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topplus Interview Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger

Bundesbäuerin: "Wir sind auf dem Weg zu 30 % Frauenquote in der Politik“

Vor einem Jahr wurde Irene Neumann-Hartberger aus NÖ zur Bundesbäuerin gewählt. Was sind ihre Ideale? Wofür möchte sie sich einsetzen und wo braucht es dringend ein Umdenken?

Lesezeit: 6 Minuten

Heuer feiert die Arge Bäuerinnen ihr 50-Jahr-Jubiläum. Was sind die ­größten Erfolge der Organisation?

Neumann-Hartberger: Dass die ­Bäuerinnen den Mut und das Durchsetzungsvermögen gehabt haben, etwas auf die Füße zu stellen. Die ­gesamte soziale Absicherung zum ­Beispiel hätte es ohne die Organisation womöglich erst viel später gegeben. Und auch das Sichtbarwerden der Bäuerinnen und die Wertschätzung für ihre Arbeit sind große Erfolge. Wofür stehen Bäuerinnen und was ist ihre Leistung? Da sind wir weiter dran, das in die Öffentlichkeit zu transportieren.

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Dass die Bauern von der Bevölkerung geschätzt werden, hat man auch in der Coronazeit gesehen, oder?

Neumann-Hartberger: Teilweise ja, aber am Ende des Tages zählt an der Kassa nur der Preis. Für mich sind ­regional und saisonal die wichtigsten Kriterien beim Einkauf. Es müssen jetzt nicht die Erdbeeren im Jänner oder im März der Spargel sein. Jeder schreit, wenn Lebensmittel teurer ­werden, aber das iPhone in der Hosentasche leistet man sich. Daher ist eine unserer Hauptaufgaben, den Dialog und die Kommunikation in und mit der Gesellschaft weiter auszubauen. Das heißt, Konsumenten informieren, direkt ansprechen, aufklären. Einfach ein realistisches Bild der Landwirtschaft erzählen.



Das Thema Lebensmittelverschwendung wurde uns jüngst durch einen großen Fleischberg in einer Müllverbrennungsanlage vor Augen geführt. Wie kann man das verhindern?

Neumann-Hartberger: Der Handel will seine Regale gefüllt haben, weil es die Gesellschaft so verlangt. Wenn das komplette Angebot nicht immer da sein muss, dann würde der Handel wahrscheinlich auch weniger auf Lager legen. Da braucht es ein breiteres Umdenken in der Gesellschaft.



Wie versuchen Sie, Lebensmittel­verschwendung zu vermeiden?

Neumann-Hartberger: Ich habe mein Einkaufsverhalten total umgestellt. Da ich nicht mehr so viel frei verfügbare Zeit habe, kaufe ich den Großteil der Lebensmittel in der Greißlerei im Ort. Ich gehe hin, schaue was es gibt und das koche ich. Dafür braucht man aber auch Lebensmittelwissen, eine ­gewisse Kochkompetenz und auch Kreativität. Was ich nicht kaufe, sind Angebote wie drei zum Preis von zwei. Denn da bleibt immer etwas übrig.



Es wäre wichtig, wenn es ein Schulfach „Ernährung und Konsumbildung“ gebe. Doch da beißt ihr auf Granit.

Neumann-Hartberger: Wir haben hier keine Unterstützung aus der Bildungspolitik. Lebensmittelwissen, Ernährung und Gesundheit ist zwar in vielen Fächern ein bisschen ­dabei, aber das ist aus unserer Sicht zu wenig. Den Ausbau des Schulfachs wird es leider nicht geben. Das hat man uns definitiv erklärt. Wir bräuchten aber eine Kontinuität in der Schulzeit, um den Kindern ein gesundes Ernährungsverhalten, ein gutes Lebensmittelwissen und Kochkompetenz zu vermitteln.



Die Arge Bäuerinnen will Frauen ­unterstützen, politische Funktionen ­anzunehmen. Wie geht es hier voran?

