Umbruch in der Fleischbranche

Lidl und Kaufland verzichten zukünftig auf Werkverträge

Die Handelsunternehmen Lidl und Kaufland der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe wollen bei ihren Frischfleisch- und Frischgeflügel-Lieferanten sowie in der eigenen Produktion auf Werkverträge verzichten.

Lidl und Kaufland haben am Dienstag mit ihren Frischfleisch- sowie Frischgeflügel-Lieferanten vereinbart, ab spätestens Januar 2021 auf Werkverträge mit Dritten in den Kernprozessen Schlachtung, Zerlegung sowie Verpackung zu verzichten.

"Die Entscheidung, zukünftig kein Frischfleisch und -geflügel in der Festlistung von Lieferanten mit laufenden Werkverträgen anzunehmen, wurde in beiden Unternehmen seit einiger Zeit diskutiert, die jüngsten Ereignisse haben zu dem konsequenten Schritt geführt", erklären die Unternehmen in einer Mitteilung.

Kaufland habe in seinen Fleischwerken bereits vor einigen Jahren begonnen, auf Werkverträge zu verzichten, die letzten zwei Verträge würden aktuell umgestellt. Ab Januar 2021 soll es auch bei Kaufland keine Werkverträge in der Fleischproduktion mehr geben. Allen Mitarbeitern, die bisher im Rahmen von Werkverträgen beschäftigt waren, bietet Kaufland unbefristete Arbeitsverträge an, heißt es.

Folgende Lieferanten von Lidl und Kaufland haben ihre Unterstützung zugesagt: Westfleisch SCE mbH, Tönnies Unternehmensgruppe, Willms Fleisch, Landgeflügel, Heidemark GmbH, Hubers Landhendl GmbH, Plukon Food Group Deutschland, Baumann GmbH, Schiller Fleisch, Wiesenhof.

Zwei negative Coronatests ab jetzt Pflicht für Fleischarbeiter in Schleswig-Holstein

Unterdessen hat das Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein per Erlass verfügt, dass neue Beschäftigte in großen fleischverarbeitenden Betrieben zukünftig zwei negative Corona-Tests vorweisen müssen, bevor sie anfangen dürfen zu arbeiten. Zwischen diesen Tests müssen 48 Stunden liegen.

Die neue Regel gilt für fleischverarbeitende Betriebe in denen mehr als 150 Menschen arbeiten, meldet der NDR. Zu den Beschäftigten zählen auch Leiharbeitnehmer und Beschäftigte eines Werkunternehmers. Die neue Regelung gilt dann, wenn mehr als 30 % der Menschen, die in dem Betrieb arbeiten, Leiharbeitnehmer oder Beschäftigte eines Werkunternehmers sind. Die Regelung greift, wenn Leiharbeiter innerhalb der vergangenen 14 Tage in einer anderen Arbeitsstätte tätig waren.

"Ausbeutung beenden"

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte erklärt, für ein Geschäftsmodell, das Ausbeutung und eine Ausbreitung von Pandemien in Kauf nehme, könne es in Deutschland keine Toleranz geben. "Es ist Zeit, in diesem Bereich aufzuräumen", sagte der SPD-Politiker laut SWR.

Mit den neuen Regelungen soll erreicht werden, dass Fleischfabriken die Verantwortung für Niedrigstlöhne und Missstände bei der Unterbringung der Vertragsarbeiter von sich weisen können. Bislang ist dies möglich, weil Arbeiter mit Werkverträgen bei Subunternehmen beschäftigt sind. Bundesarbeitsminister Heil will einen Entwurf für das Gesetzgebungsverfahren erarbeiten.

Die Redaktion empfiehlt

Nach Westfleisch verkündet auch Tönnies, keine Werkvertragsarbeiter mehr beschäftigen zu wollen und besseren Wohnraum zu schaffen. Die bayerischen Tönnies-Werke sind derzeit auch gestoppt.

Westfleisch macht mit dem Umbau der Fleischbranche ernst und will notwendige Schritte künftig viel konsequenter als bisher umsetzen. So kommt jetzt die digitalen Zeiterfassung.

Im Schlachthof der Geestland Putenspezialitäten, an dem die PHW-Gruppe beteiligt ist, sind mehrere Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden. PHW will nun alle Werkvertragsleute fest anstellen.


Diskussionen zum Artikel

von Bernhard ter Veen

es muss niemand so tun

als ob man von dieser Ausbeutung "nichts gewusst" hat. Das System hat sich langsam aber sicher durch alle Branchen hier in D gefressen... Die "Seelenverkäufer" (Subunternehmer) verdienen sich eine Goldene Nase mit den Mindestlöhnern, Ziehen sich deren Ausgaben für Unterkünfte, hin und ... mehr anzeigen

von Renke Renken

Unser ganzer Wohlstand

beruht auf systematisches Ausbeuten von Mensch und Natur. Werkverträge in der heimischen Wirtschaft, Importe von Produkten aller Art aus Billiglohnländern, rücksichtsloser und umweltschädlicher Abbau und Gewinnung von Rohstoffen, Zerstörung von Natur und Regenwäldern, um immer noch ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Ist ja interessant

Alle haben Werksverträge nur wir nicht! Meyerwerft hier bei uns doch auch...... Auch wenn Mindestlohn gezahlt wird holt man sichcdas hintenrum wieder rein. Das die moderne Art der Sklaverei- schämen sollten die Herren sich!!

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