besucht:


Mästen im Acker-Eldorado, Ausgabe 04/2016, können Sie hier frei lesen...

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