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Die ideale Mutterkuh

Problemlose und langlebige Mutterkühe zu finden, wird immer schwerer. Sind Kreuzungen ­mit Milchrassen eine Alternative?

Lesezeit: 6 Minuten

Unser Autor: Johann Häusler, Institut für ­Nutztierforschung, HBLFA ­Raumberg-Gumpenstein

Wer mit Mutterkühen etwas verdienen will, muss pro Kuh und Jahr ein Kalb verkaufen können. Denn drei Viertel der jährlichen Erlöse stammen aus seinem Verkauf. Dabei spielt neben dem Management (Fütterung, Haltung, Tierbetreuung etc.) und der Genetik des Vatertieres die Mutterkuh selbst eine entscheidende Rolle. Problemlose und langlebige Mutterkühe mit guten funktionellen Eigenschaften sind die Basis für den Erfolg. Es wird jedoch immer schwieriger, geeignete Mutterkühe zu finden.

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Drei-Rassen-Kreuzung

Aus diesem Grund könnten gezielte Kreuzungen zwischen Milch- und Fleischrassen eine brauchbare Alternative darstellen. Die Leistungsfähigkeit und Vitalität von Mischlingen oder Hybriden wird höher eingeschätzt als die von reinerbigen Vorfahren. Der Effekt soll umso größer sein, je unterschiedlicher die Ausgangsgenetik der Vorfahren ausgeprägt ist. Diese Überlegung war die Basis für ein noch laufendes Forschungsprojekt an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein in Österreich.

Im Rahmen dieses Projektes wurden mit einer Herde von 15 Mutterkühen Jungrinder produziert. Die Kühe stammten aus den drei Rassen Fleckvieh (FV), Neuseeland Holstein-Friesian (NZ-HF), Angus (AA) sowie den Kreuzungen der Rassen FV und NZ-HF mit der Rasse AA. Die Kühe aller fünf genetischen Gruppen wurden mit einem Limousin-(LI)-Stier besamt.

Jungrinder haben ohne Kraftfutter zufriedenstellende Tageszunahmen

Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Jungrinder aller Gruppen auch ohne Kraftfutter zufriedenstellende Tageszunahmen erzielen konnten (siehe Übersicht 1). Die Zunahmen erhöhten sich mit steigender Milchmenge, und zwar unabhängig von der Bemuskelung und dem Gewicht der Mutter (siehe Übersicht 2).

Die Mutterkühe der einzelnen Rassen bzw. Kreuzungen zeigten deutliche Unterschiede in der durchschnittlichen ­Lebendmasse und auch in der Körperkondition. Während die NZ-HF-Kühe nur eine durchschnittliche Lebendmas­se von 518 kg aufwiesen, hatten die FV x AA-Kreuzungskühe eine Lebendmasse von 738 kg (siehe Übersicht 3) und waren damit um mehr als 200 kg schwerer, wodurch sich der Erhaltungs- und damit auch der Futterbedarf deutlich erhöht.

Neben dem Gewicht lag die Körperkondition der NZ-HF-Kühe ebenfalls auf einem niedrigeren Niveau als bei den anderen Gruppen. Zudem zeigte sich, dass die AA-Kühe die angebotene Grundfutterqualität nicht in Milch umsetzen konnten – sie verfetteten (Übersicht 3). Aus dem Verlauf der Körperkondition während der Säugeperiode lässt sich ablesen, dass vor allem die milchbetonten NZ-HF-Tiere, aber auch die FV-Kühe über einen längeren Zeitraum Körpersubstanz abbauten. Das deutet darauf hin, dass sie in dieser Zeit energetisch unterversorgt waren, was zu den schlechteren Fruchtbarkeits­ergebnissen geführt haben dürfte (siehe Übersicht 3).

Bessere Fruchtbarkeit der Kreuzungskühe

Die Kreuzungskühe erwiesen sich als fruchtbarer und vitaler als alle reinrassigen Kühe und trotz der etwas niedrigeren Milchleistung waren die Mast- und Schlachtleistungen ihrer Kälber vergleichbar mit jenen der milchbetonten reinrassigen Mutterkühe. Die Kälber der NZ-HF x AA-Kühe lagen mit 1 220 g Tageszunahme zwar nur etwa 30 g über den Kälbern der AA-Kühe. Berücksichtigt man jedoch die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Ochs und Kalbin, die bei etwa 100 g Tageszunahme liegen, so sind diese Werte relativierbar.

