Wahlkampfveranstaltung

Mortler mahnt praxisnahe Politik an

„Wer unsere Bauern unter Generalverdacht stellt, hat es nicht verdient, gewählt zu werden und in Regierungsverantwortung zu kommen“, mahnte Marlene Mortler bei einem Wahlkampfauftritt.

„Was wir in der Landwirtschaft brauchen, ist eine praxisnahe Politik. Wer auch weiterhin regionale Lebensmittel haben möchte, der braucht auch in Zukunft regionale Bauern. Deshalb kämpfen wir für klare Perspektiven, aber stehen auch für Mut in die Zukunft und für die Zukunft.“ So warb die Landesvorsitzende der CSU Arbeitsgemeinschaft Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ELF) Marlene Mortler beim „Frühschoppen Dohoam“ auf dem Hof der CSU-Bundestagskandidatin Caroline Brielmair in Grucking für ihre Partei.

Mortler machte deutlich, dass unsere Region in Mitteleuropa eine von drei agrarischen Gunststandorten weltweit ist – neben Nordamerika und Teilen Chinas. „Dieses Potential von Boden, Witterung und Klima müssen wir bestmöglich mit unserem Wissen und unserem Know-how nutzen. Der Schlüssel für die Landwirte darf in einem hoch entwickelten Land wie Deutschland nie mit Verboten und Stillstand beantwortet werden. Wer unsere Bauern unter Generalverdacht stellt, hat es nicht verdient, gewählt zu werden und in Regierungsverantwortung zu kommen“, so die Europaabgeordnete.

Sie betonte, dass ihre Partei auf Lösungen anstatt Schuldzuweisungen setze. „Auf Gebote statt Verbote. Und auf Kooperation, nicht Konfrontation. Denn unsere Landwirtschaft ist systemrelevant. Wir möchten, dass unsere landwirtschaftlichen Betriebe uns auch in Zukunft mit ausreichend qualitativ hochwertigen Lebensmitteln versorgen“, sagte sie. Beim heimischen Obst habe Deutschland aktuell einen Selbstversorgungsgrad von nur 20 %. Das müsse sich ändern.

Wassermangel wird Problem

Die Europaabgeordnete ging außerdem auf den eklatanten Wassermangel v.a. in den fränkischen Gebieten in Nordbayern ein. Mortler mahnt die Entwicklung geeigneter Strategien für die lokale Wasserversorgung an. Gerade für Betriebe mit Sonderkulturen müsse ein Wassermanagement auf den Weg gebracht werden, das der Nahrungsmittelversorgung, aber auch der Natur und der Gesellschaft dient. Dafür ist es ihrer Ansicht nach wichtig, anstatt Grundwasser künftig Oberflächenwasser und Niederschläge mit Speichermöglichkeiten für den Gemüse-, Obst-, Weinbau und Hopfen professionell zu nutzen.

Dafür bräuchte es betriebsübergreifende Infrastrukturen, besonders auch im Nachbarlandkreis Roth von Marlene Mortler, wo die Produktpalette der durch Sonderkulturen geprägten Region sehr vielfältig ist. Sie hat Sorge, dass diese Kulturlandschaft aussterben würde, wenn keine Lösungen für dieses Problem gefunden würden.

Immer weniger Pflanzenschutzmittel verfügbar

„Um die Qualität und Sicherung der Ernte gewährleisten zu können, ist ein integrierter Pflanzenschutz unabdingbar. Bei Erreichen bestimmter Schadschwellen ist der Einsatz von Pflanzenschutzmittel weiterhin sehr wichtig. Hier spielen die Zulassung von wirksamen Mitteln in Deutschland, aber auch von Wirkstoffen in der EU eine wichtige Rolle. Was Pflanzenschutzmittel für unsere Pflanzen sind, sind Medikamente für uns Menschen“, stellte Mortler weiter klar.

Geeignete Präparate seien aber immer weniger verfügbar. Die Landwirtschaft müsse diesen Spagat zusammen mit der Bevölkerung und der Gesellschaft auflösen, der eine Pflanzenschutzmittel-Reduktion nicht in Frage stellt. „Ein praktizierender Ackerbauer weiß, dass es bei nachhaltiger Wirtschaftsweise manchmal auch den Einsatz von dafür zugelassenen Mitteln bedarf.“

Im besonderen Maße sind ihren Informationen nach auch die heimischen Kirschenbauern dem internationalen Wettbewerb mit Kollegen aus der Türkei ausgesetzt. Diese böten ihre Produkte oftmals zu Billigpreisen mit Rückständen an Wirkstoffen an, die bei uns überhaupt nicht erlaubt sind. Auch diesen Fragen müsse die Politik dringend nachgehen. „Unsere Landwirte akzeptieren zurecht keine Politik mehr, die immer höhere Standards für heimische Produkte abverlangt, aber gleichzeitig Produkte mit niedrigeren Standards und Auflagen nach Europa und Deutschland einführen lässt“, sagte Mortler.

Bürokratieabbau stockt

Marlene Mortler verwendet für den Begriff ´Bürokratieabbau´ bewusst das Wort ´Belastungsmoratorium´: „Der Berg gesetzlicher Auflagen wird immer unübersichtlicher, ist immer weniger zu durchdringen und deshalb setzen wir auf Kontrolle, die berät und nicht in erster Linie sanktioniert.“

Zum Thema Wald erklärt Mortler: „Wir müssen weg von der Ideologie und der Strategie, Wälder nicht zu nutzen, weil dies angeblich besser für Umwelt und Klima seien. Wer sich an jeden Baum kettet und den Wald seinem Schicksal überlassen möchte, der kann auch keine dem Standort angepasste, klimatolerante Bäume pflanzen. Aber genau das ist die Aufgabe, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen.“

Die CSU setze laut der Politikerin auf eine offensive Bioökonomie, die massenhaft Kohlenstoffsenken schafft. Diese Senke finde bisher einzig und allein in der Land- und Forstwirtschaft statt und somit in der Realität und nicht nur auf dem Papier.

CO2 neutrale Landbewirtschaftung

Mortler erklärte in Grucking auch ihre Vision von einer energieautarken, CO2 neutralen Landbewirtschaftung: „Wenn die EU-Kommission das möchte, dann wollen wir auch. Aber alles, was durch den Markt nicht abgedeckt wird, muss von der Politik und der öffentlichen Hand ausgeglichen werden. Denn feste, flüssige und gasförmige Biomasse ist jetzt schon verfügbar und die Technologien sind auch bezahlbar!“

Hier spiele die Musik und die Biomasse sei jetzt schon das Zugpferd unter allen erneuerbaren Energien. Ihre Devise lautet: „Bremsklötze lösen in Berlin, Brüssel und manchmal auch in Bayern. Das ist meine Vision für eine moderne klima- und umweltfreundliche Landwirtschaft.“


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