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Fungizide: Stimmen Sie den Einsatz auf die Witterung ab

In Gerste tritt Ramularia immer stärker auf. In Weizen herrschen je nach Witterung Braunrost, Septoria tritici oder HTR-Blattdürre vor. Welche Fungizidstrategien Sie heuer verfolgen sollten.

Lesezeit: 8 Minuten

Unser Autor:Hubert Köppl, Abteilung Pflanzenschutz,LK Oberösterreich, Linz

Das Krankheitsgeschehen in Weizen und Gerste verläuft in den letzten Jahren sehr unterschiedlich. In den feuchteren Anbaulagen dominiert bei Gerste weiterhin die Ramularia-Sprenkelkrankheit. Im Weizen spielt die Witterung eine bedeutendere Rolle. Bei eher trockenen Verhältnissen war Braunrost vorherrschend, bei eher feuchteren Bedingungen Septoria tritici, wobei diese Krankheit die feuchteren Bedingungen schon im Herbst und im Frühjahr benötigt. Setzen Niederschläge wie im letzten Jahr erst im Mai ein, dann können Schneeschimmel und HTR-Blattdürre die Szene beherrschen.

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Die Witterung spielt also eine enorm wichtige Rolle – für die Entscheidungsfindung zur optimalen Behandlung ist die eigene Beobachtung von großer Bedeutung. Unterstützt wird der Landwirt dabei durch den Warndienst der Landwirtschaftskammern.

Gerste: Ramularia überstrahlte zuletzt alles

In feuchteren Regionen ist Ramularia-Sprenkelkrankheit die maßgebliche Krankheit. Sie tritt meist nach Niederschlägen und nachfolgend strahlungsintensiver Witterung rund um das Grannenschieben verstärkt auf. Durch massive Sporenproduktion ist der Erreger bei entsprechender Witterung aggressiv.

Durch hohe Lichtintensität können die vom Pilz ausgeschiedenen Toxine den Blattapparat und in weiterer Folge die für die Assimilation sehr wichtigen Grannen und auch den Halm relativ rasch zerstören. Erkennbar ist der Befall an 1 bis 5 mm kleinen braunen bis braunschwarzen Nekrosen mit hellem Rand. Diese sind am Blatt durch die Adern scharf begrenzt.

Man sollte aber auch die anderen Krankheiten nicht außer Acht lassen. Günstige Bedingungen für Mehltauinfektionen im Frühjahr sind sonnenreiche, trockene Tage mit Tau am Morgen (hohe relative Luftfeuchtigkeit). Halmbruch spielt nur bei enger Getreidefruchtfolge eine Rolle.

Eine trockene, warme Witterung mit taureichen Nächten kann in Gerste Zwergrost begünstigen. Symptome sind kleine orangerote Pusteln, die bei starkem Befall das Blatt ebenfalls stark schädigen. Längliche von den Blattadern begrenzte gitterartige Flecken entstehen durch die Netzfleckenkrankheit. Diese kann aber auch mit rundlichen, braunen Flecken in Erscheinung treten („spot-type“).

Nur mehr Kontaktwirkstoff

Das Krankheitsgeschehen muss regelmäßig beobachtet werden, die Prognosen auf  www.warndienst.at  geben Entscheidungshilfen. Leider liefern die Prognosemodelle bei Ramularia noch keine sicheren Ergebnisse. Ein integrierter Ansatz wäre auch die Sortenwahl. Leider gibt es auch hier wenig Unterschiede: Zweizeilige Sorten sind tendenziell etwas stärker anfällig, mehrzeilige Sorten haben als beste Einstufung aber auch nur die Note 5.

Nach dem Auslaufen des Wirkstoffes Chlorthalonil steht für eine zufriedenstellende Behandlung nur mehr der Kontaktwirkstoff Folpet (Produkt Folpan 500 SC) zur Verfügung. Schwefelhältige Produkte (z. B. Thiovit Jet) haben im Getreide nur eine Zulassung gegen Echte Mehltaupilze, in der Ramulariawirkung sind sie schwächer als Folpet – in den langjährigen Versuchen lagen die Erträge 200 bis 300 kg pro ha unter Folpet.

