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topplus Serie - Umbaulösungen für Anbindeställe

Ein Kompoststall unter schwierigen Bedingungen

Hermann Mauser hat seinen Anbindestall komplett entkernt und eine große freie Liegefläche geschaffen. Ein Kompoststall im Altgebäude bringt aber auch Herausforderungen mit sich.

Lesezeit: 6 Minuten

Einen Anbindestall zum Kompoststall umzubauen ist womöglich die größte Veränderung im Haltungssystem, die man realisieren kann. Hermann Mauser aus Mauterndorf im Lungau hat diesen Schritt vor fünf Jahren gewagt und resümiert nun: „Mir taugts!“ Und seinen 23 Kühen auch: Sie haben ein Platzangebot von 265 m2 freier Liegefläche im Stall, d. h. umgerechnet fast 12 m2 Platz pro Kuh.

Der Umbau am Betrieb Mauser ist die dritte und damit letzte, in top agrar vorgestellte, innovative Baulösung für Anbindeställe aus dem EIP-Projekt „BergMilchvieh“. Bei diesem Projekt wurden 32 maßgeschneiderte Stallumbaulösungen für kleine Milchviehbetriebe im Berggebiet entwickelt und dokumentiert ( www.bergmilchvieh.at ). Es wurde finanziell durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER) sowie das LE-Programm (2014-2020) des BMLRT unterstützt.

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Tierwohl und Nachhaltigkeit

Bereits seit jeher liegt der Kuhstall der Familie Mauser im Außenbereich von Mauterndorf und damit nicht beim Wohnhaus im Ortskern. Doch inzwischen wurde auch dieser Stall wieder vom Ort eingeholt. Daher waren Platz und Zufahrt zum Stall sehr begrenzt, die Hanglage erschwerte die Baulösung zusätzlich.

Hermann Mauser, der auch professioneller Klauenpfleger ist, wollte seinen 18 Kühen in Anbindung durch einen Stallumbau künftig höchstes Tierwohl bieten. „Vom Kuhkomfort gibt’s nichts Besseres als einen Kompoststall“, ist er überzeugt. „Und auch die Investitionskosten sprachen für dieses System. Langfristig gesehen ist mir auch der Humusaufbau im Boden wichtig. Man sollte nicht nur auf den Stall schauen, sondern den ganzen Betrieb im Blick behalten!“ Daher entschied sich der Landwirt 2017, den alten Anbindestall komplett zu entkernen und als Kompoststall umzubauen. Zeitgleich stellte er den Betrieb auf Bioheumilch-Produktion um.

Lediglich ein 6 er-Side-by-Side-Melkstand fand noch in den Grundmauern des Anbindestalls Platz. Von dort aus werden die Kühe nun per Schnellaustrieb direkt auf den Futtergang entlassen. Außerhalb der Melkzeiten ist der Austrieb durch ein Planenrolltor verschlossen.

Zwei Etagen am Hang

Um mehr Platz zu gewinnen, wurde der Stall um ca. ein Drittel Liegefläche erweitert, obendrauf fand das Heulager mit Heubelüftung Platz. Neben dem Altgebäude wurde ein neuer Zubau errichtet: Unten befindet sich der Futtertisch, auf den mittels Abwurfluken das Heu direkt vorgelegt werden kann. In der oberen Etage des Neubaus – die aufgrund der Hanglage ebenerdig erreichbar ist – befinden sich Milchkammer, Kälber und Lagerraum. Zwischen den Gebäuden ist der mit Spalten ausgelegte Fressgang der Kühe. Dieser ist teilweise nicht überdacht, sodass hier der bei Bio geforderte Auslauf realisiert wurde.

Im Rahmen der Umbaumaßnahme wurde die Jungviehaufzucht ausgelagert. Ein Partnerbetrieb kauft die ein bis vier Monate alten Kälber von Hermann Mauser ab. Bei Bedarf kann er die Tiere abgekalbt zu Marktpreisen zurückkaufen. Zudem kooperieren die Betriebe bei der Milchmast ihrer männlichen Kälber. Gemeinsam lassen sie die Kälber vom ortsansässigen Metzger schlachten und vermarkten das Kalbfleisch an die Gastronomie oder in Mischpaketen an Privatkunden. Für eine gute Fleischausbeute belegt Mauser einige seiner Fleckviehkühe mit Weißblauen Belgiern.

