Meyer: "Niedersachsen muss beim Düngemanagement handeln"

Niedersachsen legt als erstes Bundesland eine umfassende Dokumentation der Nährstoff-Kreislaufwirtschaft vor. Der „Nährstoffbericht 2012/2013“ verschafft erstmals eine Übersicht darüber, wo wie viel Wirtschaftsdünger und Gärreste erzeugt und ausgebracht werden. Meyer kündigte anschließend harte Konsequenzen an.

Niedersachsen legt als erstes Bundesland eine umfassende Dokumentation der Nährstoff-Kreislaufwirtschaft vor. Der im Auftrag des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums von der Landwirtschaftskammer (LWK) erstellte „Nährstoffbericht 2012/2013“ verschafft erstmals eine Übersicht darüber, wo wie viel Wirtschaftsdünger und Gärreste erzeugt und ausgebracht werden.

„Das ist eine in dieser Form noch nie dagewesene umfassende Bestandsaufnahme der Nährstoffströme“, lobte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer am Mittwoch. Als Konsequenzen kündigte er die Streichung von indirekten Subventionen, die Filterpflicht für Schweineställe, Keimgutachten, Antibiotika-Minimierung, Baurechtsnovelle sowie den Tierschutzplan an.

Grundlage des Berichtes sind elektronische Meldedaten, die von den meldepflichtigen Betrieben in eine Datenbank der LWK geschickt wurden. Insgesamt haben 10.388 Abgeber mit 112.000 Einzelmeldungen die Nährstoffabgabe unter Angabe der Wirtschaftsdüngerart, der Menge, des Transporteurs sowie der Adressen von 17.878 aufnehmenden Betrieben dokumentiert.

Die Fakten

Der Untersuchung zufolge fallen in Niedersachsen in der Tierhaltung rund 39 Mio. t Gülle und etwa 8 Mio. t Festmist an. Davon werden rund 6 Mio. t zur energetischen Nutzung in Biogasanlagen eingesetzt. In Niedersachsen wurden rund 15 Mio. t Wirtschaftsdünger und Gärreste an andere Betriebe im eigenen Umfeld oder in andere Regionen und Bundesländer zur Düngung von Acker- und Grünlandflächen abgegeben.

Die anfallenden Nährstoffmengen aus Wirtschaftsdüngern und Gärresten betragen im Durchschnitt landesweit 119 kg organischem Stickstoff und 60 kg Phosphat pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Aufgrund der noch nicht berücksichtigten Menge von mineralischem Stickstoff, der zusätzlich eingesetzt wird, ergibt sich landesweit ein Stickstoffüberschuss. Dieser Überschuss bedeutet in einigen Regionen eine Belastung für das Grundwasser.

Mit Blick auf die anstehende Verschärfung des Düngerechts sehen Landesregierung und Landwirtschaftskammer deshalb großen Handlungsbedarf für weiterführende ordnungsrechtliche Maßnahmen wie ein besserer Informationsabgleich von Landkreisen und Landwirtschaftskammer für ein Düngekataster. Gleichzeitig müsse die Düngeberatung intensiviert werden, hieß es am Mittwoch. Notwendig seien überdies innovative Lösungen für die technische Aufbereitung und den Transport von Wirtschaftsdüngern.

Nach Bilanzierung des Wirtschaftsdüngeranfalls der Im- und Exporte sowie unter Berücksichtigung der landbaulich verwerteten Klärschlammmengen fehlen den Überschusslandkreisen der Weser-Ems-Region insgesamt rund 65.000 ha für eine boden- und umweltverträgliche Düngung. „Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache“, sagte Agrarminister Meyer. „Niedersachsen hat im Westen deutlich zu hohe und nicht flächenangepasste Tierbestände.“ So weisen nach seinen Worten einige Landkreise eine zu hohe Viehdichte im Verhältnis zur vorhandenen landwirtschaftlichen Fläche auf.

„Um dort Wirtschaftsdünger gemäß der Grenzen der Düngeverordnung ordnungsgemäß auszubringen, müssen noch weitere 5,8 Mio. kg Phosphor (P2O5) in Form von Gülle oder Festmist in andere Landesteile transportiert werden. Erfolge dies nicht oder nicht in ausreichendem Maße, komme es zur Überdüngung der Felder. Tatsächlich steigen nach Angaben des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) seit 2006/2007 wieder die Nitratwerte in diesen Regionen im Grundwasser. „Das hat auch mit der Zunahme der Tierhaltung und der Zunahme des Nährstoffanfalls aus Biogasanlagen zu tun“, sagte Niedersachsens Agrarminister.

Insgesamt rund 60 % des Grundwassers seien in Niedersachsen in einem schlechten Zustand und durch zu hohe Nitratwerte belastet. „Diese Flächen liegen häufig in den Tierhaltungsregionen in Westniedersachsen, wo die Tierzahl deutlich höher ist als die Zahl der verfügbaren Flächen für die ordnungsgemäße Ausbringung von Wirtschaftsdüngern“, sagte Meyer. Deshalb fördere die neue Landesregierung den Ausbau der Tiermast nicht, sondern habe im Gegenteil die Auflagen deutlich verschärft.

Bauernverband sieht Vorwürfe entkräftet

„Unsere Landwirte nehmen die Vorgaben des Düngerechtes sehr ernst“. Mit diesen Worten reagiert Landvolkpräsident Werner Hilse auf die Vorlage des Berichts. Nach den dort erhobenen Daten geben Tierhalter bei zu geringer Flächenausstattung sehr konsequent Wirtschaftsdünger an Bauern ab, die diesen auf ihren Feldern verwerten können.

Nach Einschätzung Hilses sind damit alle Vorwürfe als gegenstandslos entkräftet, wonach Böden in den Veredlungsregionen des Landes systematisch und gesetzeswidrig mit Gülle oder Gärresten überdüngt würden. Erfreut zeigt sich Hilse auch über die Tatsache, dass die Landwirte offenbar selbst an einer vollständigen Transparenz der Nährstoffströme interessiert sind. Das lässt sich aus der hohen Bereitschaft zur Meldung ablesen.

Nach den von der Landwirtschaftskammer ermittelten Daten werden die in den Viehställen anfallenden Wirtschaftsdünger zu einem erheblichen Teil für die Biogaserzeugung vorgenutzt. Das begrüßt der Bauernverband. Allerdings erfordern die bei den Biogasanlagen anfallenden Gärresten ebenfalls einen sehr sorgsamen Umgang, dieser Herausforderung wolle sich das Landvolk stellen.
 
Abhilfe würden hier aber keine weiteren bürokratischen Auflagen wie ein Güllekataster oder die Abstockung vorhandener Tierbestände oder Biogasanlagen schaffen, heißt es weiter. Beide Betriebszweige böten vielmehr vielen, gerade auch flächenarmen Höfen eine Zukunftsperspektive und stärkten die Wirtschaftskraft ländlicher Räume. Die überregionale Verwertung von Wirtschaftsdünger müsse weiter vorangebracht werden, wozu das Landvolk eine an landwirtschaftlichen Aspekten orientierte Weiterentwicklung des Fachrechtes als notwendig ansieht. Gemeinsames Ziel von Landwirtschaft und Politik müsse eine noch bessere Ausnutzung der im Wirtschaftsdünger enthaltenen Nährstoffe sein, sie kann den bisherigen Einsatz von Mineraldünger weiter reduzieren. (ad)

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen