Land schafft Verbindung – Interview

Dickow: "Die AfD fällt sehr negativ auf"

Der Bundessprecher von Land schafft Verbindung im Interview über das neue Wir-Gefühl der Bauern und die Versuche mancher Parteien, es für sich zu nutzen.

Auszüge aus einem Interview in der top agrar Südplus.

Herr Dickow, „Land schafft Verbindung“ (LsV) hat es innerhalb von wenigen Monaten geschafft, zehntausende von Landwirten zu mobilisieren. Wie war das möglich?

Sebastian Dickow: Wir haben zurzeit Themen, die alle Landwirte angehen, unabhängig von ihrer Betriebsform. Bei der Düngeverordnung ist z. B. jeder Betrieb betroffen. Und mit den Schlepperdemos haben wir eine Form der Demonstration entwickelt, die auffällt und Eindruck macht.

So ist wieder ein „Wir-Gefühl“ bei den Landwirten entstanden und wir schwimmen auf einer Euphoriewelle.

Weil wir über WhatsApp kommunizieren, haben wir eine unglaubliche Schlagkraft, und das nicht nur wegen der Mitteilungsgeschwindigkeit. Wenn wir etwas herausgeben, ist das innerhalb einer Minute kreuz und quer durch Deutschland gegangen.

Viele junge Landwirte

Bei den LsV-Demos sind auffällig viele junge Landwirte. Hat das auch mit dieser Form der Informationsweitergabe zu tun?

Dickow: Mit Sicherheit. Junge Leute nutzen gerne dies Art der Kommunikation. Es hat aber auch mit unseren Themen zu tun, weil es um unsere Zukunft geht. Ein 60-Jähriger, der keinen Hofnachfolger hat, wird sich mit der Düngeverordnung leichter abfinden als ein 30-Jähriger, der noch am Anfang seiner Tätigkeit als Landwirt steht.

Für mich wäre es eine Katastrophe, wenn es so kommt. Denn ich lebe von der Tierhaltung. Und mein Betrieb mit 70 ha Ackerbau wäre ansonsten im Vollerwerb nicht weiterzuführen.

AfD des Geländes verwiesen

Von der Mobilisierungskraft der LsV wollen auch andere Verbände und Parteien profitieren, z. B. die AfD. Wie steht LsV zu solchen Bestrebungen?

Dickow: Wir haben bisher immer politischen Randgruppierungen wie die AfD und die Linke außen vor gelassen. Und das werden wir auch in Zukunft tun. Wir wollen keine radikalen Positionen verfolgen.

Wir sind jedem dankbar, der sich für die Belange der Landwirtschaft einsetzt. Allerdings nicht, wenn man versucht, unsere Aktionen zu seinen Wahlkampfveranstaltungen umzugestalten. Hier fällt vor allem die AfD sehr negativ auf.

Auf der Demo in Nürnberg mussten wir sie des Geländes verweisen. Im Anschluss wurde uns gedroht, dass sie weiter zu unseren Veranstaltungen kommen, bis wir mit ihnen Gespräche führen. Das grenzt an Erpressung. Damit haben sie sich als Gesprächspartner endgültig disqualifiziert.

Wir werden die AfD bei unseren Aktionen auch künftig vom Gelände verweisen. Denn ihr Verhalten zeigt, dass ihnen an uns Landwirten gar nichts liegt und sie sich dort nur aus Eigennutz zeigen, um medial auf sich aufmerksam zu machen.

Auf der LsV-Demo in Nürnberg Mitte Januar waren einige Schlepper mit rechtsextremen Plakatmotiven zu sehen, was sofort durch die Presse ging.

Dickow: Dass sich die Presse auf diese Motive eingeschossen hat, ist bedauerlich. Wir möchten solche Plakate nicht auf unseren Veranstaltungen sehen und haben denjenigen, die sie mitgebracht haben, auch klar kommuniziert, dass so etwas auf unseren Veranstaltungen nichts verloren hat.

Wie der Austausch von LsV mit der Bundeskanzlerin läuft und welche Ziele sich Sebastian Dickow für 2020 setzt, lesen Sie im großen Interview in der druckfrischen top agrar Südplus. Bestellen Sie hier ein kostenloses Probeheft.

