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Konventionelle und Biobauern können voneinander lernen

Ökolandbau ist nicht die Generallösung. Aber sind dessen Ansätze für mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit auf die konventionelle Landwirtschaft übertragbar? Das untersucht Gustav Alvermann.

Unser Autor: Gustav Alvermann, Bio2030.de, Westerau

Gesellschaftliche Erwartungen bei eingeschränkten Möglichkeiten der Produktion lassen die Herausforderungen für den konventionellen Ackerbau ständig größer werden. Ist die Umstellung auf Ökolandbau ein Ausweg aus dem Frust vieler konventioneller Betriebe?

Auch der ist allerdings kein Selbstläufer, weder produktionstechnisch noch betriebswirtschaftlich. Abgesehen davon, dass er hohe Produktpreise braucht und die Märkte diesbezüglich nicht unendlich belastbar sind. Aber zu mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit kann der Ökolandbau dem konventionellen sehr wohl ein paar Gedankenanstöße geben.

1 Nährstoffkreisläufe organisieren

Die Spezialisierung ist weit fortgeschritten. Kaum noch findet man »bäuerliche Gemischtbetriebe« mit vielen synergistischen Nährstoffkreisläufen und gegenseitigen positiven Abhängigkeiten zwischen Pflanzenbau und Tierhaltung. Treibende Kraft war die Arbeitsproduktivität.

Sind unterschiedlich spezialisierte Betriebe in einer Region vorhanden, so kann man zum Ausgleich der verloren gegangenen ökologischen Stabilität eine Zusammenarbeit organisieren: Nicht dreimal Ackerbau in einer Kooperation, um die Kosten der Arbeitserledigung noch um einige weitere Euro pro ha zu senken, sondern je einmal Ackerbau, Futterbau und Veredelung im Verbund.

Konventionelle Marktfruchtbetriebe halten oft die angesetzten Ausnutzungsraten der organischen Dünger für zu hoch. Das mag sein. Aber viele vergessen dabei den mittelfristigen Effekt der organischen Düngung auf die Bodenstruktur und den Gehalt an organischer Substanz. Diese Wirkung wird verstärkt, wenn durch die Zusammenarbeit eine Option für Klee, Luzerne und Gras entsteht.

Engere und weitere Nachbarschaften. Dass sich die spezialisierten Betriebe oft in unterschiedlichen Regionen befinden, zeigt sich heute als schwerer organisatorischer Fehler, der vielen Landwirten auf die Füße fällt. Bio-Ackerbaubetriebe haben eine erheblich höhere Motivation, eine Zusammenarbeit mit gegensätzlich spezialisierten Kollegen zu suchen, da nur so mobiler Stickstoff in den Betrieb gelangt. Der Ausgleich von Grunddüngern und die Humuswirkung im Boden kommen obendrauf.

Die Möglichkeit, einen mehrfach genutzten Futterbau in die Fruchtfolge einzubauen, ist zudem eine zentrale Säule der Unkrautregulierung. Jede Nährstoffkooperation basiert auf Vertrauen der Tauschpartner und benötigt ein überzeugendes logistisches Konzept (Lagerung der organischen ­Dünger, Ausbringzeiten, bodenschonende, verlustarme Ausbringtechnik, Zuordnung der Düngung zu geeigneten Kulturen etc.).

Ein intensiver Bio-Drusch- und Hackfruchtbetrieb in Ostniedersachsen betreibt parallel übers Jahr z. B. folgende Nährstoffkreisläufe: Kleegras an eine Bio-Biogasanlage gegen den flüssigen Gärrest, Futtergetreide gegen Bio-Hühnertrockenkot aus Weser-Ems, Stroh gegen Champost aus einer Bio-Pilzzucht, Kleegras, Dauergrünlandaufwuchs und Stroh gegen Rinder- und Schafmist. In absehbarer Zeit dürfte es auch in der konventionellen Landwirtschaft keine benachbarten Ackerbau- und Milchviehbetriebe mehr geben, die bei entsprechender Speziali­sierung nicht zusammenarbeiten.

Das wäre viel vernünftiger, als sich im Kampf um die Fläche die Pachtpreise um die Ohren zu schlagen, um einerseits Gülle...

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