Streit ums Wasser

Spanien: Steigende Umweltprobleme durch Beerenproduktion

In Spanien boomt der Anbau von Beerenfrüchten. Das führt zu immer mehr Problemen bei der Wasserversorgung.

Deutsche Lebensmittelketten kaufen ihre Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren fast ausschließlich aus der spanischen Provinz Huelva in Andalusien. Das hat dazu geführt, dass die Beerenproduktion dort in den letzten Jahren massiv ausgebaut wurde. Und das führt zu immer größeren Problemen: Illegale Brunnen und verbotene Bewässerung sowie die nicht faire Bezahlung von Landarbeitern sind ein großes Thema.

Zwar wird immer wieder beteuert, dass sich alles ändern werde, „aber es ändert sich nichts“, sagt die Spanierin Pepa Suárez. Sie kämpft seit Jahren in dem Strandort Mazagón in der Provinz Huelva für bessere Konditionen von Erdbeer-Pflückern: „Hier leben rund 3.500 Nordafrikaner in Hütten, weil sie keinen Zugang zu billigen Kurzzeit-Mietwohnungen haben, während sie hier arbeiten“, erklärt die Andalusierin, die im Namen der Organisation Asociación Multicultural de Mazagón den Menschen mit Lebensmitteln und ärztlicher Versorgung hilft.

In Huelva werden gerade neue Erdbeerpflanzen gesetzt und Kunststofffolien aufgezogen, die die Pflanzen im Winter schützen sollen. Während hier vor allem Männer am Werk sind, werden bei der Erdbeerernte im Februar/März hauptsächlich Marokkanerinnen eingesetzt. Der Lohn liegt meist unter dem spanischen Tarif-Durchschnitt und Überstunden sind meist nicht enthalten.

Landwirtschaft bedroht Naturpark Doñana

Ein weiteres Problem der intensiven spanischen Beerenproduktion ist mittlerweile der stark gestiegene Wasserverbrauch. In Huelva liegt der Naturpark „Coto de Doñana“, dieser ist einer der bedeutendsten Feuchtgebiete in Europa und sehr wichtig für Zugvögel. Der angehende Forstingenieur Alvaro Bernat Müller, der selbst in Huelva studiert und arbeitet, fordert einen Nitrat- oder Emissionsabdruck auf den Produkten.

Gemüseanbau in der Provinz Huelva

Gemüseanbau in der Provinz Huelva (Bildquelle: Claudia Müller)

Angesichts der zunehmenden Probleme geraten mittlerweile auch die deutschen Discounter unter Druck. Aldi, Lidl und Co. sind die Hauptabnehmer von Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren aus Huelva. „Wir fordern von unseren Lieferanten wie auch von deren Produzenten die Einhaltung der Corporate Responsibility Policy von Aldi Nord“, heißt es dazu aus der deutschen Zentrale. Die Aldi Producer Assessments (APA), die Leitlinien bei den Sozial- und Umweltstandards vorgeben, legen dabei ein besonderes Augenmerk auf die Produktionsbedingungen in den entsprechenden Ländern.

Für die Einhaltung der Vorgaben haben die deutschen Lebensmittelkonzerne unabhängige, externe Dienstleister beauftragt. Sie sollen neben der Kontrolle der Sozialstandards bei der Produktion auch Umweltkriterien, wie den schonenden Umgang mit Wasser, überprüfen. „Uns ist wichtig zu betonen, dass wir in der Region Huelva seit vielen Jahren erfolgreich und vertrauensvoll daran arbeiten, die sozialen und ökologischen Bedingungen im Obst- und Gemüseanbau zu verbessern“, heißt es dazu bei Aldi Nord. Der Discounter wird laut eigenen Aussagen bis Mitte 2022 Standards mit dem Schwerpunkt auf Wassermanagement verbindlich für die 15 umsatzstärksten Obst- und Gemüse-Artikel aus wasserkritischen Herkunftsregionen einführen, wozu auch Huelva gehört.


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