Ukraine-Krieg

Nahrungsmittelversorgung: CSU-Politikerin warnt vor Abhängigkeiten

Europa braucht Ernährungssouveränität und darf nicht wie bei der Energie von wenigen Ländern abhängig und erpressbar werden, fordert Bayerns Agrarministerin Kaniber. Sie wirbt für Regionalität.

Die bayerische Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) will bei der Versorgung mit Lebensmitteln "nicht in ähnliche Abhängigkeiten wie auf dem Energiesektor kommen". Angesichts der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs sei klar, dass Europa Ernährungssouveränität brauche, sagte Kaniber der Deutschen Presse-Agentur. Das sollte bei der deutschen Agrarministerkonferenz Ende März zur Sprache kommen.

In Zeiten der Globalisierung und offener Märkte sei Ernährungssicherheit von manchen als altmodisch abgetan worden, aber jetzt machten sich die Menschen über die Herkunft der Produkte und Lieferketten wieder Gedanken. "Russland und die Ukraine hatten im vergangenen Jahr einen Anteil von 29 % am weltweiten Weizenhandel. Bei Sonnenblumenöl beträgt dieser Anteil sogar fast 80 %", sagte Kaniber der dpa weiter.

Europa müsse sich bei der Lebensmittelversorgung unabhängig machen, um nicht erpressbar zu sein. "Dass wir auch aus ethischen, Umwelt- und Klimaschutzgründen Lebensmittelimporte von anderen Kontinenten reduzieren müssen, verstärkt die Notwendigkeit nur."

Aber die landwirtschaftlichen Produktionsflächen würden immer kleiner, durch Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte, Photovoltaik- und Windkraftanlagen oder für Ausgleichsflächen. Zugleich wolle die Gesellschaft weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel und reduziere damit die Ernten. "Wir müssen in der Europäischen Union alles noch mal auf den Prüfstand stellen", forderte die Ministerin laut der Presseagentur. Aktuell müssten die Verbraucher keine Versorgungsengpässe befürchten, betonte sie.

Bundesagrarminister Cem Özdemir hatte dagegen am Mittwoch klargestellt, dass Russland nur für 10 % und die Ukraine für 4 % der weltweiten Weizenexporte verantwortlich sei. Hauptimporteure wären vor allem die Länder Nordafrikas, die Türkei sowie asiatische Länder. Die EU und Deutschland hätten hierbei einen Selbstversorgungsgrad von über 100 % und es sei nichts in Gefahr.


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