Situationsbericht

Knapp die Hälfte der Mitarbeiter sind Familienmitglieder

48 % aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft gehören zur Familie. Die Zahl sank aber zwischen 2010 und 2016 um 19 %. Mit zunehmender Betriebsgröße steigt die Vollbeschäftigung deutlich an.

Die Landwirtschaft ist ein Wirtschaftsbereich, in dem die Arbeit zum größten Teil von Unternehmern und ihren Familienangehörigen geleistet wird. Von den 940.100 Arbeitskräften in der deutschen Landwirtschaft waren nach Ergebnissen der zuletzt für 2016 vorliegenden Agrarstrukturerhebung rund 449.100 Familienarbeitskräfte (48 % aller Arbeitskräfte). Hinzu kommen 204.600 ständig angestellte ständige Arbeitskräfte und rund 286.300 Saisonarbeitskräfte. Das berichtet der DBV in seinem aktuellen Situationsbericht.

DBV-Situationsbericht

Arbeitskräfte in landwirtschaftlichen Betrieben 2016 (Bildquelle: DBV)

Rückgang der Familienarbeitskräfte – Anstieg der angestellten Arbeitskräfte

Der langfristige Trend hin zum vermehrten Einsatz moderner Technik und die dadurch bedingten Effizienz- und Produktivitätssteigerungen haben auch Auswirkungen auf die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. Sie ging zwischen 2010 und 2016 um fast 13 % zurück. Die Zahl der Familienarbeitskräfte sank zwischen 2010 und 2016 sogar um 19 %.

Dagegen stieg die Zahl der ständig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 6 %. Die von externen Dienstleistern wie Lohnunternehmen und Maschinenringe erledigten Arbeiten und die dazu benötigten Arbeitskräfte sind in den Agrarstrukturerhebungen nicht abgebildet. Diese externen Dienstleistungen nehmen tendenziell zu.

Arbeitskräfte und Erwerbstätige

Die Statistiken über die in der Landwirtschaft tätigen Personen gehen auf
unterschiedliche Erhebungen zurück:

  • Arbeitskräfte werden in der Agrarstrukturerhebung bzw. Landwirtschaftszählung erhoben. Diese werden nach dem Grad der Beschäftigung (Vollzeit/Teilzeit) erhoben und auch nach Arbeitskraft-Einheiten (AKE) ausgewertet.

  • Erwerbstätige werden in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nach ihrer Haupterwerbstätigkeit erfasst und den Wirtschaftszweigen zugeordnet.

490.100 AK-Einheiten in der deutschen Landwirtschaft

Die sogenannte Arbeitskräfte-Einheit (AK) gibt den gesamten in landwirtschaftlichen Betrieben erbrachten Arbeitseinsatz in einer Kennzahl wieder. Die betriebliche Arbeitsleistung belief sich 2016 in Deutschland auf 490.100 AK-Einheiten. Gegenüber 2010 entspricht dies einem Rückgang von gut 10 %.

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Landwirtschaftlicher Arbeitskräfteeinsatz im Zeitvergleich (Bildquelle: DBV)

Beschäftigungsstruktur regional unterschiedlich

Die regionalen Unterschiede in den Betriebsstrukturen bringen auch unterschiedliche Beschäftigtenstrukturen mit sich. Im früheren Bundesgebiet überwogen 2016 die in Einzelunternehmen tätigen Familienarbeitskräfte mit rund 423.000 Personen. Das sind 53 % aller Arbeitskräfte im früheren Bundesgebiet. Nur 16 % der in der Landwirtschaft tätigen Personen zählten hier zu den ständig angestellten Arbeitskräften, 31 % waren Saisonarbeitskräfte.

In den neuen Ländern dominieren aufgrund einer anderen Rechtsformstruktur die ständig angestellten Arbeitskräfte. Sie machen 54 % der Arbeitskräfte aus (Familienarbeitskräfte 18 %, Saisonarbeitskräfte 28 %).

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Landw. Arbeitskräftebesatz 2016 (Bildquelle: DBV)

Anteil der Vollbeschäftigten steigt

Von den Familienarbeitskräften waren 2016 nur 36 % mit betrieblichen Tätigkeiten vollbeschäftigt; bei den ständig angestellten Arbeitskräften waren es 61 %.

Mit zunehmender Betriebsgröße steigt die Vollbeschäftigung deutlich an. Die Unterscheidung in Haupt- und Nebenerwerb zeigt: Während von den 222.800 Familienarbeitskräften in Nebenerwerbsbetrieben lediglich 12 % vollbeschäftigt sind, liegt der entsprechende Anteil bei den 226.300 Familienarbeitskräften in Haupterwerbsbetrieben bei 60 %. Im Zeitverlauf ist der Anteil der in der Landwirtschaft vollbeschäftigten Personen angestiegen.

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Männer und Frauen in der Landwirtschaft 2016 (Bildquelle: DBV)

Saisonale Beschäftigung von großer Bedeutung

2016 arbeiteten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 286.300 Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft. Nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) sind davon rund 95 % nichtdeutscher Herkunft.

Die Anzahl der Arbeitskräfte aus Polen ist in den letzten Jahren zurückgegangen, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Rumänien deutlich gestiegen. Von den ausländischen Saisonarbeitskräften stammen nach Einschätzung des GFLA etwa 65 % aus Rumänien, 30 % aus Polen und der Rest aus den anderen osteuropäischen Staaten (vorwiegend Bulgarien, Baltikum sowie Studenten aus der Ukraine).

36 % aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sind weiblich

Unter Berücksichtigung der soziodemografischen Merkmale der Beschäftigten zeigt sich, dass sowohl bei den Familienarbeitskräften als auch bei den ständig angestellten Arbeitskräften knapp ein Drittel der Beschäftigten Frauen sind. Von den Saisonarbeitskräften waren 2016 allerdings 45 % weiblich. Insgesamt stehen in der Landwirtschaft 599.100 männlichen Arbeitskräften 341.000 weibliche Arbeitskräfte gegenüber.

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Anteil der erwerbstätigen Frauen in Führungspositionen (Bildquelle: DBV)

Anteil weiblicher Führungskräfte relativ gering

In den Führungspositionen ist das Geschlechterverhältnis noch ungleicher: Nur 26.500 oder knapp 10 % der 2016 gezählten 275.400 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Frauen geführt. Zusammen mit Frauen, die insbesondere in den juristischen Personen führende Positionen einnehmen, dürfte der Anteil der Frauen mit Führungspositionen in der Landwirtschaft zwar etwas höher liegen, aber deutlich unter dem Durchschnitt aller Wirtschaftszweige: Der Frauenanteil unter den Führungskräften lag in Deutschland 2018 bei 29,4 %, der Anteil an allen Erwerbstätigen bei 46,6 %.

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