Bauerntag: CDU und Grüne liefern sich ein scharfes Duell

Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Gitta Connemann (CDU) schenkten sich bei der agrarpolitischen Diskussion auf dem Bauerntag nichts.
Bild: Awater-Esper

Die Podiumsdiskussion der Bundestagsabgeordneten auf dem Bauerntag ist zu einem heftigen Duell zwischen der CDU-Politikerin Gitta Connemann und der der Grünen Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt geraten. Die anderen Parteien fielen dahinter blass in den Hintergrund. Derweil tobten die DBV-Mitglieder im Saal.

Beim Deutschen Bauerntag in Berlin haben die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Gitta Connemann und die Fraktionsvorsitzende der Grünen Katrin Göring-Eckardt sich einen heftigen Schlagabtausch über die Ausrichtung der Agrarpolitik geliefert. Damit haben sie den Spannungsbogen, den Grüne und CDU/CSU seit Monaten ziehen, auf offener Bühne fortgeführt. Die Auseinandersetzung entzündete sich vor allem am Begriff Massentierhaltung. Connemann ging Göring-Eckardt hart an und forderte diese zunächst zur Definition des Begriffes Massentierhaltung auf und dann diesen nicht mehr zu verwenden. Göring-Eckardt bezeichnete das Festbeißen an dem Begriff Massentierhaltung als „ideologisch“. „Ich glaube nicht, dass es um den Begriff geht, wir reden um die Sache selbst“, sagte sie.

Schlagabtausch zu den Direktzahlungen

„Die Frage des Tierwohls ist keine Frage der Größe des Stalls sondern der Haltung“, sagte Connemann. Daraufhin erwiderte Göring-Eckard: „Es geht bei der Frage der Haltung auch um die Frage der Menge“. Bereits zu diesem Zeitpunkt tobt der Saal mit den Delegierten des Deutschen Bauernverbandes. Auch bei der Haltung zur künftigen Ausgestaltung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) trugen Connemann und Göring-Eckardt ihre Differenzen in scharfen Worten zur Schau. „Ich will nicht, dass nur die Großen eine Chance haben und die Kleinen dann die Gelackmeierten sind“, sagte Göring-Eckardt im Hinblick auf die derzeitige Verteilung der Direktzahlungen zwischen den Betrieben in der Land- und Agrarwirtschaft. „Die Direktzahlungen sind keine Subventionen“, sagte Connemann. Aus ihrer Sicht sind diese eine „Vergeltung für gesellschaftliche Leistung, die die Landwirtschaft erbringt“. „Alles was aus der 1. Säule heraus genommen wird, wird den Landwirten aus der Tasche gezogen“, legte sich Connemann fest. Göring-Eckardt wiedersprach Connemann postwendend. „Wenn wir nicht umsteuern, werden wir Teile des Geldes aus dem Agrarbudgets verlieren“, sagte sie. Das könnten doch die Landwirte nicht wollen, schob Göring-Eckard ein. Daraufhin schränkte Connemann die CDU-Position etwas ein: „Das Einzige was wir gesagt haben ist, das wir in der laufenden GAP keine Umschichtung aus der Ersten in die Zweite Säule haben wollen“. Das können die Landwirte nicht stemmen, so Connemann.

Stimmung im Saal von Johlen bis zu aggressiven Zwischenrufen

Die Stimmung im Saal heizte bisweilen auch aggressiv auf, als Göring-Eckardt als Beispiel für eine aus ihrer Sicht sinnvollere Agrarpolitik immer wieder das Land Niedersachsen und den dortigen Grünen Agrarminister Christian Meyer nannte. Als Beispiele zog sie die in seiner Amtszeit eingeführte Ringelschwanzprämie für Schweinehalter und die Position von Meyer in der Milchpolitik an. Als sie fragte, warum es in der Landwirtschaft „so wenige Kontrollen“ gibt, johlte der Saal. Göring-Eckardt nahm dennoch immer wieder Anlauf, den Landwirten einen Dialog anzubieten. „Ich bin heute hier, damit wir das Zusammen hinbekommen und nicht gegeneinander“, sagte sie. Derweil forderte Connemann Göring-Eckard dazu auf, sich zum Agrarexport zu bekennen. Darauf entgegnete Göring-Eckardt, sie glaube nicht, dass es mit der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit für die deutschen Landwirte so weiter gehen könne.

Linke überrascht mit Zusage zu Direktzahlungen

Hinter dem Schlagabtausch der beiden Politikerinnen fielen die drei anderen Diskutanten, die SPD Politikerin Ute Vogt, der Linke Dietmar Bartsch und der CSU-Politiker Artur Auernhammer. Der Linke Bartsch fiel damit auf, dass er entgegen dem agrarpolitischen Programm der Linken sagte, er sei dafür, dass die Direktzahlungen erhalten blieben, die ostdeutschen Landwirte brauchten diese. Die SPD Politikerin Ute Vogt verteidigte den Ansatz von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in der Agrarpolitik und die Festlegung der SPD bis 2026 schrittweise aus den Direktzahlungen auszusteigen und ein neues System der Agrarförderung zu etablieren etwa mit einem Punktesystem für Leistungen für Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz. Der CSU-Politiker Artur Auernhammer empfahl der Politik das Wort „Bürokratieabbau nicht mehr in den Mund zu nehmen, das trage nur zu weitere Politikverdrossenheit bei.

