Agrarpaket

Ordnungsrecht: Bauern empört über die Flut neuer Vorschriften

Das vom Bundeskabinett verabschiedete Agrarpaket stößt nach wie vor auf heftige Ablehnung seitens des landwirtschaftlichen Berufsstandes.

Ob Aktionsprogramm Insektenschutz, Tierwohl-Label, Mittelumschichtung in die zweite Säule oder das seit Monaten diskutierte neue Düngepaket: Die Bauern im Rheinland sind empört über die Ignoranz und die fachliche Inkompetenz, mit der ordnungsrechtliche Maßnahmen für alle Bereiche des Wirtschaftens auf Hof und Feld von der Politik rücksichtslos vorangetrieben werden, fasst der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) die aktuelle Stimmung nach Verkündung des Agrarpakets der Bundesregierung zusammen.

Die Fassungslosigkeit wird nicht nur in sozialen Netzwerken und auf Versammlungen deutlich. Zahlreiche Bauern in ganz Deutschland – so auch im Rheinland – folgten derzeit dem Aufruf des Bloggers Bauer Willi, mit dem Aufstellen von grünen Kreuzen überall in der Feldflur auf die Lage der Landwirtschaft aufmerksam zu machen, so der Bauernverband weiter. Die Aktion richtet sich gegen die steigende Auflagenflut, überzogene Bürokratie, Dumpingpreise für Essen, gegen ungebremsten Flächenverbrauch und die unfaire Handelspolitik. Dahinter steckt im Kern die Frage nach der Zukunft der von bäuerlichen Familienbetrieben getragenen Landwirtschaft.

„Es muss endlich Schluss sein mit dem maßlosen Aktionismus gegen die Landwirtschaft“, sagte RLV-Präsident Bernhard Conzen. Er kündigte an, dass der Verband in Kürze dazu ein deutliches Zeichen setzen werde. „Geht es so planlos und praxisfern weiter wie bisher, wird man nur ein Ziel erreichen: Dass die regionale Landwirtschaft verschwindet und Nahrungsmittel in Zukunft aus dem Ausland kommen. Das trifft am Ende nicht nur die Bauern, sondern schadet der gesamten Gesellschaft.“

Er werde sich konsequent gegen eine Ausdehnung des Ordnungsrechtes und für das mit der Politik in Nordrhein-Westfalen über viele Jahre erfolgreich entwickelte Prinzip der Kooperation einsetzen. Die Bauern im Rheinland seien bereit, den längst begonnenen Veränderungsprozess im Sinne von Klima-, Umwelt- und Naturschutz weiter voran zu bringen. Voraussetzung dafür seien allerdings Respekt und Anerkennung für das, was die Landwirte Tag für Tag für die Gesellschaft leisteten.

Die Redaktion empfiehlt

Im Bundestag bricht ein offener Streit über das Agrarpaket der Bundesregierung aus. In der Debatte zur Landwirtschaft wirken alle Redner als wären sie in der Opposition.

Das Umweltministerium hat sich mit Einschränkungen für den Pflanzenschutz im Agrarpaket durchgesetzt. Der Kompromiss zu Tierwohllabel und Umschichtung war vorher durchgesickert.

DBV: "Umweltministerin nicht zum Dialog mit den Bauern bereit"

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht

Das könnte Sie auch interessieren

Agrarpaket: Ein Paket, kein Geschenk

vor von Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben ,

Grüne Kreuze ziehen Kreise

vor von Christina Lenfers

Niedersachsen scheitert im Bundesrat mit verpflichtendem Tierwohllabel

vor von Stefanie Awater-Esper , Agra Europe (AgE)

Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Matthias Zahn

Den Ausstieg leicht gemacht.....

Richtig Herr Schaller! Das trifft den Nagel auf den Kopf! Die Politik macht den Bauern den Ausstieg leichter. Da helfen uns auch die ganzen tollen Sonntagsreden nicht weiter. Einen Aspekt möchte ich zu Ihrem Statement noch ergänzen. Ich habe mal zusammengerechnet mit wievielen Unternehmen und Landwirten aus der Region ich so zusammenarbeite. Ich komme auf 40 !!!! Betriebe. Und alle in der Region! Vom Zimmerer, über Lagerhaus und Landhändler, Spengler, diverse Futerrmittel- und Saatgutlieferanten etc. Mit jedem Betrieb der geht, geht auch ein großes Stück regionaler Wertschöpfung verloren. Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze! Aber anscheinend ist es unserer schnelllebigen uns oberflächlichen Gesellschaft zu anstrengend darüber nachzudenken. Ebenso wie Politikern und Handelsvertretern. Der eigenen Amtszeit und dem eigenen Profit wird alles untergeordnet. Wir Bauern sind Unternehmer, keine Frage. Und auch andere Branchen müssen mit veränderten Wettbewerbsverhältnissen zurecht kommen. Aber was in der Landwirtschaft derzeit abgeht ist einfach ohne Worte! Produktionseinschränkungen durch ausufernde Auflagen, Preise die dauerhaft die Kosten nicht decken, schikanen durch Baubehörden und Amtsveterinäre (weil diese selbst Gefahr laufen unter die Räder zu kommen) und vieles mehr machen den Schritt zum aufhören immer kleiner........

