Kathrin aus Bayern: Guter Bauer? – Schlechter Bauer?

Auf der Homepage von Bauer Willi findet sich aktuell ein lesenswerter Beitrag von Landwirtin "Kathrin aus Bayern". Laut Bauer Willi wurde er als Kommentar eingereicht. "Unsere Kühe haben Familienanschluß. Bin ich also ein guter Bauer? Die Kühe stehen im Anbindestall. Bin ich nun doch ein schlechter Bauer?

Auf der Homepage von Bauer Willi findet sich aktuell ein lesenswerter Beitrag von Landwirtin "Kathrin aus Bayern". Laut Bauer Willi wurde er als Kommentar eingereicht. Darin schreibt sie wörtlich:

"Wir haben einen kleinen Nebenerwerbsbetrieb im Voralpenland mit maximal 5 Kühen. Die Kühe haben den viel gerühmten Familienanschluß. Bin ich also ein guter Bauer?

Die Kühe stehen im Anbindestall. Letzte Woche mußte ich lesen, daß eine Tierschutzorganisation Bauern im Allgäu angezeigt hat, weil sie Anbindehaltung haben. Ich bin also doch ein schlechter Bauer. Soll ich einen Laufstall bauen? Das kann ich mir nicht leisten. Die 5 Kühe werfen sowieso keinen Gewinn ab. Also aufhören? Ist es das, was sie wollen, die vielen selbsternannten Tier- und Naturschützer, daß die kleinen Bauern alle aufhören? Wir machen erst mal weiter, weil wir es gern tun, unsere Heimat lieben und sie erhalten wollen und Freude an unseren Kühen haben. Guter oder schlechter Bauer?

Unsere Kühe stehen auf Einstreu. Guter Bauer. Im Frühjahr wird die angefallene Jauche und im Herbst der angefallene Mist auf die Wiesen ausgebracht. Das stinkt. Schlechter Bauer.

Wir haben eine Kuh, die nicht wirklich dem Zuchtziel entpricht, wir haben sie trotzdem behalten. Guter Bauer? Sie hat schwaches Bindegewebe, einen “Hängebusen” und dadurch besonders nach den Kalbungen ein sehr großes geschwollenes Euter (Mütter wissen wovon ich rede) nach zwei Wochen normalisiert sich die Sache wieder. Wie gesagt, wir behalten sie trotzdem. Schlechter Bauer?

Im Sommer sind die Tiere Tag und Nacht auf der Weide. Guter Bauer. Wenn es Mittags heiß ist und Fliegen Mücken und Bremsen lästig sind, hole ich die Kühe in den Anbindestall. Schlechter Bauer? Nein, da bin ich mir sicher, daß das ein Moment ist wo meine Kühe richtig glücklich sind, wenn sie in den kühlen Stall dürfen und obendrein haufenweise frisches Gras vor der Nase liegt – Schlaraffenland. Also doch guter Bauer.

So ist es, ich weiß selber manchmal nicht mehr was ich tun soll, um den Wünschen der Verbraucher, der Tier- und Naturschutzorganisationen, meiner Bank und ich weiß nicht wem noch alles zu entsprechen.
Aber wenn ich mich schon nicht mehr auskenne, wie soll dann der Otto-Normal-Verbraucher wissen was ein guter Bauer ist? Soll er sich auf das verlassen, was in Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehen berichtet wird? Lieber nicht!

Medien ziehen Landwirtschaft einseitig durch den Schmutz

Ich habe auch einen guten Grund so zu denken: Wir waren lange Zeit Leser einer angesehenen deutschen Wochenzeitschrift, weil ich davon ausgegangen bin, daß dort seriös gearbeitet wird. Bis zu dem Tag an dem ein Artikel mit der Überschrift “Essen wir zu viel Fleisch?” abgedruckt wurde. Grundsätzlich läßt sich über dieses Thema natürlich diskutieren, aber in diesem Aufsatz (mit glatter Themaverfehlung) wurde nur über die Landwirtschaft hergezogen, er war gespickt mit Lügen und nicht nachvollziehbaren Behauptungen. Der Gipfel aber war ein einfaches Foto von einem Bauern, der gerade seine Gülle ausbringt. Darunter stand “Bauern verklappen ihre Gülle ungeklärt auf den Feldern” Was will der Schreiber von mir???

Erstens ist das Wort “verklappen” eine Unverschämtheit! Die jüngeren unter Euch werdens vielleicht nicht mehr wissen, daß es Zeiten gab in denen die Holländer tatsächlich ihre überschüssige Gülle in der Nordsee verklappt haben, aber die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Ein Landwirt, der seine Gülle (oder Jauche oder Mist) ausbringt, entsorgt nicht irgendeinen Müll sondern düngt seine Felder und Wiesen mit natürlichem, organischem Dünger, den seine Tiere produziert haben.

Und was meint er mit “ungeklärt”? Ist es sein Ernst, daß wir die Gülle zuerst durch die Kläranlagen schicken sollen, um sie dort mit den Haus- und Industrieabwässern (incl. Chemikalien, Putzmittel, Medikamentenreste, Hormone, Kontrastmittel aus der Medizin usw.usw.) zu vermischen und so angereichert als Klärschlamm wieder auf unsere Felder zu bringen? Wohl kaum, aber ein toller Aufreißer war es mit Sicherheit.

Zum krönenden Abschluß seiner Schreibereien hat der Autor noch einen Biobauern besucht. Dort stand eine Kuh im Stall, Zitat: “die hatte sogar ein graues Fell”. Was will er uns damit sagen? Ich nehme an, er ist davon ausgegangen, daß dieses Tier sehr alt ist. Leider muß ich sagen, daß Kühe (ebenso Pferde, Hunde, Katzen…) im Alter kein graues Fell bekommen, sie werden evtl. im Gesicht etwas stichelhaarig. Das besagte Tier gehörte wohl einer etwas weniger bekannten Rasse an. Über das Alter läßt sich nur spekulieren.

Was mich besonders an solchen und ähnlichen Berichten ärgert ist, daß die Verfasser damit gutes Geld verdienen. Die Zeitung hat bestimmt auch gut daran verdient, sowas läßt sich gut verkaufen. Ich habe die Zeitschrift jedenfalls abbestellt.

Und was soll nun der Verbraucher tun? Seid kritisch, glaubt nicht alles und fragt den Landwirt!
Ich muß jetzt aufhören, glaubt mir ich hab noch mehr auf dem Herzen, aber das meiste ist bestimmt in irgendeinem der Kommentare schon mal gesagt worden.


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