Sondierungsgespräche: Ökoverbände wollen Agrarpolitik als Top-Thema sehen

Felix Prinz zu Löwenstein Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW, sieht die Sondierer von Union und SPD in der Verantwortung, sich für starke ländliche Räume, eine umwelt- und klimafreundliche Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung einzusetzen.
Bild: BÖLW

Die Ökoverbände haben ihren agrarpolitischen Forderungsplan auf die Sondierungsgespräche von Union und SPD für eine Regierungsbildung in Berlin zugeschnitten. Von den Sondierern erwarten sie, dass diese die Agrarpolitik zum Top-Thema hochstufen.

„Wir erwarten von Union und SPD, dass Landwirtschaft und Ernährung bei ihren Sondierungsgesprächen als Top-Themen behandelt werden. Das ist wichtig, denn Essen und der Schutz unserer Ressourcen wie Trinkwasser, Boden und Klima geht alle an“, sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Am heutigen Dienstag stehen die Themen Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf der Agenda der Sondierungsgespräche in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin.

„Wenn Union und SPD bei den Verhandlungen ihren Glyphosat-Zwist beilegen wollen, sind sie gefordert, einen zukunftsweisenden Weg für die Landwirtschaft zu bahnen“, sagte zu Löwenstein weiter. Die Große Koalition müsse den Umbau von Landwirtschaft und Ernährung anpacken, forderte er. „Die Herausforderungen in den Sektoren Landwirtschaft und Ernährung sind zu groß, als dass entschlossenes Handeln weiter vertagt werden kann. Das zeigen Klimakrise, Insektensterben, ernährungsbedingte Krankheiten und die zahllosen Höfe, die für immer schließen müssen“, so der BÖLW-Vorsitzende.

Seine inhaltlichen Forderungen fasst der BÖLW wie folgt zusammen:

  • Das Ziel von 20 % Öko-Landbau aus der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung muss endlich angepackt, die Zukunftsstrategie Öko-Landbau (ZöL) umgesetzt sowie mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet werden.
  • Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) muss darauf ausgerichtet werden, dass öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen eingesetzt werden. Steuergeld sollte künftig dafür verwendet werden, Wasser, Böden und Klima zu schützen, Tiere anständig zu halten und so besonders bäuerlichen Betrieben neue Perspektiven zu geben.
  • Die Forschung muss auf die Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie fokussieren. Wer morgen 20 % Bio anstrebt, muss bereits heute 20 % der Mittel auf Öko-Forschung verwenden, um damit das Innovationspotential von Bio voll zu erschließen. Aktuell werden lediglich 1,5 % der Agrar-Forschungsmittel für Bio verwendet.
  • Wirtschaft in den Regionen fördern – bspw. durch eine verstärkte Nachhaltigkeitsorientierung in Wirtschaftsförderprogrammen oder eine stärkere steuerliche Unterstützung von Innovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) durch eine Steuergutschrift für Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung.
  • Fairer Handel braucht faire Regeln – deshalb sollte sich Deutschland für ein demokratisches und transparentes Welthandelssystem einsetzen, bei dem internationale Menschen- und Umweltrechtsabkommen sowie sozial-ökologische Standards die Grundlage für Handelsverträge bilden.
  • Gesunde Ernährung stärken: Der Bund sollte die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung als wirksames Instrument für eine gesunde Ernährung nutzen. Dänemark zeigt, wie das geht. So wurde bspw. in Kopenhagen ein Bio-Anteil von 90 % in allen öffentlichen Einrichtungen erreicht und damit eine nachhaltigere, schmackhaftere und gesündere Ernährung realisiert.
  • Gentechnikfreiheit sichern: Die neue Bundesregierung muss endlich ein wirksames Gesetz zur Umsetzung nationaler Anbauverbote von gentechnisch veränderten Pflanzen beschließen, ein guter Entwurf wurde im Bundestag bereits eingebracht. Neuartige Gentechnikverfahren wie CRISPR-Cas müssen in der Lebensmittelwirtschaft gemäß dem Vorsorgeprinzip reguliert werden.

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Bernhard Zehle · 1.
    Frage?

    Wer ist Löwenstein? Hat der was zu melden, oder holt der Spenden?

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  2. von Hans Merk · 2.
    Aber die neue Groko muß irgendwas Grünes auf den Weg bringen

    wenn man sich schon von den Klimazielen 2020 verabschiedet. Da kommen die Bauern gerade recht...