von Hans-Peter Mahler

Superargument Herr Hermann-Josef Schaller

Einfach guter Beitrag ! oder anders gesagt Deutschland schaft sich ab!

von Kirsten Wosnitza

Bauern baden die Suppe aus

Der Bauernverband hat Jahrzehnte lang die Politik der Wettbewerbsfähigkeit und Kostenminimierung und Ausdehnung des globalen Freihandels vorangetrieben und die Bauern damit in ihrer Wirtschaftlichkeit stark unter Druck gesetzt. Für Rücksicht auf Naturschutz und Biodiversität und Tierwohl war in dieser Strategie des immer mehr und immer billiger kaum Raum. Die Auswirkungen werden nun sichtbar und es sind wiederum die Bauern die die Folgen dieser Strategie auszubaden haben indem sie nun zu ohnehin schon zu niedrigen Preisen steigende Auflagen bedienen müssen. Dass nun der Bauernverband entrüstet tut, Das ist schon sehr erstaunlich. Hat er doch seit Jahren in der Politik alles genau in diese Niedrigpreis Richtung zu gunsten der verarbeitenden Industrie beeinflusst.

von Hans-Peter Mahler

Superargument Herr Hermann-Josef Schaller

Einfach guter Beitrag ! oder anders gesagt Deutschland schaft sich ab!

von Hermann-Josef Schaller

Seht es doch mal positiv...

Wenn man lange genug die Bauern quält mit unsinnigen Vorschriften ,Kontrollen , übler Nachrede , medialem an den Pranger stellen, trotz guter fachlicher Ausbildung für dumm verkaufen , ihnen zu sagen wie sie zu wirtschaften haben obwohl selbst von der Materie keine Ahnung zu haben ,dann tut es den Bauern mental doch gar nicht mehr so weh wenn sie die "Schnautze voll" haben und die "Brocken hin schmeißen" und die Jüngeren erst gar nicht mehr in die Landwirtschaft einsteigen bei diesen miserabelen Verdienstmöglichkeiten. Dann soll man sich aber auch bitte nicht wundern wenn es immer mehr Insektenschwund gibt, immer weniger offene Landschaften , und immer weniger junge Menschen gibt, denen technisches Verständnis in den Jugendjahren so nebenbei vermittelt wird wenn sie beim Nachbarhof "mithelfen" dürfen und später auch tun. Dies ist ein Potential das der Industrie auch verloren geht und bisher noch niemand erwähnt hat. Man hört nur immer öfter das keine geeignete Lehrlinge zu finden sind ( meistens weil sie zu faul sind (haben das arbeiten und durchhalten nicht gelernt oder weil sie zu blöde sind weil sie außer Computerspielen "nichts mehr auf dem Kasten" haben. Man solle doch mal bedenken: jeder Familienbetrieb ist eine Ökonische wenn Vieh gehalten wird,dann gibt es dort auch Fliegen und Vögel die diese fressen , und so mancher Jugendliche bekam dort "Starthilfe" fürs leben und es ist immer noch ein Bonuspunkt wenn man beim Bewerbungsgespräch sagen kann :man habe schon in Jugendjahren beim Bauer mitgeholfen. Die Personaler in den Firmen kennen ihr Klientel und ihren Wert,die Politiker leider nicht !

von Wilhelm Grimm

Bisher hatten wir auch Teilenteignungen durch Auflagen und Verbote.

Jetzt sollen Massenenteignungen folgen. Nun muss sich der Rheinische Landwirtschaftsverband an die Spitze des Widerstandes gegen diese verrückte Politik stellen. Mit unserer weich gespülten Verbandspolitik, auch mit der "Offensiven Nachhaltigkeit", sind wir in der Gosse gelandet.

von Willy Toft

Die Bauern in der ganzen Republik sind mehr als empört über den Aktionismus!

Mit uns können die Politiker mehr erreichen, und wenn es Machbar ist sowieso, als gegen uns! Was hier gerade abläuft in der Republik, ist an Selbstherrlichkeit der Politischen Kaste nicht mehr zu überbieten! Dabei kommen die Grünen erst noch, wenn man den Trend verfolgt, die Bäuerliche Landwirtschaft wird es so in Zukunft nicht mehr geben. Sie wird es nicht überleben!!

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen