Rabobank erwartet uneinheitliche Preisentwicklung für Getreide und Sojabohnen

Die Preise an den internationalen Märkten für Getreide und Sojabohnen dürften sich im kommenden Jahr in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Das prognostiziert die Rabobank in ihrem aktuellen Marktbericht.

Die Preise an den internationalen Märkten für Getreide und Sojabohnen dürften sich im kommenden Jahr in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Das prognostiziert die Rabobank in ihrem aktuellen Marktbericht. Im Einzelnen rechnet das Finanzinstitut für das Kalenderjahr 2016 bezogen auf die Terminnotierungen in Chicago mit einem mittleren Weizenpreis von 5,11 $/bu (173 Euro/t); das würde gegenüber dem geschätzten Wert für 2015 ein Plus von 0,3 % bedeuten. Mit Blick auf den Mais erwarten die Analysten einen Durchschnittspreis für 2016 von 3,94 $/bu (143 Euro/t), der demnach um 4,5 % über dem diesjährigen Wert liegen würde. Zu einem gewissen Ausreißer bei den Maispreisen nach oben wird es der Rabobank zufolge allerdings im zweiten Quartal 2016 kommen.

Für Sojabohnen prognostizieren die niederländischen Experten für das Gesamtjahr 2016 ein mittleres Preisniveau von 8,96 $/bu (303 Euro/t), womit der für 2015 hochgerechnete Wert um 5,2 % unterschritten würde. Wie die Bank mit Blick auf den Weizenmarkt ausführte, ist hier in der Vermarktungssaison 2015/16 mit kaum schwankenden Preisen zu rechnen, und zwar wegen der komfortablen Versorgungslage und der umfangreichen Bestände. Darüber hinaus leiden die US-Weizenexporte den Fachleuten zufolge bereits seit 2014/15 unter der Dollarstärke, woran sich nach ihrer Einschätzung auf Jahressicht nichts ändern dürfte. Für Unterstützung könnten allerdings wetterbedingte Produktionseinbußen sorgen. China dürfte dabei aber keine Impulse setzen: Die Experten erwarten, dass die Weizeneinfuhren der Volksrepublik 2015/16 unter 2 Mio t bleiben werden, weil die Ernte im „Reich der Mitte“ im Vergleich zu 2014 erneut höher ausgefallen ist. 

Rückgang der EU-Weizenausfuhren prognostiziert

Auch für den Nahen Osten rechnen die niederländischen Analysten wegen des dort im Vergleich zu 2014/15 höheren Weizenaufkommens mit einem Einfuhrrückgang. Insgesamt sehen sie die globalen Weizenimporte 2015/16 nun bei 165 Mio t; das wären 2 Mio t bis 3 Mio t weniger als in der vergangenen Vermarktungssaison. Allerdings gehen die Fachleute davon aus, dass Russland, die Ukraine und Kasachstan ihre Exporte gleichzeitig um insgesamt 5 Mio t steigern. In der Folge dürften laut Rabobank die Ausfuhrmengen „traditioneller“ Exporteure um bis zu 9 Mio t sinken, wovon wahrscheinlich vor allem Kanada und die Europäische Union betroffen sein werden. Dabei rechnen die Experten mit einer Aufstockung der Weizenbestände in der Union, obwohl nach der relativ schlechten EU-Maisernte mehr Weizen in den Futtertrog fließen dürfte. Derweil werden die australischen Weizenausfuhren bei unverändert 17 Mio t gesehen, wobei die dortige Ernte auf 23 Mio t bis 24 Mio t veranschlagt wird. 

Erhöhtes Auswinterungsrisiko in den USA und Russland

Entscheidend für die weitere Preisentwicklung werden der Rabobank zufolge die Ernten im Wirtschaftsjahr 2016/17 sein. Die Fachleute sehen das US-Weizenareal für die kommende Saison auf dem Vorjahresniveau von 22,1 Mio ha. Nach zwei schlechten Ertragsjahren würde dort schon ein Durchschnittsertrag die Produktion höher ausfallen lassen und in Kombination mit nur schleppenden Exporten zu einer Aufstockung der Bestände führen, stellen die Analysten fest. Allerdings rechnen sie sowohl für die USA als auch die Ukraine und Russland mit einem erhöhten Auswinterungsrisiko. Das russische Weizenaufkommen soll 2016 mit 56 Mio t im Vergleich zum laufenden Jahr um 3 Mio t kleiner ausfallen. Um dieselbe Menge werden dann laut Rabobank wahrscheinlich auch die Ausfuhren an russischem Weizen zurückgehen. Indes erwarten die Fachleute für die Ukraine eine Ausfuhrabnahme von 2 Mio t. Damit werden sich 2016/17 nach ihrer Ansicht bessere Exportchancen für EU-Weizen und andere Herkünfte ergeben. 

Weizenpreis soll zunächst steigen

Der Rabobank-Prognose zufolge wird sich der Weizenpreis an der Chicagoer Terminbörse in der ersten Hälfte 2016 in einer Spanne zwischen 4,80 $/bu (163 Euro/t) und 5,50 $/bu (186 Euro/t) bewegen. Dabei liegen die erwarteten Mittelwerte im ersten Quartal bei 5,10 $/bu (173 Euro/t) und im zweiten Quartal bei 5,25 $/bu (178 Euro/t). Für Juli bis September 2016 rechnen die Experten mit einem Rückgang auf den Durchschnittskurs des ersten Quartals. In den drei letzten Monaten des kommenden Jahres soll der Kurs weiter sinken, und zwar im Mittel auf 5,00 $/bu (169 Euro/t). Am Dienstag vergangener Woche (8.12.) gegen 7.45 Uhr Ortszeit wies die Warenterminbörse in Chicago für den Weizenfuture mit Fälligkeit im Dezember 2016 allerdings noch einen Kurs von 5,17 $/bu (175 Euro/t) aus. Die Spanne des Weizenpreises an der Terminbörse Matif in Paris sehen die Experten für 2016 bei 170 Euro/t bis 195 Euro/t, wobei für die zweite Jahreshälfte ein Durchschnittskurs von 180 Euro/t prognostiziert wird; das wären 7,75 Euro/t oder gut 4 % weniger als der Wert, den die Matif am Dienstag vergangener Woche gegen 14.50 Uhr für den Kontraktterm in Dezember 2016 auswies. AgE

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