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Diskussionen zum Artikel

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von Norbert Scheppach

Überparteilichkeit und Interessenvertretung

Wenn Herr Dickow auf seinen Veranstaltungen mit Parteienvertretern konfrontiert wird, die sich nicht mit dem eigentlichen Thema beschäftigen wollen oder können und die Zielsetzung der Veranstaltung willentlich und dauerhaft ignorieren, somit also die Veranstaltung konterkarieren, dann ist es sein gutes Recht, sich darüber zu beklagen und Ross und Reiter zu nennen. Er sagt ja nicht, dass die politische Ausrichtung einer Partei "doof" ist oder ähnliches (wofür es auch gute Gründe geben kann) sondern nur, dass er mit bestimmten Leuten in Hinblick auf seine Zielsetzung nicht weiter kommt und sich deswegen deren Einmischung verbittet. Sein gutes Recht!

von Lars Henken

AfD-Bundesparteiprogramm

Wer meint, die AfD wählen zu müssen, der sollte sich mal das Grundsatzprogramm dieser Partei durchlesen. Ich habe das Programm ja schon an anderer Stelle zerpflückt und auch mit AfDlern darüber geredet. Das Amüsante daran war, dass einige AfDler offensichtlich gar nicht genau wussten was im Grundsatzprogramm steht. Das Grundsatzprogramm ist ja quasi die oberste "Partei-Bibel". Als ich mich via Internet mit einem AfD-Politiker darüber stritt, meinte dieser: "Das haben wir nur falsch aufgeschrieben und haben wir das gar nicht gemeint." Wenn die AfD aber nicht meint, was in ihrem Grundsatzprogramm steht, was meint diese Partei dann. Wenn nicht gemeint ist, was im Grundsatzprogramm steht, warum schreibt man dann kein Programm, in dem steht, was man meint? Lest euch das Programm zum Thema Landwirtschaft durch, dann werdet ihr erkennen was ich meine und welche Defizite das Programm da bietet. Wer nicht weiß, dass Tiere selbst gegen Antibiotika nicht resistent werden, sondern Krankheitserreger, der hat sich mit der Materie nicht wirklich befasst. Das Programm findet ihr hinter diesem Link: https://www.afd.de/grundsatzprogramm/

von Thomas Egolf

Hallo Herr Rudolf Rößle

"Die Wahlstimme bei einer Wahl ist geheim und muss es auch bleiben." Das läuft zur Zeit aber ganz anders in Thüringen, da wird die Demokratie von "Mutti" gerade mit Füßen getreten! Eine demokratisch Wahl wird so einfach von Ihr annulliert, demokratisch gewähltem Ministerpräsidenten wird der Rücktritt empohlen u. laut neuester Nachricht, gibt Sie einem Linken den Vorzug gegenüber einem Liberalen! Heute Morgen im ZDF - Thüringens Linkenvorsitzende will Stimmen bei einer Neuwahl von Ramelow dokumentieren lassen, um auszuschliessen es könnten auch Stimmen von der AfD dabei sein! Ja gehts noch! Oder war auch von der Rede, Ramelow tritt nur zur Wahl an, wenn sichergestellt ist, das mindestens 5 Stimmen von der CDU dabei sind. Also ich nenne das "Diktatur", was hat Merkel u. die CDU nur aus diesem Land gemacht! Ich bin mittlerweile der Überzeugung, die Gefahr kommt nicht von "Räächts". Von einem mit gesundem, gerechten und neutralem Menschenverstand

von Rudolf Rößle

LsV

Hallo Christian Bothe, LsV ist politisch neutral und sachorientiert. Wenn aber Parteien politisch aufmischen wollen oder LsV für Wahlwerbung nutzen wollen, wird die gute Sache unterlaufen oder das Team muss sich immer rechtfertigen. Mit CDU/CSU und SPD muss ja intensiv diskutiert werden, da sie die Gesetzgebung in der Hand haben. Die Wahlstimme bei einer Wahl ist geheim und muss es auch bleiben.

von Christian Bothe

LsV

Als Unterstützer von LsV in Thüringen bin ich da etwas anderer Meinung!Wieviel der Berufskollegen haben in Sachsen,Sachsen-Anhalt,Thüringen die AfD gewählt?Man sollte die Mitglieder dieser Partei und auch der Linken nicht über einen Kamm scheren, denn es gibt genug Bauern, welche Sorgen und Probleme mit den Verordnungen und Regularien des Staates und der EU haben und keine Lösung durch die etablierten Parteien erwarten! LsV sollte sich politisch neutral verhalten, denn die Bauern haben ein gemeinsames Interesse, was die Demonstrationen beweisen.

von Thomas Egolf

Und immer diese Ausgrenzung, obwohl doch Meinungsaustausch sicherlich sinnvoll wäre!

