Kritischer NDR-Bericht

20 % Ökoanbau bleibt weiterhin Wunschvorstellung

Während Schweden oder Dänemark den Ökoanteil im Außer-Haus-Bereich deutlich steigern konnten, dümpelt Deutschland nahe Null. Laut Klöckner sind die Länder zuständig, Bio mehr zu fördern.

Bis zum Jahr 2030 will die Bundesregierung das Ziel von 20 % Ökolandbau erreicht haben. Dafür hatte sie bereits vor zwei Jahren eine "Zukunftsstrategie ökologischer Landbau" entwickelt, um zum Beispiel die Beratung von Landwirten, die ihre Höfe auf Bio umstellen, stärker zu fördern. Der Weg ist allerdings noch weit, wie Oda Lambrecht, Brid Roesner und Christian Baars vom NDR feststellen.

Sie verweisen auf Kritiker, die die bisherigen Maßnahmen für unzureichend bewerten und z.B. den Einsatz von Bio-Lebensmitteln in öffentlich finanzierten Kantinen und mehr Forschungsgelder für den Ökosektor fordern.

Denn noch immer würden weniger als 10 % der Flächen ökologisch bewirtschaftet. Der Anteil der verkauften Bio-Lebensmittel am Gesamtumsatz lag 2019 nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) bei knapp 6 %. Felix Prinz zu Löwenstein, der Vorsitzende des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), verlangt daher eine echte Wende, die die biologische Vielfalt, das Wasser und die Fruchtbarkeit der Böden schützt. Seiner Meinung nach leiden diese weiterhin unter der konventionellen Landwirtschaft, und der Klimawandel sei noch gar nicht berücksichtigt.

Laut NDR wünscht sich der Biobauer, dass mindestens 20 % der Forschungsmittel in die Ökolandbau-Forschung fließen. Sogar die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) empfehle eine Mittelaufstockung, während der Agrarökonom der Uni Göttingen, Prof. Achim Spiller, eine vernachlässigte Forschung an alternativen Tierhaltungsformen anprangert. Bundesagrarministerin Julia Klöckner soll dagegen Grundlagenforschung wie Projekte zur Unkrautbekämpfung oder Pflanzenzucht für effektiver halten, weil das allen Betrieben zu Gute käme. Deswegen gäbe es keine explizite Ökoforschung.

Eine zweite Baustelle bleibt laut NDR die schwache Nachfrage nach Bioprodukten. Prof. Spiller meint, es sei Aufgabe der Regierung, diese anzukurbeln. Besonders bei der Außer-Haus-Verpflegung, auf die 2019 etwa ein Drittel des gesamten Lebensmittelumsatzes entfiel, sieht er großes Potenzial. Noch aber spielten dort Bio-Lebensmittel kaum eine Rolle.

Zuletzt hatte der Bundesrat eine Steigerung von Bio in Kantinen gefordert.

Kann die Initiative "BioBitte“ die Wende bringen?

"Wir müssen da ganz klar politisch steuern", sagte dann auch Klöckner dem Sender und verwies auf die Initiative "BioBitte", die sich speziell an die Außer-Haus-Verpflegung richte. Die Initiative soll Entscheidungsträger in der kommunalen Verwaltung und Kantinenleiter mit Informationen und Veranstaltungen dabei unterstützen, mehr Bio in öffentliche Küchen zu bringen.

Viele Experten halten diese Informationskampagne aber für ambitionslos. Der NDR erinnert an eine ähnliche Informationskampagne aus dem Jahr 2004 unter dem Motto "10% Bio - Das kann jeder!" Die neue Initiative "BioBitte" hat sich nun sogar 20 % als Ziel gesetzt. Doch die Initiative könne nicht einmal sagen, wie hoch der Bio-Anteil heute in öffentlichen Küchen ist. Man könne "keine konkreten Daten für den Einsatz von Bio-Lebensmitteln in der Außer-Haus-Verpflegung nennen", teilte eine PR-Agentur dem NDR im Auftrag von "BioBitte" mit, die Daten würden bisher nicht erhoben.

Laut einer BLE-Schätzung könnten die Ausgaben für Bio-Lebensmittel im Außer-Haus-Verzehr nur einen Anteil von rund 1,3 % ausmachen, konnten die Journalisten in Erfahrung bringen. Sie verweisen auf die Musterländer Schweden und Dänemark, wo Förderprogramme von Öko-Waren in der Außer-Haus-Verpflegung den Bio-Anteil in öffentlichen Einrichtungen auf über 20 % (DK) bzw. knapp 40 % (S) stiegen ließen. In Schweden sehe das praktisch so aus, dass die Regierung konkrete Ziele festlegt, die die Kommunen dann einhalten müssen.

