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topplus AMA-Gütesiegel

AMA-Siegel für Getreide nach Start am Prüfstand

Das AMA-Gütesiegel Ackerfrüchte startet heuer, 6.500 Bauern haben sich bereits angemeldet, es gibt noch Luft nach oben. Im Spätherbst sollen erste Backwaren und Mehl damit gekennzeichnet werden.

Lesezeit: 6 Minuten

Der Weizen sieht in großen Teilen Österreichs gut aus im heurigen Jahr. Trotzdem stehen gut 14.000  ha weniger auf den Feldern. Eigentlich sind die Voraussetzungen fürs Getreide gut, doch die Stimmung bei den Ackerbauern ist getrübt. Niedrige Produktpreise, hohe Betriebskosten und billige Importe sind die Hauptgründe für das Tief.

Vielerorts wird am Stammtisch auch das neue AMA-Gütesiegel für Ackerfrüchte besprochen. Die Meinungen gehen auseinander bei den rund 30.000 Getreidebauern im Land. Viele warten mit ihrer Anmeldung zu.

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Die AMA hat durch eine Gesetzes­änderung nun Ackerbauern  in ihr System aufgenommen.

Pro ha Acker oder Grünland sind 5 € AMA-Beitrag zu bezahlen, deshalb kann die AMA-Marketing das neue ­Gütesiegel Ackerfrüchte und Werbung für Mehl und Gebäck starten.

Rund 6.500 Betriebe haben sich ­bisher dafür angemeldet. Heuer wird mit einer Massenbilanzierung und strikter Trennung zu ausländischer Ware ­gestartet.

6.500 Betriebe sind dabei

„Wir hoffen, dass das Gütesiegel eine Chance für uns Bauern ist und dass wir mehr für unser Getreide erlösen können“, sagt Gernot Magrutsch, Landwirt in Waidendorf in Niederösterreich. Er hat sich für das AMA-Gütesiegel Ackerfrüchte angemeldet, wie mit Stand Mitte April 6.500 Betriebe in ganz Österreich. Anders hat sich ein Ackerbauer aus dem Nordburgenland entschieden: „Ich glaube, das Siegel bedeutet nur mehr Aufwand und Bürokratie.“ Er kenne auch nicht viele Kollegen, die sich dafür angemeldet haben.

Im Burgenland waren es Stand Mitte April 73 Gütesiegelbetriebe, ist aus der Landwirtschaftskammer zu hören, 2.130 Landwirte hätten die nötigen Punkte zur Teilnahme erzielt (siehe Tabelle, Seite 26 Anm.). Laut LK Oberösterreich würden rund 80 % der Landwirte die Punkte erfüllen, angemeldet haben sich nur rund 10 bis 15 % aller Ackerbaubetriebe in Oberösterreich. Mehr als 5.000 Betriebe sind aus Niederösterreich dabei.

Als Geschäftsführer der Erzeuger­gemeinschaft Zistersdorf (EGZ), hat Magrutsch keine Empfehlung für die Teilnahme abgegeben. Mit Stand 15. April hatten sich trotzdem gut 70 % der 200 Mitgliedsbetriebe für das Gütesiegel entschieden. „Wir gehen davon aus, dass die Anmeldezahlen weiter steigen werden“, erklärt Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing.

Anmeldungen war bis 5. Mai ­möglich

Die Anmeldefrist ist bis 5. Mai verlängert worden. In „getreidestarken“ Bezirken in Niederösterreich sind die Anmeldezahlen bereits jetzt hoch. „Wir schätzen, dass wir gut die Hälfte des konventionellen Mahlgetreides unter Vertrag haben“, heißt es von der AMA-Marketing. Die genauen Zahlen der Teilnehmer und die Flächen würden erst Ende Mai vorliegen. Magrutsch und seine Landwirtskollegen im Weinviertel haben klare Vorstellungen: „Wenn nach noch mehr Bürokratie, Kontrollen und Zettelwirtschaft, kein Mehrerlös bleibt, lassen wir es wieder bleiben.“ Hier müsse die AMA liefern, denn die Getreidebauern bezahlen ihren Beitrag bereits im Voraus.

Möglich gemacht hat das neue Label nämlich erst eine Gesetzesänderung und der AMA-Beitrag pro ha Ackerland und Grünland von 5 €. Dieser wurde im Vorjahr erstmals bei der Förderung einbehalten. Rund 21.000 Betriebe sind 2024 dadurch neu ins AMA-System gekommen, im Schnitt steuern sie 250 € pro Betrieb bei. Dies entspricht Zusatzeinnahmen von mehr als 5 Mio. €. Die produktbezogenen Beiträge bei Rind und Schwein kürzte die AMA. Das Gesamtbudget beläuft sich 2024 auf rund 25 Mio. €.

Kulturgut Brot bewerben

„Das bedeutet, dass die Agrarmarketingbeiträge von Ackerflächen für deren Kulturen und Bewirtschaftungsformen zu verwenden sind. Man wird die ackerbaulichen Ökologisierungsmaßnahmen sowie das Kulturgut Brot und Gebäck thematisieren“, heißt es von der AMA-Marketing. Bei den Kontrollen wird auf das System der AMA-Zahlstelle gesetzt, die mit ihren Organen die Prüfungen der Betriebe durchführt. Zusätzliche Kontrollen werde es anlassbezogen geben, um die Herkunft des Getreides sicherzustellen.

