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Schweinefleischexport der EU gerät ins Stocken

Die zunehmende Kaufzurückhaltung Chinas hat erstmals seit langem wieder zu rückläufigen Schweinefleischexporten der EU geführt. Nach Angaben der Kommission wurden von Januar bis April 2017 knapp 1,29 Mio t Schweinefleisch aus den Mitgliedstaaten ausgeführt; das waren 2,8 % weniger als im Vorjahreszeitraum.

Lesezeit: 6 Minuten

Die zunehmende Kaufzurückhaltung Chinas hat erstmals seit langem wieder zu rückläufigen Schweinefleischexporten der EU geführt. Nach Angaben der Kommission wurden von Januar bis April 2017 knapp 1,29 Mio t Schweinefleisch einschließlich Nebenerzeugnissen aus den Mitgliedstaaten ausgeführt; das waren rund 37 400 t oder 2,8 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Verantwortlich dafür war der starke Rückgang der Lieferungen nach China, die mit 488 500 t Schlachtgewicht (SG) um fast 100 000 t oder 17 % kleiner als in den ersten vier Monaten von 2016 ausfielen.


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Die Ausfuhren dorthin lagen im ersten Quartal 2017 noch auf dem Vorjahresniveau, im April war jedoch ein Einbruch der Handelsmengen um die Hälfte gegenüber dem Vorjahresmonat festzustellen. Die Kunden in der Volksrepublik orderten im ersten Jahresdrittel - mit Ausnahme von Koteletts - nicht nur weniger gefrorene Teilstücke, sondern auch eine geringere Tonnage an genießbaren Schlachtnebenerzeugnissen. Der Ausfuhranteil Chinas sank von 44,4 % im vergangenen Jahr auf jetzt 37,9 %; die Exporterlöse gingen im Betrachtungszeitraum um gut 10 % auf 751 Mio Euro zurück.


Erfolgreicher agierten die EU-Exporteure indes beim Drittlandsabsatz in andere Länder. So konnte die Liefermenge an den zweitwichtigsten Kunden Japan im Vergleich zu den ersten vier Monaten von 2016 um 9,3 % auf gut 138 000 t gesteigert werden. Die Verkäufe nach Hongkong legten um 1,1 % auf 121 400 t und diejenigen nach Südkorea sogar um ein Drittel auf 96 900 t zu. Die deutliche Belebung des Südkorea-Geschäftes war vor allem auf die dort spürbar gestiegene Nachfrage nach Bäuchen, knochenloser Ware und Nebenerzeugnissen aus der EU zurückzuführen. Die Exporterlöse aus dem Verkauf von Schweinefleisch aus der EU beliefen sich in den ersten vier Monaten 2017 auf 2,64 Mrd Euro; das waren gut 327 Mio Euro oder 14 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Aufgrund der höheren Verkaufspreise waren auf der Einnahmeseite, trotz der geringeren Liefermenge, bisher keine Einbußen zu verzeichnen.


Deutschland verliert Spitzenposition


Unter dem lahmenden Chinaabsatz litten die deutschen Anbieter scheinbar besonders; mit Tönnies war zudem der größte Exporteur in Teilen des Betrachtungszeitraums für die Ausfuhr in die Volksrepublik gesperrt. Die deutschen Schweinefleischexporte in Drittländer gingen insgesamt gegenüber Januar bis April 2016 um 56 620 t oder 17,2 % auf 273 380 t zurück. Zwar konnte etwas mehr Frischware und auch gefrorenen Schinken in Staaten außerhalb der EU verkauft werden, doch glich das die deutlichen Verluste beim Export anderer tiefgekühlter Teilstücke, Speck und Schlachtnebenerzeugnisse nicht aus.


Ganz anders sah das im Fall Spaniens aus, das ein Absatzplus von 11,3 % auf 277 870 t verzeichnete. Die Ausfuhr von frischer und gefrorener Ware nahm im Vorjahresvergleich um gut 17 % auf fast 185 000 t zu; bei den Nebenerzeugnissen konnte das Volumen gehalten werden. Die Iberer überholten damit erstmals Deutschland als führende EU-Exportnation von Schweinefleisch und führten rund 4 500 t mehr aus. Einbußen hinnehmen mussten auch die dänischen Anbieter; für sie wird ein Ausfuhrrückgang von 11,4 % auf 192 800 t gemeldet, während für die Niederländer ein Exportzuwachs von 10,9 % auf 146 440 t ausgewiesen wurde. Noch besser lief es für Polen, das trotz Problemen mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) seine Schweinefleischverkäufe in Drittländer gegenüber der Vorjahresperiode um gut ein Fünftel auf 79 200 t steigerte und sich damit anschickte, Frankreich mit zuletzt 83 100 t von Platz fünf im EU-Exportranking zu verdrängen.


