Dialog statt Protest – Wir machen Euch satt 3.0

Wir machen Euch satt Die Bauern, die mit den Agrarkritikern ins Gespräch kommen wollen, demonstrieren am 21. Januar vor dem Berliner Hauptbahnhof gegen die andauernde Diffamierung von Umwelt- und Tierschutzorganisationen sowie der Presse.
Bild: Wir machen Euch satt
Die Mit-Initiatoren der Initiative „Frag` den Landwirt“ rufen 2017 bereits zum dritten Mal zur Teilnahme an der Kundgebung „Wir machen euch satt“ (Wmes) in Berlin auf, die in diesem Jahr das Motto „Dialog statt Protest“ trägt.

„Der Dialog ist uns sehr wichtig“, sagt dazu Marcus Holtkötter, Landwirt aus Altenberge. „Es ist die logische Fortführung unserer Bemühungen, das ganze Jahr über mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen und diesen unsere Wirtschaftsweise zu erläutern.“ „Wir haben das Thema Dialog sehr bewusst gewählt und wollen damit auch einen Gegenpol zu der Demonstration „Wir haben es satt“ setzen, die am selben Tag an anderer Stelle stattfindet“, ergänzte Nadine Henke, Tierärztin und Landwirtin aus Bruchhausen-Vilsen.
 
Die konventionell und biologisch wirtschaftenden Betriebe hinter der Aktion „Dialog statt Protest“ nehmen die Kritikpunkte an der eigenen Wirtschaftsweise ernst. Mit den Menschen, die hinter dieser Kritik stehen, aber auch mit den überwiegend interessierten und zufriedenen Verbrauchern, möchte man den Dialog beginnen, weiterführen und ausbauen.

„Dies geschieht bereits ganzjährig in unzähligen regionalen Aktionen, bei denen wir beispielsweise interessierte Menschen auf unsere Höfe einladen. Dort erklären wir, wie unsere Landwirtschaft der Garant für eine sichere Versorgung mit gesunden und gleichzeitig preiswerten Lebensmitteln ist. Diesen hohen Standard gilt es zu erhalten und weiterzuentwickeln, führte Bernhard Barkmann, Landwirt aus Messingen (Emsland) und aktiver Blogger aus.

Unvergleichliche Vielfalt

Henke, Holtkötter und Barkmann bezeichnen sich selbst als Teil eines sehr großen Netzwerkes, zu dem die unterschiedlichsten Betriebsrichtungen zählen. Dies seien tierhaltende Betriebe, reine Ackerbaubetriebe, Gemüse- und Obstanbauer, Winzer, Schäfer oder Gärtner, biologisch oder konventionell wirtschaftende, große und kleine Betriebe.

Die Agrarindustrie sei nicht der Feind dieser Betriebe, sondern ein Geschäftspartner. Die deutschen Landwirte würden nachhaltig wirtschaften, schon allein deshalb, um die Böden und natürlichen Ressourcen für nachfolgende Generationen zu erhalten. Die Umwelt liege der Landwirtschaft dabei ebenso am Herzen wie das Tierwohl, „denn wir lieben unsere Tiere“.

Veränderungen gemeinsam gehen

Die Landwirtschaft akzeptiere, dass sich die Erwartungen der Gesellschaft an eine bäuerliche Produktionsweise änderten. Die Landwirtschaft würde neue Wege aber gerne MIT den Menschen beschreiten. Und zwar in einer Weise, die die „Erfolgsgeschichte Landwirtschaft“ nicht zerstöre, sondern diese weiterentwickele und optimiere. Nur so könnten einerseits die Rundum-Versorgung mit sicheren Lebensmitteln und andererseits ausreichende Einkommen für die landwirtschaftlichen Familien gewährleistet werden. „Die Befürworter einer radikalen Agrarwende treiben in unseren Augen ein unverantwortliches Glücksspiel mit mehr als unsicherem Ausgang“, sagte Holtkötter.
 
Die Protestgruppen rund um „Wir haben es satt“ hätten keine wirklich konkreten Alternativen im Gepäck. Häufig widersprächen sie sich sogar in ihren Forderungen. So könne beispielsweise kein Tierhalter ernsthaft gemeinsam mit einem Tierrechtler oder Veganer gegen `irgendetwas´ protestieren, da diese die landwirtschaftliche Tierhaltung in Gänze abschaffen wollten. Ganz sicher könne aus solchen Allianzen kein tragbares Konzept für eine zukunftssichere Lebensmittelerzeugung erwachsen.
 