Mit dem AMA-Gütesiegel auf Brot und Gebäck wird den Konsumenten garantiert, dass ausschließlich österreichisches Getreide verarbeitet wurde. „Die Bäuerinnen und Bauern stärken damit die Einzigartigkeit ihrer Arbeit und ihrer Produkte und setzen ein starkes Zeichen in Richtung Konsumenten. Denn wie unsere Umfragen zeige, orientieren sie sich bei Lebensmitteln stark an Gütesiegeln“, erklärt Mutenthaler-Sipek.

Start mit Massenbilanzierung

Für die Ernte 2024 wird von den Aufkäufern in Österreich eine Massenbilanzierung durchgeführt. Eine phy­sische Trennung der Gütesiegelware ­erfolgt nur zu ausländischer Ware, womit ab dem ersten Kilogramm Weizen, welches unter dem AMA-Gütesiegel vermarktet wird, auch zu 100 % die österreichische Herkunft sichergestellt ist. Ziel ist es, den prozentuellen Gütesiegelanteil bei Getreide durch laufende Anmeldungen der Landwirte rasch zu erhöhen und auf reine Gütesiegelware umzustellen. In weiterer Folge ist auch geplant, Rapsöl und Speisesoja sowie österreichischen Zucker über das neue Gütesiegel zu kennzeichnen und von Importen abzugrenzen.

Zweite Richtlinie ist in ­Begutachtung

In einem weiteren Schritt hat die AMA-Marketing gemeinsam mit Bran­chenvertretern die zweite Richtlinie ­für das AMA-Gütesiegel-Programm Brot und Gebäck beschlossen und nun bei der EU-Kommission zur Notifikation eingereicht. Diese betrifft Agrarhandel, Mühlen und Transportunternehmen.

Einige Mühlen haben sich schon angemeldet. So auch Mühlen Innungsmeister Herbert Poinstingl mit seiner Assmann Mühle in Guntramsdorf. „Es hängt und steht an zwei Dingen, wie die Akzeptanz beim LEH sein wird, ob es zum Nischenprodukt oder Massenprodukt wird. Das andere ist, wie die Landwirtschaft mitmachen wird. Hier hört man unterschiedliche Meinungen, einige Bauern sind euphorisch und andere sehr zurückhaltend“, weiß Poinstingl. Ob viele kleine  Mühlenbetriebe in Österreich beim Gütesiegel mitziehen werden, kann er derzeit nicht einschätzen. Für die Agrarhändler und Mühlen sind auch Teilnahmegebühren und Kontrollkosten an die AMA zu bezahlen.

Warten auf die großen Handelsketten

Die teilnehmenden Betriebe im Bereich der Lagerhalter und Mühlen müssen von Beginn an eine strikte räumliche Trennung von inländischem und ausländischem Getreide gewährleisten. Die Einhaltung wird durch regelmäßige Lagerinventurmeldungen und Vor-Ort-Kontrollen sichergestellt.

Die Gespräche für die dritte Richt­linie für Bäckereien und den Handel haben bereits begonnen. Rewe war bisher nicht in die Ausgestaltung des Gütesiegels eingebunden. „Wir halten viel vom Gütesiegel, wir kennzeichnen auch viele landwirtschaftliche Produkte damit“, heißt es von Spar Österreich auf top agrar-Anfrage. Beim neuen AMA-Gütesiegel für Ackerfrüchte „haben wir noch nicht genügend Informationen, um eine Entscheidung zu treffen, wie wir in diesem Zusammenhang weiter vorgehen. Dazu sind wir aber mit der AMA im Austausch.“

„Wir schätzen, dass wir gut die Hälfte des konventionellen Mahlgetreides unter Vertrag haben.“
Christina Mutenthaler-Sipek

Erste AMA-Gütesiegel- ­Produkte im Spätherbst

Ziel ist es jedenfalls, im Spätherbst 2024 die ersten Mehl-, Brot- und Backwaren mit dem AMA-Gütesiegel zu kennzeichnen. „Wenn der Lebensmitteleinzelhandel etwas vom Gütesiegel hält, sollte er die AMA-Semmel um 2 Cent teurer verkaufen und den Mehrerlös an die gesamte Wertschöpfungskette weitergeben, damit auch die Bauern profitieren, denn die haben den meisten Aufwand“, sagt Magrutsch.

Der Landwirt rechnet vor: „Mit einer Tonne Weizen können rund 20.000 Semmeln gebacken werden, diese 2 Cent mehr pro Semmel würden 400 € mehr pro Tonne Weizen bringen. „Aktuell missbraucht der Handel die Landwirtschaft nur für seine Werbung“, ­sagt Magrutsch. Natürlich müssen auch die Konsumenten im Supermarkt oder der Bäckerei zur Gütesiegelware greifen, „sonst können wir uns das alles sparen.“

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