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Welchen Preis können Sie für Silomais ansetzen?

Die Ernte von Silomais ist angelaufen. Käufer und Verkäufer loten ihre Möglichkeiten aus. Wir zeigen, wie beide Seiten preislich zueinanderfinden können.

Lesezeit: 5 Minuten

Im Schatten der Achterbahnfahrt an den Agrarmärkten hat Silomais in den begünstigten Regionen die Erntereife erreicht. Gleichzeitig haben die Trockenschäden in vielen Beständen erneut dramatische Formen angenommen.

In Abhängigkeit von der Bodengüte und den Niederschlägen der vergangenen Monate sind große Unterschie- de selbst auf kleinstem Raum gegeben. Regional muss mit der dritten Missernte innerhalb von fünf Jahren gerechnet werden. Die Vorräte aus dem guten Vorjahr sind dann schneller aufgebraucht als gehofft.

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Produktionskosten gestiegen

Nicht nur die Witterung, sondern auch die Produktionskosten bereiten Landwirten Sorgen. So sind die Preise für Phosphor und Kali um das Doppelte und die für Stickstoff sogar um das Dreifache gestiegen. Obwohl diese Nährstoffkosten bei betriebseigenem Wirtschaftsdünger oder Gärsubstrat nicht tatsächlich anfallen, haben aber allein die Arbeitserledigungskosten inklusive Treibstoffe zu einer tatsächlichen Mehrbelastung von 120 €/ha geführt.

Insgesamt sind die Anbaukosten gegenüber dem Vorjahr je nach Ertragserwartung um 212 bis 251 € je ha gestiegen. Grund genug, bei der Preisfindung für Silomais genau zu kalkulieren.

Worauf achten beim Preis?

  • Der Verkäufer möchte mindestens die Anbaukosten decken, darüber hinaus interessiert ihn die beste Verwertung: Kann er den Mais als Silomais verkaufen oder alternativ besser als Körnermais ernten?
  • Der Käufer möchte wissen, ob sich der Zukauf von Mais überhaupt rechnet – und wenn ja, wie viel er maximal bezahlen darf. Der Preiskorridor für Silomais wird von dessen Erzeugungs- und Substitutionswert eingegrenzt.

Werte dienen Orientierung

Die folgenden Berechnungen dienen der Orientierung, sie stellen weder eine Marktanalyse noch eine Preisvorgabe dar. Auf jedem Einzelbetrieb sieht die Kalkulation anders aus. Große Unterschiede bestehen zum Beispiel bei den Düngungskosten, den Kosten für Arbeitserledigung und den Flächenkosten.

Es wird auch kein Bezug auf die absolute Verwertung genommen, also auf die Frage, ob bei derzeitigen Milch- oder Rindfleischpreisen die Zahlung entsprechender Preise sinnvoll ist.

Der Weizenpreis als Substitutionswert setzt hier die Eckpunkte. Wann die Grenze eines positiven oder negativen Deckungsbeitrages erreicht wird, muss einzelbetrieblich ermittelt werden.

Wichtiger Hinweis: Im Folgenden werden für die bessere Vergleichbarkeit alle Werte netto dargestellt. Um den Bruttopreis zu erhalten, müssen Pauschalierer 9,5 % und Regelbesteuerer 7 % Mehrwertsteuer beim Verkauf hinzurechnen.

Mindestens Kostendeckung

Aus Sicht des Verkäufers sollte der für Silomais zu erzielende Preis alle beim Anbau angefallenen Kosten abdecken. Die Ergebnisse für fünf Ertragsstufen sind in Übersicht 1 dargestellt. Hierbei wurden die Düngungskosten auf Basis der mineralischen Ergänzung angesetzt.

Somit errechnen sich je nach Standort (500 bzw. 800 €/ha Pachtansatz) notwendige Mindesterlöse für den Silomaisverkauf ab Feld von 1.323 bis 1.796 €/ha. Der Verkäufer hat außerdem die Möglichkeit, den Aufwuchs als Körnermais zu ernten und zu verkaufen.

Abhängig von der Ertragsstufe müssten bei gleichen Kostenansätzen Nettoerlöse zwischen 28,60 und 40,04 €/dt Körnermais erzielt werden, um in wirtschaftlicher Hinsicht mit dem Silomaisverkauf gleichzuziehen.

Bei den Trocknungskosten sind die gestiegenen Preise für Gas bereits berücksichtigt. Vor dem Hintergrund möglicher Versorgungsengpässe ist es jedoch moralisch fraglich, ob Gas zur Trocknung von Tierfutter eingesetzt werden sollte.

So rechnet der Käufer

Aus Sicht des Käufers stellt sich die Frage: Lohnt sich der Zukauf von Mais oder können die notwendigen Zukaufmengen besser durch andere Futtermittel ersetzt werden? So könnte statt Silomais mehr Getreide in Verbindung mit Stroh oder Trockenschnitzel – bei Versorgungsengpässen entsprechend Pressschnitzel – eingesetzt werden.

Werden 10 kg Silomais aus der Tagesration einer Milchkuh mit 25 kg Tagesleistung durch 2,05 kg zusätzlichen Weizen und 1,55 kg Stroh ersetzt, fallen für Weizen und Stroh je Kuh täglich 87,8 Cent Kosten an. Dies ent- spricht einem Vergleichspreis für Silomais frei Trog von 8,78 €/dt. Um auf die Verrechnungsgröße „ab Feld“ zurückzurechnen, müssen von diesem Wert die Kosten für Ernte, Lagerung und Verluste abgezogen werden.

Analog verfährt man in der Bullenmast. Es ergeben sich je nach Ertragsstufe Preise für Silomais ab Feld zwischen 5,17 und 6,64 €/dt, wenn es um den Vergleich mit Weizen in der Fütterung geht.

Bei der Preiskalkulation wurde an der bewährten Systematik der Vorjahre festgehalten. Dennoch werden Rinderhalter und Biogaserzeuger nicht bereit sein, sich auf dieses Preisniveau einzulassen, ohne mögliche Alternativen zu prüfen. Käufer und Verkäufer sind auf der sicheren Seite, wenn der Silomais gewogen und auf Nährstoff- sowie Trockensubstanzgehalt untersucht wird.

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Langfristig anders kalkulieren

Die im Beitrag angestellten Überlegungen beziehen sich auf Silomais, der in der Ernte zum Verkauf steht. Wer langfristig Silomais anbauen und anbieten möchte, muss anders kalkulieren. Dabei kommt es darauf an, dass mit dem Silomaisverkauf nicht nur die eigenen Erzeugungskosten, sondern auch der Überschuss der durch den Silomais in der Fruchtfolge verdrängten Kultur gedeckt wird.

Vereinfacht gesagt: Die Kulturen treten in Konkurrenz zueinander. Das hat zur Folge, dass der Silomais in einem klassischen Weizenanbaugebiet mit höheren Nutzungskosten zu kämpfen hat als ein Silomais, der in für Mais prädestinierten Niederungslagen vermarktet werden soll.

In der Übersicht ist am Beispiel des Stoppelweizens dargestellt, welchen Preis ein Landwirt für Silomais mindestens erzielen muss, um die Konkurrenzfrucht Stoppelweizen verdrängen zu können. Spätestens im nächsten Jahr, wenn im Rahmen der GAP 2023 der Anbau derselben Frucht auf dem Einzelschlag im Folgejahr nicht mehr zulässig ist, müssen Alternativen auf den Prüfstand.

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