EU-Rindfleisch weltweit gefragt


Flott lief im bisherigen Jahresverlauf 2017 die Ausfuhr von Rindfleisch und lebenden Rindern aus der EU. Nach Kommissionsdaten wurden von Januar bis April, ausgedrückt in Schlachtgewicht, insgesamt 238 840 t exportiert; das waren rund 35 200 t oder 17,3 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Einen wesentlichen Anteil daran hatten die um 58,2 % auf 26 680 t gestiegenen Lieferungen nach Hongkong, die vor allem aus gefrorenen Teilstücken und genießbaren Schlachtnebenerzeugnissen bestanden. Mehr Rindfleisch wurde auch in die afrikanischen Staaten Elfenbeinküste, Ghana und Angola verschifft; zudem verdoppelten sich die Verkäufe an die Philippinen auf 11 380 t.


Die Lebendausfuhr von Rindern, die in den vergangenen zwei Jahren einen regelrechten Boom erlebte, konnte dagegen im Vergleich zu den ersten vier Monaten 2016 nur noch moderat zulegen, und zwar um 1,4 % auf 64 700 t (SG). Die Zahl an ausgeführten Rindern nahm dabei um fast 9 000 Stück auf rund 288 600 Tiere ab. Mitverantwortlich dafür waren die geringeren Verkäufe in die Türkei, die nach schwachem Jahresauftakt um gut ein Fünftel unter dem Niveau des ersten Jahresdrittels 2016 blieben. Allerdings belebte sich der Handel zuletzt spürbar: Im April wurden fast so viele Rinder wie in den ersten drei Monaten zusammen in die Türkei ausgeführt. An die beiden anderen großen Abnehmer von EU-Lebendrindern, den Libanon und Israel, wurden - auf Basis des Schlachtgewichtes - jeweils gut 6 % mehr Tiere verkauft.


Fleischskandal schadet Brasiliens Exporten


Die Einfuhr von Rindfleisch in die EU-Mitgliedstaaten hat in den ersten vier Monaten 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,4 % auf 102 430 t abgenommen. Maßgeblich dafür war der Einbruch der Importe aus Brasilien um 28,9 % auf nur noch 35 320 t. Hierbei dürfte der Fleischskandal in dem südamerikanischen Land eine wesentliche Rolle gespielt haben, denn mehrere Exportunternehmen waren danach für die Lieferung in die EU gesperrt. Die Kunden in der Gemeinschaft wandten sich daraufhin anderen Lieferanten zu. So nahm der Bezug von Rindfleisch aus Argentinien um die Hälfte auf 20 880 t zu, derjenige aus Uruguay um 26,8 % auf 20 470 t. Zudem wurde in den USA mit 8 860 t gut 43 % mehr Ware bestellt. Dagegen gelangte in den ersten vier Monaten 2017 im Vorjahresvergleich gut ein Viertel weniger Rindfleisch aus Australien auf den EU-Binnenmarkt, was an der geringeren Verfügbarkeit „Down Under“ und der konkurrierenden Nachfrage in Asien lag. Die Importausgaben der EU-Länder für Rindfleisch nahmen gegenüber dem ersten Jahresdrittel 2016 um 5,3 % auf 620,3 Mio Euro ab; die Exporterlöse stiegen dagegen um 12 % auf 726,4 Mio Euro.


Geflügelfleischhandel schwächt sich ab


Der Außenhandel der EU mit Geflügelfleisch hat sich von Januar bis April 2017 gegenüber der Vorjahresperiode sowohl auf der Einfuhr-, wie auch auf der Ausfuhrseite, abgeschwächt. Laut Kommissionsangaben waren die Exporte um 2,8 % auf 490 200 t rückläufig. Ein Faktor war dabei der Einbruch der Lieferungen nach Südafrika um gut 58 % auf nur noch 34 600 t, wofür Einfuhrbeschränkungen wegen der Geflügelpest und Zollpräferenzen für den Wettbewerber USA verantwortlich waren. Auch andere Großkunden wie Saudi-Arabien und Benin kauften weniger Geflügelfleisch in der Gemeinschaft. Dafür nahmen die Exporte in die Ukraine, begünstigt durch das Freihandelsabkommen, Fahrt auf und legten gegenüber dem ersten Jahresdrittel 2016 um 47 % auf 44 280 t zu. Mehr Ware wurde im Drittlandshandel mit 53 900 t nur nach Hongkong verkauft; das war ein Drittel mehr als in der Vorjahresperiode. Die Einfuhren von Geflügelfleisch in die Gemeinschaft fielen mit 283 680 t um 5,3 % geringer aus als in den ersten vier Monaten von 2016. Ähnlich wie bei Rindfleisch bestellten die EU-Kunden weniger Geflügelfleisch in Brasilien; die betreffende Einfuhr ging um 6,4 % auf 157 520 t zurück. Die Importe aus Thailand verringerten sich im Vorjahresvergleich relativ noch stärker, und zwar um 11,5 % auf 88 140 t. Dafür nahm der Bezug aus der Ukraine um mehr als die Hälfte auf fast 17 000 t zu. AgE 

 

 

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