„Die `richtigen´ Bäuerinnen und Bauern werden Sie am 21. Januar auf dem Washingtonplatz und nicht am Potsdamer Platz treffen“, so Bernhard Barkmann. „Sie werden jedoch ohne Gummistiefel und Melkeimer kommen. So sind unsere jungen, gut ausgebildeten Landwirtinnen und Landwirte nicht. Sie kommen auch nicht mit der Mistgabel, sondern mit Argumenten, mit denen sie für ihren Berufsstand und ihre eigene Zukunft werben möchten. Man könnte auch sagen, die einen haben das Frühstück, die Bauern dazu sind bei uns.“

In Kürze zusammengefasst

Wo:
21. Januar 2017 - Kundgebung DIALOG STATT PROTEST – Wir machen Euch satt 3.0
Washingtonplatz (Hauptbahnhof), Berlin, Beginn 9.00 Uhr
 
Wer:
Die deutschen Landwirtinnen und Landwirte mit den Initiatoren Nadine Henke, Marcus Holtkötter, Bernhard Barkmann

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11 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Jörg Meyer · 1.
    Ach Herr N

    vielleicht haben sie vom AbL eine Definition für "Agrarindustrie" , sie orientieren sich an der Bimsch-Grenze (Kopfschüttel) , aber die AbL ist ja nur ein Trüppchen unter vielen bei wir haben es satt. Haben sie denn auch was offizielles von den Organisationen von "wir haben es satt". Herr Fritz sollte sich mal im Namen aller hierzu äußern, das würde bestimmt spannend, was meinen Sie Herr N., reden sie doch mal mit Herr Fritz.

  2. von Eckehard Niemann · 2.
    Hinweis für Jörg Meyer mit freundlichen Grüßen

    http://www.abl-niedersachsen.de/fileadmin/Dokumente/AbL-Niedersachsen/Themen/Tipps_f%C3%BCr_den_Widerstand_gegen_Agrarfabriken.pdf

  3. von Jörg Meyer · 3.
    Wer weiß was mit Agrarindustrie gemeint ist?

    Wer kann mir denn nun endlich mal erklären wogegen die von "Wir haben es satt" eigentlich demonstrieren? Agrarindustrie was ist das? Schlepper fahren da ja auch mit, so dass die Landtechnikindustrie nicht gemeint sein kann? Aber es wird gegen viele Firmen und Branchen demonstriert wie Agrochemie und Saatzüchter die vorwiegend Geschäftspartner der konventionellen Landwirte sind! Und ab welcher Größe ist eigentlich ein landwirtschaftlicher Betrieb Agrarindustrie? Ich habe überall nach Antworten gefragt und im Net gesucht aber Konkretes finde ich nicht,! Wenn man nicht genau weiß wogegen man demonstriert ist es auf jedenfall besser erstmal miteinander zu reden und abzuklären wer wofür und wer überhaupt gegen was konkret ist! Bevor man das Problem nicht gelöst hat kann man doch eigentlich nicht ernst genommen werden!

  4. von Eckehard Niemann · 4.
    Agrarindustrie haben doch eigentlich auch alle Bauern satt...

    Bauern mit gleichen Interessen – leider immer noch bei zwei unterschiedlichen Demonstrationen am Samstag in Berlin ----- Die allermeisten der Teilnehmer von „Wir machen Euch satt“ sind ja Bäuerinnen und Bauern. Mit gleichen oder ähnlichen Sorgen und Anliegen wie die der vielen konventionell oder ökologisch wirtschaftenden Bäuerinnen und Bauern in der Demonstration „Wir haben Agrarindustrie satt!“. ----- Denn die Verdrängung bäuerlicher Existenzen durch Agrarkonzerne, Agrar- und Ernährungsindustrie und die - durch perspektivlose Überproduktion verursachten - ruinösen Erzeugerpreise betreffen doch alle Bauernhöfe. ----- Deshalb ist es wichtig, gerade auch gut strukturierte und größere Familienbetriebe zu unterstützen und zu verteidigen – auch gegen falsche Positionierungen von Demonstrations-Teilnehmer von „Wir haben Agrarindustrie satt“: Manche Verbände und Medien propagieren leider immer noch ein einseitiges „Bio-Kleinbauern“-Idyll und diffamieren umgekehrt konventionelle Landwirte pauschal und falsch als „agrarindustriell“. Solche unqualifizierten Angriffe drängen immer noch viele Bauern unsinnigerweise in ein Boot mit der Agrarindustrie. ----- Darüber und über anstehende Verbesserungen auch innerhalb der konventionellen Landwirtschaft muss verstärkt auch innerhalb von „Wir haben Agrarindustrie satt!“ diskutiert werden. Selbst viele Veganer unterstützen es, dass Nutztiere artgerechter und in bäuerlichen Strukturen gehalten werden. Bauernfeindliche Parolen, z.B. von einigen wenigen bornierten Tierrechts-Aktivisten , sind schon jetzt von der Demo ausgeschlossen. ----- Andererseits müssen auch die Organisatoren von „Wir machen Euch satt“ viel mehr darauf achten, sich nicht von eindeutig agrarindustriellen Lobby-Verbänden vereinnahmen zu lassen. Dies macht es der Gesellschaft schwer, ihre grundsätzliche Unterstützung von Bauern beizubehalten. In der gesellschaftlichen Diskussion reicht der bloße Hinweis auf das „Sattmachen“ natürlich nicht mehr aus. ------ Angesagt ist eine klare Abgrenzung nach dem Motto „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“. Ebenso eine selbstkritische Analyse, wo sowohl Bauern als auch Verbraucher in Formen von Tierhaltung, Landbau und Konsum hineingeschlittert oder -gedrängt worden sind, die heute gesellschaftlich keine Akzeptanz mehr finden. Bei der Agrarwende geht es um eine Beendigung agrarindustrieller Strukturen und um eine massive Unterstützung der Bauernhöfe im Rahmen des anstehenden Umbauprogramms. Die meisten Maßnahmen zugunsten von mehr Tierschutz und Umweltschutz in mittelständisch-bäuerlichen Strukturen beinhalteten zudem automatisch einen Abbau der ruinösen Überschüsse - und somit die Perspektive auf faire Erzeugerpreise für „Klasse statt Masse“ in Deutschland und der EU.