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  3. von Gerd Ulken · 3.
    Bio

    Wieder so ein Schlauschnacker der sich profilieren will...

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  4. von Jörg Meyer · 4.
    Politik für 20% der Landwirte?

    Erschreckend dass immer wieder eine andere Agrarpolitik für heute noch nicht einmal 20% der Landwirte gefordert wird und die uebrigen 80% und mehr die bio schiene einen dreck interessiert. Begründet wird das mit wissenschaftlich nicht bewiesenen aussagen wie bio sei nachhaltiger, gesuender oder besser Fuer die Artenvielfalt. Hier gehts um nix anderes als Verteilungskämpfe um weniger werdende Subventionen!!!

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  5. von Wilhelm Grimm · 5.
    Der falsche Weg ins Gestern.

    Nur für Nischenlandwirtschaft zu tolerieren. Wir müssen die Zukunftsentwicklungen unterstützen, dazu gehören natürlich verstärkte und beschleunigte Umsetzung neuester Erkenntnisse in den Bereichen Gentechnik bei Pflanzen und Tieren, beim Pflanzenschutz und beim Einsatz von sonstigen technischen und technologischen Neuerungen.. Unsere Bereitschaft zu Veränderungen muss politisch gefördert werden. Die gezielten hysterischen Angriffe auf 95% unserer Landwirte, die diesen Weg gehen wollen, gehören zu den größten Dummheiten unserer Zeit.

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  6. von Gerhard Steffek · 6.
    Zum Kotzen!

    Ich kann es schon nicht mehr hören. Diese Arroganz der Öko's. Als ob sie die Weisheit mit Löffeln gefressen und die ultimative Lösung des Problems für sich gepachtet hätten. Klimakrise, Insektensterben, ernährungsbedingte Krankheiten, schließende Betriebe, das wird so aufgezählt als ob die "Konventionellen" die alleinige Schuld daran hätten. Gesunde Ernährung in Dänemark! Als ob das nur an "Bio" läge. Und - welche Frechheit und Anmaßung, davon auszugehen das allein durch Bio eine nachhaltigere, schmackhaftere und gesündere Ernährung zu erreichen wäre. Welche Verleugnung der Geschichte. Denn die ganzen Jahrtausende vorher gab es doch nur "Bio". Die ganzen Jahrtausende hindurch war es aber immer ein Kampf des Menschen gegen die Natur, dieser das Notwendige zum Leben abzuringen. Von Nachhaltigkeit ganz zu schweigen! Das Wirken des Menschen war schon immer ein Nutzen und Ausnutzen der gegebenen Möglichkeiten. Wie es im Kreislauf der Natur eine grundsätzliche Überlebensnotwendigkeit ist. Des einen Freud, des anderen Leid. Das Sterben des einen führt zum Leben des anderen. Auch der Biobetrieb muß sich nach seinen Möglichkeiten richten. Muß abwägen was wichtiger ist. Aber wenn der "Bio" nur 50 % des Ertrages eines "Konvi" erzeugt und dafür in Kauf nimmt, daß er entweder die doppelte Fläche (und eigentlich mehr) oder eine Unterversorgung der Bevölkerung hat, dann sollte dieser ganz ganz still sein. Abgesehen davon, daß bei heutiger Bewirtschaftungsform (mit Schlepper) er pro erzeugter Einheit (dz Weizen, ltr. Milch, etc.) eine größere Umweltverschmutzung (CO2, NOx etc.) in Kauf genommen wird. Hier wäre umweltfreundlich nur eine Bewirtschaftung mittels Pferd und Ochs. Aber das will ja heute dann doch keiner mehr. Obwohl - das Bauernsterben wäre dann vielleicht vorbei. "Pri-Lö" sollte hier bitte die Klappe halten und still sein. Er mag mit dem einen oder anderem Recht haben. Aber mit seiner "Keiltreiberei" zwischen "Bio" und "Konvi" erbringt er letztendlich für alle Landwirte nur einen Bärendienst.

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  7. von Hermann Stroemer · 7.
    Viel Text

    für wenig Inhalt, nämlich die Forderung nach mehr Geld. Was anderes scheinen unsere Bauernverbände, gleich welchen Anstrich sie sich geben, nicht mehr zu können.

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