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8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von WHB Marktfrucht GmbH Ketzin · 1.
    „Ich glaube nicht, dass es um den Begriff geht, wir reden um die Sache selbst“

    Ich denke schon, dass es um die Verwendung der Begriffe "Massentierhaltung", "Pestizide", usw. geht. Es geht um die Wortwahl! Nur dazu erfunden, um die Gesellschaft zu spalten! Bringt denn der Pflanzenschutz die Pest? Der Verbraucher wird verunsichert, verängstigt, depressiv und damit für dumm verkauft! Es wird um Spenden und staatliche Zuschüsse eingeworben und dabei gehen Milionen über den Tisch!

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  2. von Gerd Uken · 2.
    Und worüber Frau Connemann nicht reden will

    Ist das Marktkriesenmanagement-da fehlen ihr immer noch ein paar Nuancen. Der ganze Bauerntag ist eine Wahlveranstaltung für die Delegierten. Die GAP Zählungen waren ursprünglichvAusgleichszahlung für die Ackerbauern damit sie auf dem Wdltmarkt konkurrieren könnten. Was daraus geworden ist sehen wir ha jetzt und wer das meiste Geld abgreift auch.

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  3. von Doris Peitinger · 3.
    Frau Connemanns Partei steht doch für die Ungerechtigkeit der Direktzahlungen

    Es ist eine Frechheit von Frau Connemann, die ungerechte Verteilung der Direktzahlungen, die vor allem in Deutschland nur eine Minderheit bevorzugt, zu verteidigen. Dies ist rein in Gemeinschaftsarbei ihrer Partei mit dem Bauernverband so ausgeklüngelt worden. Und dann wird noch so getan, als ob mit diesem Gießkannenprinzip die gesellschaftlichen Leistungen der Bauern entlohnt werden! Kann ja jeder, der zu dieser Minderheit gehört, hier sein Kreuzchen machen!

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  4. von Willy Toft · 4.
    Wer hier dichter an der Realität steht, ist ganz offensichtlich!

    Mit Wunschträumen oder Ideologie kann man nicht ewig regieren, das Wahlvolk kommt dahinter, spätestens wenn man sich die Auswüchse dieser Politik vor Augen führt! Die Politik täte gut daran, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Alles andere führt weiter zum Sterben der Familienbetriebe.

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  5. von Thomas Egolf · 5.
    Für mich eigentlich nicht verständlich:

    Wie sich die großen Parteien, von einer kaum mehr als 5% Partei, schon jahrelang am Nasenring, auch durch Hilfe der Medien, durch die Politiklandschaft ziehen lassen. Die Grünen verstehen es wie keine andere Partei, auch zum Teil durch Unwahrheiten, sich zu präsentieren und Ängste unter dem Volk zu schüren und zu verbreiten. Leider haben da die anderen Parteien nur wenig entgegenzusetzen und klingen da oft auch nicht glaubwürdig. Oder aber sie überlassen den Bereich Landwirtschaft lieber den Grünen, dass diese sich aus der übrigen Industrie (Auto-, Flugverkehr und Rüstung) heraushalten!

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  6. von Wilhelm Bee · 6.
    Eine Theologin und

    eine Juristin lassen sich aus zu landwirtschaftlichen Themen/Problemen. Da könnten wir auch eine Kuh nach der Anleitung zum Klavierspielen fragen. Aber wahrscheinlich gehört es heute zum guten politischen Ton, nicht zu wissen worüber man redet. Was sollen wir von solchen Leuten erwarten?

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  7. von Albert Maier · 7.
    Basis johlt und ....

    .... ist aggressiv, die Führing weis nichts. Blamabel, was der Umweltbeauftragte des DBV gestern abend im heute journal abgegeben hat. https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-28-juni-2017-100.html

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  8. von Arne Röttcher · 8.
    Pro Gitta Connemann

    Frau Connemann ist die einzige die in Punkto Landwirtschaft nahe an der Realität ist. Sie könnte viel bewegen, leider vertritt Sie nur noch wenige aktive Landwirte, während die Grünen sich für dreimal so viele dumme Facebook Bauern und Bäuerinnen einsetzen .Wem die Wirtschaftsweise der deutschen Bauern nicht gefällt, wem der hiesige Lebensmittelstandard nicht reicht, wem Lebensmittel zu Teuer sind sollte die BRD vorübergehend verlassen um sich ein Bild von anderen Standards zu machen. Am besten nach Brasilien wo nachhaltig??? ganze Wälder gerodet werden um Palmen für das hier immer mehr eingesetzte Palmfett und Palmöl einzusetzen. Ein Liter Öl in der KFZ Werkstatt darf kosten was es wolle nur Nahrungsmittel sind zweitrangig. Jeder sollte nachdenken welchen Scheiß er sich rein frisst..... Autos fahren bald automatisch und alleine, Sie brauchen den Menschen nicht. Die Politik zerstört mit ihren Entscheidungen gnadenlos alles was sie sich wünscht.Es geht nur Agrarindustrie. Familienbetriebe werden systematisch zerstört. Arne Röttcher

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