  5. von Susanne Mairhörmann · 5.
    Dialog?

    Verwundert lese ich diverse Artikel und Frage mich warum die Bauern es einfach nicht schaffen über den Tellerrand hinauszuschauen. Allein der Slogan "Wir machen euch satt"??? ...zu welchem Preis? was bleibt z.B. dem Milchbauern, Schweinebauer aktuell??? Ist das zu Ende gedacht? "Wir haben es satt" umfasst so viel mehr was mich persönlich anspricht. Ja klar gibt es auf dieser Demo auch "Grasgrüne", die manches übertreiben, aber sollten hier nicht Schnittpunkte gesucht werden. Sie werden nie alle unter einen Hut bringen, aber der gute nachhaltige Grundgedanke zurück zu einer bäuerlichen Landwirtschaft, von der auch der Landwirt leben kann, bei "Wir haben es satt" spricht mich eindeutig mehr an.

  6. von Marcus Holtkötter · 6.
    Ja das ist Dialog

    Der Satz von Bernhard hat einen Hintergrund, in der PK hat er das auch Begründet. Die Initiatoren der "Wir haben es satt"- Demo rufen zu einen "JungbäuerInnen Block" auf, dazu sollen die Leute in Gummistieflen, Latzhose und mit Schubkarre und Melkzeug erscheinen. Wer sich in den letzten Jahren die WHES Demo angeschaut hat der wird gesehen haben das dies immer mehr nach einen Karnevallsumzug ausschaut. Ich erlebe nicht das die heutigen Junglandwirte sich so in der Öffentlichkeit präsentieren. Viel mehr geht es hier wohl drum für die Presse Bilder zu erzeugen. Und ja teile der sogenannten Agrarindustrie sind nun mal unsere Geschäftspartner. Oder verkauft ihr direkt an den Endverbraucher, wo kauft ihr eure Maschinen und anderen Betriebsmittel? Aber mache gefallen sich scheinbar besser in der Opferrolle, denn Unternehmer können sie nicht sein denn das kommt von unternehmen und nicht von unterlassen. Somit sollten wir Landwirte uns selbst in die Diskussionen um uns Landwirte mit einbringen und dies nicht allen möglichen anderen Parteien und Gruppierungen überlassen.

  7. von Hans Nagl · 7.
    Ist das Dialog??????????

    „Die `richtigen´ Bäuerinnen und Bauern werden Sie am 21. Januar auf dem Washingtonplatz und nicht am Potsdamer Platz treffen“

  8. von Dr. Willi Billau · 8.
    Schon am Verhältnis der Likes und Bashes

    sieht man die Einigkeit der Bauern bzw. die Uneinigkeit, wies weitergehen soll! Trotzdem: nicht entmutigen lassen, weiterkämpfen: Wer sich nicht wehrt, hat schon verloren!

  9. von Wilhelm Grimm · 9.
    Unsere Bauernjugend macht mir Spass.

    Wir müssen euch stärker unterstützen.

  10. von Doris Peitinger · 10.
    Agrarindustrie als Geschäftspartner???

    Da können die Bauern noch so oft ihre Gummistiefel ausziehen - sie werden nie der Geschäftspartner der Agrarindustrie sein. Sondern nichts anderes als ein Spielball, den man nach Bedarf nach vorne schieben kann, wie hier in diesem Fall! Wer organisiert denn die Streichel-Erlebnisbauernhöfe als "Event für die ganze Familie", die den Verbrauchern eine vollkommen falsche Sicht vermittelt? Wer sorgt dafür, dass die Preise im Keller sind? Wer macht das Image der normal wirtschaftenden Bauern kaputt? Wer läßt alles so ausufern, dass es dann zu Vorschriften kommt, die für alle gelten? Vor allem ist aber die Behauptung, dass die "Wir haben es satt" Teilnehmer keine konkreten Alternativen hätten, komplett falsch: http://www.wir-haben-es-satt.de/start/aufruf/ und es wird nicht viele Bauern geben, die sich nicht damit identifizieren können. Und teilnehmen sollten, damit die Sache in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Dass es der Agrarindustrie nicht in den Kram paßt, ist logisch...

  11. von Rita Kienberger · 11.
    "Richtige Bauern tragen keine Gummistiefeln??"

    Das habt Ihr aber schön formuliert! Ihr wollt auch keinen Protest,deshalb geht Ihr zum Protestieren?

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