Was macht mann dann mit Kollegen, die dieser Partei durchaus positives abgewinnen können, haben die auf diesen Veranstaltungen dann auch nichts zu suchen, die könnten ja ..... Kann natürlich auch sein, es werden immer weniger, die bereit sind LsV zu unterstützen! Mann mann, informiert euch nicht immer nur über ARD und ZDF was in der Politik so läuft, von der sind wir die letzten Jahre doch nur müde belächelt worden, nichts bewegt sich zum besseren! Mein Tip, Aufklärung von anderer Seite: "Tichys Einblick"

von Rudolf Rößle

Wer

den Nationalsozialismus als Mückenschiss bezeichnet und der Verfassungsschutz die Jugendorganisationen überwachen muss??? Mein Opa musste mit der SS Bekanntschaft machen. Rechts und Links bringt Verzweiflung und auf Dauer den Tod.

von Stefan Lehr

Alternativen

Alternativen zur AFD und auch zu den etablierten Altparteien gibt es bei der Wahl genug. Man muss nur seinen Wahlzettel mal komplett lesen. Da stehen genug andere kleine Parteien drauf, denen man sein Kreuzchen schenken kann aus Protest. Wer sich mal genau mit dem Parteiprogramm der AFD auseinandersetzt und dann immer noch dafuer stimmen will, der hat aus der Geschichte absolut noch nichts gelernt. Ich finde die Vorgaben von LsV gut. Neben Parteien wie der AFD haben auch keinerlei rechtspopulistische Plakate dort etwas zu suchen. Es geht um die Landwirte und deren Existenz und um keine rechstpopulistische Profilierungssucht.

von Andreas Gerner

Wir täten uns mit der AFD keinen Gefallen.

Die Versuchung ist da, mit der AFD zu kooperieren, weil die somanche unserer Forderungen auch fordern. Aber bringen tut das nichts. Niemand wird erwarten, dass sich die anderen Parteien bei einem Thema umstimmen lassen, nur weil die AFD etwas (wenn auch mal sinnvolles) fordert. Das Gegenteil passiert: Die anderen Parteien können sich aus Prinzip schon nicht der AFD Forderung anschließen, um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, man rede ausgerechnet denen nach dem Mund. --------------------------------------------------------------------------------------Außerdem disqualifiziert sich die AFD mit ihrer fortwährenden Leugnerei des Menschengemachten Klimawandels und mit der Duldung von nationalsozialistischem Gedankengut in ihren Reihen. Es kann unserer Sache nicht dienlich sein, mit solchen in einen Topf geworfen zu werden. Solange sich die AFD nicht grundlegend ändert, kann nur Distanz die richtige Strategie sein.

von Gerhard Steffek

Verwunderlich -

daß hier gerade die AfD angesprochen wurde. Wo ist die Überparteilichkeit von TopAgrar? Wie sieht es denn mit den anderen Parteien aus? Welche konkreten "Alternativen" gibt es denn zu der Afd? Denn unter Umständen ergibt sich alleine schon mal aus Protest hier die Notwendigkeit und auch die Möglichkeit seinen Unmut gegenüber den "etablierten Parteien" auszudrücken. Denn was haben gerade die Landwirte von diesen zu erwarten? Ich denke, da braucht man die Hand nicht umdrehen. Herr Dorsch und Herr Mayer sollten da ihre einseitig eingefärbten Brillen tunlichst ablegen.

von Werner Kriegl

Problematisch

Wenn sich ein Sprecher einer überparteilichen (!) Gruppierung über Parteien negativ äußert ist das in meinen Augen sehr problematisch! Vor allem, wenn das eigene nähere Umfeld einer anderen Partei nahe steht...

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