Die Kalbesaison ist angepasst an die Stallzeit von August bis Jänner. Im Frühjahr treibt Mauser seine Kühe auf die hofnahen Weiden (insgesamt 7 ha), bevor es über den Sommer auf die eigene Alm geht. Dort übernimmt seit einigen Jahren eine deutsche Familie das Melken. Der Kompoststall steht leer.

Material griffbereit haben

„Im Sommer wäre es im Kompoststall für die Kühe mit der Eigentemperatur der Einstreu sicher zu warm“, meint Mauser. Im Winter würde das System gut funktionieren. „Eine Kompostfläche im Altgebäude zu managen, ist aber nichts für jedermann.“ Sowohl Säulen in der Liegefläche als auch die niedrige Deckenhöhe erschweren die Bewirtschaftung. „Man muss es wirklich wollen! Und man sollte immer ausreichend Material lagernd und griffbereit haben, sodass man jederzeit nachstreuen kann“, berichtet der Landwirt. Das Material lagert Mauser in einem nicht mehr benötigten Fahrsilo, abgedeckt unter Planen, direkt neben dem Stall. Mit dem Frontlader transportiert er es zu den Abwurfschächten im oberen Stockwerk.

Teure Hobelspäne oder ­Kubikmeter

Damit die Einstreu kompostiert, tragfähig und trocken bleibt, bearbeitet der Hermann Mauser die Liegefläche zweimal täglich zur Stallzeit mit einem kleinen Grubber. Zudem streut er einmal pro Woche rund 7 bis 8 m3 Hobel- und Sägespäne ein und mischt rund 10 % Stroh dazu.

„Die Hobelspäne sind sehr teuer geworden, da alles in die Pelletproduktion geht. Inzwischen zahle ich bis zu 26 € pro Kubikmeter“, so Mauser. „Daher habe ich angefangen, auch Waldhackgut aus unserem eigenen Wald dazuzumischen.“ Mit seinem eigenen Hacker zerkleinert der Landwirt das Hackgut sehr fein, auf max. einen halben Zentimeter Größe. „Damit bringe ich auch etwas Struktur in die Einstreu. Um die Feuchtigkeit zu binden, benötige ich aber immer noch Hobelspäne.“ Auch mit Dinkelspelzen hätte er gute Erfahrungen gemacht, diese wären aber aktuell nicht zu bekommen. Zwei- bis dreimal im Jahr räumt Mauser die Liegefläche ganz aus. „Wenn ich merke, dass das Material zu feucht wird, ist es besser, gleich den Stall ganz auszuräumen. Eine feuchte Einstreu bekommt man mit Nachstreuen kaum mehr trocken.“

Offene Seitenwände

Die Kühe nehmen die freie Liegefläche gut an. Abkalben lässt Mauser die Tiere in der Herde. Für die Trockensteher kann er bei Bedarf ein Stallsegment abteilen. Für die nötige Belüftung hat Mauser die Front- und Seitenwände des Kuhstalls offen gestaltet. Auch im Winter und bei Minusgraden ist der Stall offen, um die wenigen Stunden Wintersonne in den Stall zu lassen. „Die Spalten des Laufgangs eisen im Winter auf, bleiben aber griffig“, sagt der Milcherzeuger. Verletzungen oder Klauenprobleme gäbe es dadurch keine.

Obwohl Hermann Mauser tagsüber aufgrund seines Berufs viel unterwegs ist und das Wohnhaus weiterhin in der Dorfmitte liegt, wird am Betrieb eine gute Mensch-Tier-Beziehung gepflegt. Außerhalb der Stallzeiten arbeitet Vater Hermann an seiner Holzsäge in Stallnähe und hat so die Tiere im Blick. Hermann junior plant zudem, mehrere Kameras im Stall zu installieren, die er über das Handy bedienen kann.

Die tägliche Stallarbeitszeit ist trotz höherem Kuhbestand mit rund 3,3 Stunden pro Tag gleich geblieben. Die Gesamtinvestitionskosten für den Um- und Zubau beliefen sich auf 347.000 €. Eine Investitionsförderung von 90.000 € konnte die Gesamtfinanzierungssumme reduzieren. Damit er­gaben sich Investitionskosten je Kuhplatz nach Abzug der Förderung von 11.700 €. Als Nächstes plant Mauser die Überdachung seines Lagerplatzes.

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