Ukraine-Krieg

IAMO erwartet keine drastischen Änderungen der Weltagrarhandelsmengen

Durch den Ukrainekrieg werden Agrarhandelsströme möglicherweise anders, „suboptimal“ zu höheren Kosten, verlaufen. Dies lässt laut Wissenschaftlern nicht unbedingt Preissenkungen 2023 erwarten.

Zumindest bezüglich der weltweiten Agrarhandelsmengen gibt sich das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) mit Blick auch auf das kommende Wirtschaftsjahr weniger pessimistisch als andere Fachleute.

Im „IAMO Policy Brief 44“ stellen mehrere Wissenschaftler unter Federführung von Direktor Prof. Thomas Glauben fest, dass nach aktuellem Stand die Weizenmärkte in der laufenden Saison bedient werden dürften. Zusätzliche Exporte - unter anderem aus Indien, den USA und Australien - glichen die geringeren Liefermengen aus Russland und vor allem der Ukraine weitgehend aus.

Die Entwicklungen für 2022/23 und darüber hinaus seien freilich schwer vorauszusehen. Mit gebotener Vorsicht sei jedoch zu erwarten, dass „sich auch im nächsten Wirtschaftsjahr das Welthandelsvolumen für wichtige Agrarrohstoffe nicht drastisch verändern wird“, prognostizieren die Forscher.

Seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine hätten sich Agrarrohstoffe wie Getreide und Pflanzenöle nochmals verteuert, schriebt das IAMO. Dies berge Risiken für die Ernährungssicherheit importbedürftiger Länder mit niedrigen Pro-Kopf-Einkommen, vor allem im Mittleren Osten und Nordafrika sowie in Afrika südlich der Sahara, deren Hauptlieferanten Russland und die Ukraine seien. Die hohen Preisen belasteten die dort bereits kritischen Ernährungssituationen.

Internationale Agrarhandelsströme werden möglicherweise anders, nämlich „suboptimal“ zu höheren Kosten, verlaufen, so die Wissenschaftler. Dies lasse nicht unbedingt Preissenkungen erwarten. Verbraucher, speziell in Entwicklungsländern, müssten die zusätzliche Preislast tragen. Für die europäische Landwirtschaft und ihre Bevölkerung seien mittelfristig keine einschneidenden Auswirkungen zu erwarten.

In solchen Knappheitssituationen zeige sich einmal mehr, dass sich der wettbewerblich organisierte internationale Handel als resiliente Risikostrategie zur Überwindung regionaler Produktions- und Versorgungsengpässe in verschiedenen Weltregionen ausgezeichnet habe, unterstreichen die Forscher. Dieser ermögliche es auch, zukünftig neu auftretende Engpässe ‑ seien sie witterungs-, krisen- oder politikbedingt - durch Anpassungen abzumildern. Vor Rufen nach planwirtschaftlichen Transformationen, einer Abschottung oder gar regionaler Autarkie müsse eindringlich gewarnt werden. Alles dies würde zu Lasten hungernder Menschen im globalen Süden gehen.

„Auch wenn Lieferausfälle aus der Schwarzmeerregion durch Anpassungen in anderen Regionen gedämpft werden können, sollten im Sinne der globalen Ernährungssicherheit geopolitische Bemühungen dafür Sorge tragen, dass die Ukraine und Russland auch künftig integraler Teil des agrarischen Welthandelssystems bleiben“, betont IAMO-Direktor Glauber. Ihre hohen Produktions- und Exportmöglichkeiten stärkten zweifellos das „Sicherheitsnetz“ des internationalen Agrarhandels und trügen damit maßgeblich zur Bekämpfung von Hungerrisiken im globalen Süden bei.


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