Neumann-Hartberger: In Österreich gibt es 30 % Betriebsführerinnen bzw. einen erheblichen Anteil an partnerschaftlich geführten Betrieben. Das spiegelt sich aber in keinster Weise in der politischen Vertretung wider. Deshalb haben wir die Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung ins ­Leben gerufen. Das Ziel ist, den Frauenanteil von mindestens 30 % zu erreichen. Da sind wir mittlerweile auf einem guten Weg. Mit unserem ZAMm-Lehrgang wollen wir den Bäuerinnen das Rüstzeug mitgeben und ihnen die Scheu vor der Politik nehmen.



Sie haben vor rund zehn Jahren den Lehrgang auch absolviert. Was war Ihr Ansporn, daran teilzunehmen?

Neumann-Hartberger: Ich wollte es einfach für mich machen, neue ­Bekanntschaften knüpfen und ein Netzwerk aufbauen. Der Lehrgang hat mich in der Persönlichkeitsbildung auch wahnsinnig gestärkt.In die Politik wollten Sie aber nicht?

Neumann-Hartberger: Nein, ganz im Gegenteil. In Gesprächen habe ich ­immer wieder betont, dass das nichts für mich ist. Aber wenn es passiert, dann passiert es und ich bin heute sehr glücklich darüber. Die politische Funktion hat durchaus etwas Erfüllendes. Es geht um den Kontakt und die ­Begegnung mit Menschen, das Erreichen von Zielen und das Gefühl zu ­haben, seine Meinung einzubringen.



Was gefällt Ihnen daran, ­Bundesbäuerin zu sein?

Neumann-Hartberger: Ich sehe mich als Dach über alle Bundesländer. Ich bringe alle auf den gleichen Wissensstand und wir helfen uns gegenseitig weiter. Zudem repräsentiere ich die Bäuerinnen nach außen und gebe dort, wo Statements verlangt werden, welche ab. Dafür tausche ich mich mit den Landesbäuerinnen oft aus, um eine ­gemeinsame Meinung zu vertreten.



Was sind Ihre Ziele?

Neumann-Hartberger: Ich wünsche mir, dass die Situation auf den Betrieben so ist, dass Wirtschaftlichkeit und Lebensqualität zum Erfolg führen. Das eine Selbstverständlichkeit vorhanden ist, den Betrieb in seinen Grundzügen von den Eltern weiterzuführen. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Was wir dafür auf jeden Fall brauchen, ist ausreichend Wertschöpfung auf den Betrieben – und das langfristig.



Es scheint, als kommt eine Krise nach der anderen. Wie können die Bauern am besten abgesichert werden?

Neumann-Hartberger: Bauern brauchen jetzt in erster Linie Stabilität. ­Alles braucht Planung und Zeit. Daher ist es wichtig, eine gewisse Planungssicherheit zu haben. Wie eine GAP-Periode, auf die man sich einstellen kann.



Woran heißt es, jetzt zu arbeiten?

Neumann-Hartberger: Die Bequemlichkeit, die Corona teilweise gebracht hat, müssen wir ablegen und wieder ins Tun kommen. Ich freue mich auf den Bundesbäuerinnentag, weil ich hoffe, dass dieser den nötigen Motivationsschub bringt, wenn wir uns wieder treffen und vernetzen. Wir haben alle die gleichen Ängste, Sorgen und Hoffnungen. Durch das persönliche Treffen können wir uns wieder Kraft und Motivation holen für die Zeit, die auf uns zukommt.

Der Bundesbäuerinnentag 2022 findet am 25. und 26. April in der Pyramide Vösendorf in Niederösterreich statt. Alle Infos unter www.baeuerinnen.at 

Zur Person

Irene Neumann-Hartberger führt mit ihrem Mann und dem jüngeren Sohn einen Milchviehbetrieb mit 40 Kühen und Jungviehaufzucht. Die Familie bewirtschaftet 15 ha Wald, 15 ha Acker und 30 ha Grünland. Das Jungvieh verbringt den Sommer auf einer Gemeinschaftsalm.

Die zweifache Mutter ist seit April 2021 Bundesbäuerin. Daneben ist sie Nationalratsabgeordnete, Obmann-Stellvertreterin des österreichischen und niederösterreichischen Bauernbundes und Vizepräsidentin der LKÖ.

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