"Das Gegenteil von radikal!"

„Land schafft Verbindung“ reicht NGOs die Hand

Die Organisatoren von LsV-Deutschland zeigen sich irritiert über eine angebliche Nähe zum Gelbwestenprotest und eine befürchtete Radikalisierung der Bauern, das Gegenteil sei der Fall.

Irritiert über Medienberichte, die eine Verbindung der Initiative „Land schafft Verbindung –Deutschland“ zu der Gelbwestenbewegen aus den Niederlanden und Frankreich sehen, zeigen sich die Organisatoren der Protestbewegung Dirk Andresen (SH), Sebastian Dickow (Bay), Martin Schmidt (Hes) und Johanna Mandelkow (Brand.).

Auf der ersten Pressekonferenz von LsV – Deutschland auf der Grünen Woche stellten sie klar, dass es keinerlei Bezug gebe. Verwunderlich seien auch die Befürchtungen der Ministerinnen Barbara Otte-Kinast und Julia Klöckner, es gebe eine Radikalisierung unter den Bauern. „Unser Protest war und bleibt friedlich“, stellte Andresen klar. Die Plätze seien anschließend sogar sauberer als vorher. „Und wenn es in unseren Facebookgruppen mal aggressive Töne gibt, rufe ich die Personen auch persönlich an“, so der Landwirt aus Schleswig-Holstein.

Und Johanna Mandelkow, die in Brandenburg viele Aktionen organisiert hat, ergänzt, dass sie per Videoaufruf stets den Bauern mitteile, dass sie persönlich als Anmelderin für die Demo gerade stehen muss. Daher habe es noch nie Probleme gegeben. Auch Sebastian Dickow bestätigt, dass Einzelpersonen für die Aktionen haften. „Unsere Strukturen verhindern eine Radikalisierung, die WhatsApp-Gruppen kontrollieren sich selbst, das wirkt deeskalierend.“

Johanna Mandelkow

Johanna Mandelkow aus Brandenburg (Bildquelle: Deter)

Warum hat LsV das Redeangebot von „Wir haben es satt“ ausgeschlagen?

Die anwesenden Medienvertreter in Berlin interessierte anschließend, warum LsV – Deutschland das Angebot des agrarkritischen Bündnisses „Wir haben es satt“, das am Samstag am Potsdamer Platz gegen die Agrarindustrie protestiert, abgelehnt habe.

Hierzu berichtete Andresen, dass LsV durchaus offen sei und es auch schon einen Gedankenaustausch gab. Jedoch habe man sich als junge Graswurzelbewegung noch nicht ausreichend mit der Form Landwirtschaft befassen können, die die Agrarkritiker am Samstag wieder fordern.

„Wir werden den Dialog weiter suchen. Wenn die Zukunftskommission der Bundesregierung - an der wir beteiligt sind - Erfolg hat, dann müssen wir auch mit den Wünschen der NGOs und Kritiker Schnittmengen bei den Kriterien finden. Ökonomisch sinnvolle Maßnahmen müssen dann mit den ökologischen verknüpft werden“, so der Landwirt weiter.

Und Dickow ergänzt: „Whes vertritt eine spezielle Form der Landwirtschaft, wir aber vertreten die gesamte Landwirtschaft.“ Der Bayer berichtete aber, dass auch ein Whes-Sprecher bei der kommenden Kundgebung von „Land schafft Verbindung“ am Freitag in Berlin dabei sein wird. LsV verstehe sich als Mediator zwischen den Verbänden, man wolle die Landwirtschaft einen, was allerdings unglaublich schwierig sei, da alle Interessen zu vertreten.

Sebastion Dickow

Sebastian Dickow aus Bayern (Bildquelle: Deter)

Stand der Dinge Zukunftskommission

Bereits im Dezember hatte LsV zusammen mit dem DBV im Auftrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Vorschlag in der Zukunftskommission erarbeitet. Das Modell sieht eine Beteiligung aller Verbände und NGOs, der Kirche und Verbraucher vor. Sie bekämen Mitsprache- und Stimmrecht. Ziel seien parteiübergreifende Lösungen. Andresen glaubt, wenn das Modell angenommen würde, könnte schon im dritten Quartal 2019 die Lösung vorliegen. Details dürfe er jetzt aber noch nicht nennen.

„Im Moment haben wir eine ideologiegetriebene Landwirtschaft“, so Andresen. Er fragt sich, wann die Politik endlich die Ökonomie mit berücksichtigt bei ihren Plänen.

Pressekonferenz

Pressekonferenz von Land schafft Verbindung - Deutschland (Bildquelle: Deter)

Wünsche

Ziel von LsV ist – neben dem Stopp der schärferen Düngeverordnung - , mit dem Lebensmitteleinzelhandel ins Gespräch zu kommen. Neben fairen Preisen müsse es in der EU außerdem gleiche Wettbewerbsbedingungen geben. Konkret für Deutschland wünscht sich Martin Schmidt eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, einen Milchpreis von 40 Cent und eine Regulierung des Milchmarktes – entweder nach BDM-Modell oder eine Margenabsicherung. „Wir kommen nicht um eine Regulierung herum“, glaubt er.

Dickow sieht das etwas nüchterner. So habe es doch bislang bei solchen Forderungen ausschließlich Absagen aus dem Markt und der Politik gegeben. Das will Schmidt so nicht stehen lassen: „Wir haben den Auftrag von der Straße bekommen, das zu fordern“, wies er in der Pressekonferenz seinen Nachbarn zurecht. LsV stehe halt dazwischen.

Andresen sprach unterdessen die langsamen BImSchG-Genehmigungen von bis zu fünf Jahren Dauer an. Hier sei dringend eine Verschlankung und Beschleunigung des Prozesses notwendig. „Wie soll man heute wissen, wie der Markt in fünf Jahren aussieht“, gibt er zu bedenken. Und nicht zuletzt stehe die Frage im Raum, welche Anreize es für junge Leute heute überhaupt noch gebe, den Hof zu übernehmen und Landwirt zu werden.

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Kommende Proteste

Am 17. Januar werden die Brandenburger Bauern eine Sternfahrt nach Berlin mit anschließender Kundgebung um 13 Uhr am Ernst-Reuter-Platz durchführen. Hierzu sind die Politiker Woidke, Vogel sowie die Fraktionsvorsitzenden geladen. LsV rechnet mit 500 bis 1000 Traktoren.

In Hannover, Bremen, Mainz, Heide, Kiel und Nürnberg werden lokale Aktionen und Traktorenfahrten stattfinden. In Hessen gibt es kleinere selbst organisierte Mahnfeuer. Alle Aktionen sind laut dem Führungsteam verbandsneutral, sogar viele NGOs seien dabei. Ziel sei, der Landwirtschaft ein Gesicht zu geben.

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