Halmbruch spielt nur bei intensiver Getreidefruchtfolge, hoher Stickstoffdüngung und feuchtkühler Witterung eine Rolle. Ein starkes Produkt ist hier Unix (0,6 kg/ha) in Kombination mit Tern (0,5 l/ha). Diese Mischung erfasst auch andere Krankheiten wie Mehltau oder Netzflecken. Neu ist Verben, das mit 0,8 bis 1,0 l/ha ebenfalls zugelassen ist, daneben gibt es das bekannte Input Classic (0,8 l/ha). Die Bekämpfungsschwelle für Mehltau ist nach bayerischem Gerstenmodell 50 % Befallshäufigkeit auf F-4 bzw. F-3; zur Bestimmung werden, wie bei allen anderen angeführten Schwellen, 30 Pflanzen herangezogen.

Die Bekämpfungsschwelle bei Netzflecken ist im ES 31 (1-Knoten-Stadium) 20 % Befallshäufigkeit auf den obersten beiden Blättern, bei Zwergrost 30 % auf den Haupttrieben. Auch 0,8 l pro ha Fandango ist breit wirksam. Das bestätigen auch unsere Praxisversuche. Mehltau und Zwergrost werden auch von Pronto plus (1,0 l/ha) erfasst.

Bei stärkerem Krankheitsauftreten und angestrebtem höheren Ertragsniveau kann das je nach Überschreiten der Bekämpfungsschwellen bereits ab ES 31/32 bis zum Fahnenblatt ES 37/39 zu einer Behandlung führen.

Im letzten Jahr hat trotz kaum vorhandener Krankheiten bis zum Fahnenblatt eine Vorlage v. a. von Fandango (0,8 l pro ha), aber auch Unix und Tern zu einer deutlichen Ertragssteigerung im Vergleich zur Einmalbehandlung geführt. Vermutlich hat die trockene und teils sehr kühle Frühjahrswitterung die Gerste gestresst. Ramularia tritt in der Regel erst im Grannenschieben nach Niederschlägen und strahlungsintensiver Witterung auf. Zu einer guten Wirkung und auch aus resistenzvorbeugenden Gründen brauchen sowohl Folpet (1,5 l/ha Folpan 500 SC) als auch Schwefel (z. B. 6 kg/ha Thiovit Jet) einen starken Partner wie z. B. Carboxamid-Azolkombinationen (z. B. 1,2 l/ha Ascra Xpro, 1,0 l/ha Elatus Era, 1,25 l pro ha Input Xpro, 1,5 l/ha Revytrex). Die Grannen sollen benetzt werden.

Weizen: Integrierte Ansätze führen zum Ertragsziel

Im Weizen war in den sehr warmen und trockenen Jahren zwischen 2017 und 2019 Braunrost die dominierende Krankheit. In den Jahren vorher war vielfach Septoria tritici das auslösende Moment für eine Behandlung. Diese Krankheit braucht aber feuchte und eher kühle Bedingungen. Ist der Herbst bereits trocken und auch das Frühjahr nicht nass, so kann sich auch bei erst im Mai beginnenden intensiveren Niederschlägen keine starke Infektionswelle mehr aufbauen.

Das wurde im letzten Jahr wieder unter Beweis gestellt, wo durch die erst spät einsetzende feuchtwarme Witterung in den traditionell feuchten Regionen (Oberösterreich, westliches Niederösterreich, Steiermark) dann vermehrt Schneeschimmel und HTR-Blattdürre auftraten. Das haben auch die Warndienstbonituren und die Laboranalysen eindrucksvoll bestätigt.

Erste Bonitur wichtig

Sind im Frühjahr Symptome von Septoria tritici erkennbar (braune, tw. längliche Flecke mit schwarzen Fruchtkörpern) und die Witterung feucht, dann ist mit höherem Infektionsrisiko zu rechnen. Die erste Bonitur kann hier zusätzlich wertvolle Hinweise geben. Auch das Infektionsrisiko für Halmbruch kann über den Warndienst abgerufen werden. Neben der Witterung spielen hier Parameter wie getreideintensive Fruchtfolge (über 60 %) und hohes Stickstoffniveau eine Rolle.

