Agroforstwirtschaft

Thüringen will Hemmnisse für Agroforstsysteme über den Bundesrat abbauen

Thüringen will bundesweit die Anlage von Agroforstsystemen erleichtern. Im Bundesrat fordert das Land, diese als umkehrbaren Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche anzuerkennen.

Die thüringische Landesregierung drängt bundesweit auf Erleichterungen für die Anlage von Agroforstsystemen. In einem Antrag im Bundesrat fordert das Land, bestehende Hemmnisse für Landwirtinnen und Landwirte beim Anlegen von Gehölzflächen auf Ackerland abzubauen. Gehölzstreifen von Agroforstsystemen sollen danach, anders als bisher, als jederzeit umkehrbarer Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche anerkannt werden. Zudem soll laut dem Antrag eine entsprechende, rechtssichere Definition von Agroforstsystemen geschaffen werden.

Investitionsförderung für die Neuanlage

Um den Einstieg für interessierte Betriebe zu erleichtern, setzt sich Thüringen außerdem für eine Investitionsförderung bei der Neuanlage von Agroforstsystemen im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) ein. Thüringen will damit mehr Anreize für das Anlegen von Hecken, Bäumen und Gebüschen in der Landwirtschaft schaffen. „Für die Landwirtinnen und Landwirte hätte das gleich mehrere Vorteile: Mehr Strukturreichtum beugt Erosionen vor, beschattet den Boden und hält ihn länger feucht. Gleichzeitig stärkt er die Artenvielfalt. Denn auf vielen großen Agrarflächen fehlt es Tieren an Rückzugsflächen und Lebensräumen“, begründete die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund den Antrag.

Den Antrag hat Thüringen am vergangenen Freitag in den Bundesrat eingebracht. Die Länderkammer hat diesen daraufhin in die zuständigen Ausschüsse überwiesen.

AbL: Andere Länder sollten sich anschließen

"Wir unterstützten diese richtungsweisende Initiative aus Thüringen mit voller Kraft und rufen alle anderen Bundesländer dazu auf, den Antrag zu unterstützen“, sagte Daniel Fischer, Agroforstbeauftragter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland. In der landwirtschaftlichen Praxis bestehen laut Fischer weiterhin erhebliche Rechtsunsicherheiten und Hemmnisse. "Was nun dringend benötigt wird ist eine klare und rechtsverbindlichen Definition, die vorsieht, dass ein Agroforstsystem eine produktive landwirtschaftliche Fläche darstellt, auf der sich außer der Hauptfrucht veränder- und rückwandelbare Teilflächen mit Agroforstgehölzen befinden“, sagt Fischer. Diese Kombination sollte grundsätzlich einem agroforstwirtschaftlich geprägten Systemcharakter entsprechen und als vollwertige landwirtschaftliche Landnutzungsform bundesweit anerkannt werden.

Die Definition sei hierbei so weit zu fassen, dass größtmögliche Handlungsspielräume für eine große Vielfalt an unterschiedlichen Agroforstsystemen in der Landwirtschaft geschaffen werden. Unnötige Beschränkungen bezüglich der Anzahl an Gehölze oder des zulässigen Artenspektrums gelte es hierbei unbedingt zu vermeiden, da dies die Landwirte in der Umsetzung nur behindern würde.

Daniel Fischer vor Agroforst auf Acker

Daniel Fischer auf einer Agroforstfläche (Bildquelle: AbL Mitteldeutschland/ Fischer )

Agroforst ab 2023 Teil der Öko-Regelungen der GAP

Ab 2023 sind agroforstwirtschaftliche Methoden auf Ackerland Teil der Förderung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP). Die Bundesregierung hat in ihren im April verabschiedeten Gesetzentwurf zur Umsetzung der Agrarreform in Deutschland „die Beibehaltung einer agroforstlichen Bewirtschaftungsweise auf Ackerland“ in den Katalog der Öko-Regelungen (Eco-Schemes) aufgenommen, für die 25% der Direktzahlungen reserviert werden. Zudem bereiten einige Länder Förderprogramme für Agroforstwirtschaft in der 2. Säule vor. Dazu gehören Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz.

Vorteile für Klima, Biodiversität und Einkommensstreuung

Agroforstwirtschaft bezeichnet ein landwirtschaftliches Produktionssystem, das den Anbau von einjährigen Ackerkulturen mit der Nutzung von mehrjährigen Gehölzen kombiniert. Die Gehölzstreifen können für einen verbesserten Schutz vor Wind, Wasser und Sonne sorgen und damit Bodenerosionen vorbeugen. Sie schützen die Ackerpflanzen gleichsam vor Überschwemmungen bei Extremwetter und Austrocknung im Sommer. Zudem sind die Gehölzstreifen ein Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten und fördern die Biodiversität. Die Einkommen aus Obst- und Holzproduktion sowie die bioenergetische Nutzung können das wirtschaftliche Risiko von Landwirten breiter streuen.


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