Auf die Frage, warum Deutschland im Vergleich so hinterherhinke, erklärte Agrarministerin Klöckner dem NDR, sie glaube, viele in der öffentlichen Hand hätten das noch überhaupt nicht auf dem Schirm. Sie sieht die Verantwortung – wie so oft – bei den Ländern und den Kommunen. Sie müssten bei der Ausschreibung der Verpflegung entsprechende Kriterien definieren.

Die Redaktion empfiehlt

Nach dem Bundesrat sollen mehr regionale Ökoprodukte in Kantinen & Restaurants angeboten werden. Nur so könne das Ziel, bis 2030 20 % der Flächen ökologisch zu bewirtschaften, erreicht werden.

Der DLG-Ausschuss für Ökolandbau fordert mehr praxisnahe Forschung für den biologischen Anbau. Weitere Forderungen hat das Gremium in einem Positionspapier zusammengefasst.

Die Produktion und der Konsum von Bio-Lebensmitteln soll in der EU deutlich gesteigert werden. Dazu hat die Kommission am Donnerstag einen Maßnahmenkatalog vorgelegt.

Der DBV fordert mehr Geld für Öko-Regelungen ab 2023. Dafür will er weniger Umschichtung und keine Kürzungen für Großbetriebe. Eine Einigung zur Agrarreform erwartet er erst nach der...


Diskussionen zum Artikel

von Johann Dechand

Werbung ohne Ende

Die Bios bekommen genug Werbung. Seit jahren wird in den Zeitungen, Medien, Tv etc. berichtet wie toll doch bio ist. Auch jeder Politiker. Andere würden da Millionen zahlen müssen für so eine tolle Werbekampange. Und trotzdem will es doch keiner, also wieso noch mehr Geld für den ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Kantinen

Ja dort, wo gut Geld verdient wird, kann das Angebot eingeführt werden. Dort wo Einrichtungen schon Kinderessen bezuschussen wird die Euphorie grenzenlos sein.

von Jörg Ullmann

20%Bio

Und noch nicht einmal alle die Grün wählen kaufen Biolebensmittel.Sonst wären wir ja schon fast so weit.

von Steffen Nieder

Ich dachte immer bei dem Prozenten, spielt die Wahlberechtigung und die Wahlbeteiligung auch noch eine Rolle.

von Gerhard Steffek

Ideologien scheitern immer an der Realität!

Besonders dann wenn es an den eigenen Geldbeutel geht. Das trennt sich dann schnell die Spreu vom Weizen. Ich habe es ja schon seit dem "Rettet die Bienen" Projekt in Bayer gefordert, Bio in der Ministeriumskantine. Aber mir ist da jetzt nichts bekannt, daß dies entsprechend umgelegt ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Wenn ich

darüber nachdenke ist es dem Käufer im Laben am Liebsten, wenn Biolebensmittel das Gleiche kosten wie Konventionelle. Der Staat soll noch mehr Subventionen zahlen um die LandwirtInnen zu entschädigen. Wäre eine Umfrage wert , mit hohem Wahrheitsgehalt.

von Hans Spießl

System der DDR Einfüren

ja das ginge schon Bio neben den ohnehin zu hohen Subventionen für die Bio Bauern muß dann auf das Produkt selber noch Subvention damit Bio billiger wird. die DDR hat es doch gezeigt wie dies geht.....

von Andreas Gerner

In Zeiten des Klimawandels, wachsender Bevölkerung und knapper Flächen ist Bio der Falsche Weg!

Bio ist ineffizient. Bio verbraucht für die gleiche Erntemenge erheblich mehr Fläche, die wir nicht haben(heute 11,7 mio ha IM AUSLAND für deutsche Versorgung beansprucht!!!) Jeder Hektar mehr Bio bedeutet zwangsläufig Regenwaldbrandrodung. Aber offenbar meint Prinz zu Löwenstein, es ... mehr anzeigen

von Hans Mayer

Pommes

Darum werden unsere deutschen Pommes mit Verlusten nach Neuseeland verkauft weil wir zu wenig haben. Scheinbar gefällt ihnen die Überproduktion und die niedrigen Erzeugerpreise.

von Andreas Gerner

Ganz offenbar will der Verbraucher kein Bio.

Wie sonst ist zu erklären, dass nach Jahrzehnten immer noch nicht mehr als magere 6% Bio gekauft werden?

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