Der optimale Behandlungszeitpunkt ist um das 1- bis 2-Knotenstadium (ES 31/32). Verben wird gegen Septoria tritici mit 0,7 bis 0,8 l/ha empfohlen, bei Halmbruchgefahr müssen 0,8 bis 1,0 l/ha verwendet werden. Die Kombination aus Unix (0,6 kg/ha) und dem Mehltauspezialisten Tern (0,5 l/ha) hat auch noch eine leichte Nebenwirkung gegen Septoria. Kostengünstig und gut wirksam waren prochlorazhältige Produkte (1,0 - 1,2 l/ha Mirage 45 EC oder 2 l/ha Kantik). Diese müssen jedoch heuer bis 30. Juni verbraucht werden. Eine breite Möglichkeit besteht ebenfalls mit Input Classic (1,0 l/ha).

Darüber hinaus haben auch z. B. Ascra Xpro, das neue Univoq und Fandango eine Wirkung. Diese werden aber in der Regel je nach Infektionslage mit anderen Krankheiten erst um das Fahnenblattstadium eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt entwickeln die genannten Fungizide nur mehr eine Teilwirkung gegen Halmbruch, da die Produkte nur optimal an der Halmbasis wirken. Ohne Halmbruchgefahr kann in manchen eher trockenen Regionen bei Mehltau oder frühem Befall mit ­anderen Krankheiten eine Behandlung mit Pronto plus (1,0 l/ha) eine günstige Möglichkeit sein.

In weiterer Folge bleibt bei feuchter Witterung Septoria tritici die gefährlichste Krankheit. Können die Blätter längere Zeit nicht abtrocknen und bleibt die relative Luftfeuchtigkeit hoch, so sind die Ausbreitungsbedingungen optimal. Für eine rechtzeitige Bekämpfung muss bedacht werden, dass die Inkubationszeit bis zu 28 Tage betragen kann.

Die kritische Schwelle bei frühem Befall (ES 31 bis 45) liegt bei 40 % Befallshäufigkeit auf F-4 (5. Blatt von oben). Bei späterem Befall ist das F-3 (viertes Blatt von oben) heranzuziehen, die Schwelle ist ebenfalls 40 % (das sind bei 30 bonitierten Blättern 12 befallene).

Braunrost braucht zur Ausbreitung taureiche Nächte und am Tag Sonnenschein und Wärme. Eine Behandlung lohnt sich bei Überschreiten der Bekämpfungsschwelle, diese liegt bei 30 % Befallshäufigkeit am Haupttrieb, ausgezählt an 40 Pflanzen. Die heilende Wirkung der besten Fungizide wie Ascra Xpro (1,25 bis 1,5 l pro ha), Elatus Era (0,8 bis 1,0 l/ha), Input Xpro (1,25 bis 1,5 l/ha), Revytrex (1,5 l pro ha) oder das neue Univoq (1,5 bis 2,0 l/ha) beträgt nur 5 bis 8 Tage.

Bei deutlich sichtbaren Flecken auf den ertragsrelevanten Blattetagen (F, F-1, F-2) kann eine „routinemäßige“ Behandlung erst kurz vor dem Ährenschieben (ES 49) zu spät kommen. Bei einer geplanten Einmalbehandlung müssen bei Einsatz bereits im ES 34 (kurz vor dem Schieben des Fahnenblattes) bzw. im ES 7/39 die vollen Aufwandmengen verwendet werden.

Die Kombinationen erfassen auch Braunrost und haben eine Teilwirkung gegen Mehltau und gegen HTR-Blattdürre. Schneeschimmel wurde 2022 am besten von Elatus Era erfasst. Symptome: gräulich wässrige Flecken ohne scharfen Rand. Das bestätigen auch unsere Versuche im letzten Jahr (Übers. 1). Bei der vorliegenden oben geschilderten Infektionslage waren gezielte warndienstorientierte Einmalbehandlungen am rentabelsten. Bei einer geplanten Behandlung von Ährenfusarium sollen die Aufwandmengen der Blattfungizide nicht unter 70 % der höchsten zugelassen Menge fallen.

Der Inatreq Active Pack wird heuer durch Univoq abgelöst. Mit dem Wirkstoff Fenpicoxamid kommt eine neue Wirkstoffgruppe (Picolinamide) auf den Markt. Ergänzt wird dieser mit dem Wirkstoff Prothioconazol. In unseren Versuchen war dieses Produkt gleichwertig mit Carboxamid-Azolkombinationen. Es stellt aber mit der neuen Wirkstoffklasse einen wertvollen Partner in einer Resistenzstrategie dar.

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