Dialog in der Heinrich-Böll-Stiftung

LsV, Whes und NABU an einem Tisch - "Uns verbindet mehr als uns trennt" Plus

Beim Agrarforum der Heinrich-Böll-Stiftung haben sich zwei Vertreter von LsV der Diskussion mit Naturschützern und Unterstützern der Agrarwende gestellt. Die Schuldigen der Misere sitzen woanders.

In der Gesellschaft haben gerade verschiedene Gruppen die Agrarpolitik satt: Die einen wegen der Düngeverordnung, die anderen wegen einer angeblich zu industriellen Ausrichtung der Landwirtschaft. „Damit ist die Basis für ein gewisses Gespräch ja da“, meint Prof. Harald Grethe von der Uni Berlin. Er war am 17. Januar einer der vielen geladenen Fachleute beim Agrarforum der Heinrich-Böll-Stiftung.

Zur Einleitung der nachfolgenden Diskussion (siehe unten) beschrieb er zunächst die Ist-Situation: So wünscht sich der Verbraucher immer mehr Nahrungsmittel in hoher Qualität, die aber unter hohen Umweltstandards erzeugt sein müssen. Er werde oft von Bauern gefragt, ob die Ansprüche der Gesellschaft weiter steigen oder ob das nur eine Phase ist. „Ja, das wird immer so weitergehen. Der Bürger besteht heute auf sauberes Gemüse, Biodiversität in der Agrarlandschaft, geringe Treibhausgasemissionen und eine CO2-Bindung“, so Grethe.

Der Ausspruch „Die Preise müssen die Wahrheit sagen“, funktioniert laut dem Fachmann nicht in einer internationalen Welt. Es reiche auch nicht, nur ordnungsrechtlich Leistungen von den Bauern zu fordern. „Wir haben nun mal kein geschlossenes Wirtschaftssystem“, sagt Grethe und warnt vor einem Abwandern der Produktion ins Ausland. Es könne nur darüber gehen, die Leistungen der Landwirtschaft zu honorieren, was zentrale Aufgabe der Politik sei. „Das aber geschieht kaum“.

„Politik zögert, weil Bauernverband Alarm schlägt“

Laut Grethe sind bislang 70 % der Fördermittel als pauschale Flächenprämie an den Hektar gebunden. Dies wird dann überwälzt an die Bodenpreise und die Bodeneigentümer. Auch über Tierwohl rede die Politik viel, Fakten zeigten jedoch, dass es kaum weitergeht. Grethe erinnert an seine Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats aus 2015. Damals veranschlagten die Experten 3 bis 5 Mrd. Euro zum Umbau der Landwirtschaft. Viele Ziele der Regierung seien nicht erreicht. Entsprechend frustriert sei die Zivilgesellschaft über das viele Gerede.

Auch den DBV sieht der Professor in der Verantwortung für die heutige Lage. Dieser habe die Politik immer wieder „vom Weg des richtigen Handels“ abgebracht, wie er sagte. Der Verband stelle die nächsten Regeländerungen immer so dar, als gehe damit die Welt unter. Die kritisierte Düngereduktion um 20 % in den roten Gebieten etwa beziehe sich tatsächlich auf die Gesamtbilanz, das habe der Berufsstand zu lange blockiert und jetzt falle ihnen die Notlösung auf die Füße, sagte Grethe am Freitag weiter.

„Ganze Sektor fährt gegen die Wand“

„Jetzt geht es ganz schnell, die Politik ist getrieben, Gerichtsurteile schließen die Lücken und erfordern nicht zu Ende gedachte Gesetzesänderungen“, so Grethe. Er erinnert an die Dieselfahrverbote in einigen Städten: Da es keine politische Gesamtlösung samt Kompromissen gab, schaffen nun die Gerichte Fakten. Die Folge sind kurzfristig erzwungene Einzelfallentscheidungen, das drohe in der Agrarpolitik auch. „Der ganze Sektor fährt gegen die Wand, dabei braucht er Akzeptanz und eine wirtschaftliche Honorierung“, so Grethe weiter.

Er wisse, dass sich die Landwirte an die Gesetze halten, nur die seien falsch. Für die Zukunft wünscht sich der Ökonom einen proaktiv auftretenden Sektor, die Branche solle nicht alles ablehnen, weil man so politisch nicht durchdringe. „Stattdessen sollten die Bauern sagen, ja wir können Tierschutz, Naturschutz, wir können Landwirtschaft und Tierhaltung, wir haben Ideen, wie das besser geht. Und das muss dann auch kommuniziert werden. Dann sind die Landwirte aus der Zwangslage heraus. Darüber muss verhandelt werden“, betonte der Fachmann.

Zum Abschluss seines Referats forderte er einen breiten gesellschaftlichen Dialog und einen neuen...

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Diskussionen zum Artikel

von Andreas Gerner

Der Insektenatlas ist Beweis genug,...

.... dass die Böll-Stiftung exakt null Interesse hat, da irgendwie zu vermitteln oder Annäherung zu suchen. Nur den Schein wahren und die Erfolgswelle von LSV mitreiten, sonst nichts. Diese landwirtschaftsfreundliche Fassade fällt sofort in sich zusammen, wenn man liest, mit welch ... mehr anzeigen

von Michael Behrens

Landwirtschaft in Deutschland

Volle Regale sind kein Zufall, sondern eine Errungenschaft! Die mantraartigen wiederholten angeblichen Probleme in der Landwirtschaft sind doch eine Wahrnehmungsstörung. Angetrieben von den NGO's! Und verbreitet vom Mainstream! Immer wieder wird die Gesellschaft angeführt! Wer ist die ... mehr anzeigen

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Zu den Treffen mit den NGOS und Grünen sage ich wie schon

letztes Mal nur eines: Erst müssen DIE Liefern und zeigen daß sie es ernst meinen!!!!! Die Aktionen jetzt bei der Grünen Woche von Greenpeace und Konsorten haben gezeigt, wie die die Landwirtschaft sehen und wie die Gesprächsbereitschaft auf was für einer Basis ist. Solange die nicht ... mehr anzeigen

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Schuldzuweisung

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von Diedrich Stroman

Heinrich Böll Stiftung!

Sagt doch alles, menschenens Kinder las euch doch von diesen Narrenspielern und Rattenfängern nicht einlullen, Grehte, Krüger und Spiller und dann noch Whes und Nabu machen uns doch was vor und vernebeln die bäuerliche Landwirtschaft und tragen durch Zwiehtracht und unerfüllbaren ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Alle gegen Thomas, auch Top agrar ?

Wir werden uns nicht von Grethe und den übrigen Anhängern der Heinrich-Böll- Stiftung unsere Werte und die gute landwirtschaftliche Praxis verunglimpfen lassen.

Anmerkung der Redaktion

??? Hier steht nichts geschrieben, was nicht exakt so an dem Abend gesagt wurde. Wir berichten lediglich

von Kirsten Wosnitza

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Ist zwingend notwendig, um Gesellschaft und Landwirtschaft wieder dichter zueinander zu bringen. Dies scheint den Teilnehmern der Veranstaltung bestens gelungen zu sein! Für dieses mutige Signal sollten sich die Landwirte bei den Teilnehmern bedanken. Wenn dieses Signal ernst gemeint ... mehr anzeigen

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Liebe LSVler, lasst euch bitte nicht von dieser NGO - Mafia einlullen. Die gehen nur auf Schmusekurs, weil sie merken, dass wir Landwirte trotz allem medialen Gegenwind die Mehrheit der Gesellschaft und langsam auch wieder die entscheidenden Politiker auf unserer Seite haben. Über ... mehr anzeigen

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Vorsätzliche Ignoranz / Uneinsichtigkeit?

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von Eckehard Niemann

Hier ein Bericht aus den "Bäuerlichen Nachrichten" der AbL, der zu obigem TOP-AGRAR-Text gut passt:

„Ein Signal, das die Politik ernst nehmen sollte“ ------- Einen Tag vor der „Wir haben es satt!“-Demonstration (WHES-Demo) hatte die Initiative „Land schafft Verbindung“ (LsV) zu einer Trecker-Demonstration in Berlin und an weiteren Orten bundesweit aufgerufen. Insgesamt ... mehr anzeigen

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Es muss heißen: "Wir Bauern können mehr - wir Bauern sind Zukunft!" XXXXX In meiner Ausbildung (1975) musste jeder Teilnehmer einen Vortrag vor der Klasse halten. Das Thema eines Klassenkameraden: "Ohne Bauer stirbt die Stadt!" XXXXX Wie alle gesellschaftlichen ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

LsV, Whes und NABU...

Wäre natürlich gut, wenn der DBV als Vertreter von 290000 Mitgliedern dabei wäre und es nicht nur als Eintagsfliege bei einem Gespräch bleibt.Dann wäre es sinnvoll und man g e m e i n s a m gegen die falsche Agrarpolitik protestiert(auch wenn es Abl-Ilchmann anders sieht).Was Grethe ... mehr anzeigen

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Die Bauern werden zwischen den....

.... durchgeknallten, völlig realitätsfremden Vorstellungen von Landwirtschaft der NGO´s und deren hörigen Wissenschaftlern zerrieben.

von Harald Finzel

"waren sich alle Seiten einig, dass es Bauernverband und Politik gewesen seien, die für die heutige Misere verantwortlich seien"

Eine solche Schuldzuweisung ist nicht schwer, wenn Bauernverband und Politik nicht in der Runde vertreten waren. Bei allem Respekt vor dem Engagement der LsV-Vertreter: Mittlerweile geht mir der Kuschelkurs mit den NGOs und grünen Gruppierungen zu weit. Sind es doch tatsächlich vor ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Sie versuchen die Spaltung, mit allen Mitteln !!!!!

Wenn das gelingt, gnade uns Gott !!!!

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