Die durchschnittlichen Mastendgewichte lagen zwischen 443 kg und 493 kg und damit ebenso wie die Schlachtgewichte (246 – 281 kg) auf einem für Jungrinder sehr guten Niveau. Alle Schlachtkörper zeigten eine gute Fleischigkeit und es gab kaum Unterschiede zwischen den Gruppen. In der Fettklasse zeigte sich, dass sich sowohl die Milchmenge als auch die Rasse und das Geschlecht auf die Beurteilung auswirkten. Die Jungtiere aus jenen Gruppen mit NZ-HF-Anteil bzw. jenen mit einem höheren Anteil an weiblichen Tieren wiesen eine deutlich höhere Fettklasse auf als alle anderen Gruppen.

Der intramuskuläre Fettgehalt, der bis jetzt im Labor untersuchten Tiere, zeigt ein ähnliches Bild und dies wirkte sich auch bei der Verkostung aus, wo die Gruppe mit der niedrigsten Fettklasse bzw. dem niedrigsten Fettanteil ((FV x AA) x LI) deutlich schlechter abschnitt.

Empfehlungen für die Praxis

Für die Praxis lassen sich aus den bis­herigen Ergebnissen folgende Rückschlüsse ableiten:

  • In der Mutterkuhhaltung sind auch ohne Kraftfutter zufriedenstellende Tageszunahmen möglich. Je mehr Milch zur Verfügung steht, desto höher sind die Tageszunahmen.
  • Mutterkühe müssen nicht stark bemuskelt sein, damit ihre Nachkommen gute Schlacht- und Mastleistungen haben. Sie brauchen aber eine gute Milchleistung und einen passenden Kreuzungspartner aus einer Fleischrasse.
  • Kleinere und leichtere Mutterkühe haben einen niedrigeren Erhaltungs- und somit auch Futterbedarf und erhöhen damit die Flächenproduktivität.
  • Mutterkühe aus einer milchbetonten Rasse sind länger energetisch unterversorgt, das kann sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.
  • Kreuzungskühe sind fruchtbarer und vitaler als reinrassige Kühe und die Mast- und Schlachtleistungen ihrer Kälber sind vergleichbar mit jenen von milchbetonten, reinrassigen Mutterkühen.
  • Gebrauchskreuzungen aus FV x AA sind relativ schwer (= hoher Erhaltungsbedarf) und teilweise schwieriger im Charakter.

Daher scheinen vor allem Kreuzungstiere aus Milchrassen (z. B. (HF/RedFriesian/BrownSwiss) x AA) eine sinnvolle Alternative zu reinrassigen Mutterkühen aus der Milchviehhaltung zu sein. Solche Kreuzungen wären ganz besonders in Grünlandgebieten, in denen sowohl die Milchvieh- als auch die Mutterkuhhaltung beheimatet ist, sinnvoll. Im Rahmen von Kooperationen könnten auf Milchviehbetrieben züchterisch weniger wertvolle Kühe mit einem geeigneten Fleischrassestier belegt werden.

Alle Kreuzungskälber werden vom kooperierenden Mutterkuhbetrieb zu einem vereinbarten Preis übernommen. Die männlichen Kälber werden kastriert und als Ochsen auf der Weide gehalten. Die weiblichen werden bei Remontierungsbedarf zu Mutterkühen oder kommen ebenfalls in die Weidemast.

Versuch: So gingen wir vor

Die Kühe und Kälber im Versuch ­erhielten ausschließlich Grundfutter (Grassilage und Heu, jeweils 50 % der Trockenmasse) zur freien Aufnahme. Sie wurden in drei Abteilungen (AA; FV und NZ-HF; NZ-HF x AA und FV x AA) in einem Laufstall mit Kälberschlupf gehalten. Um die Aussagekraft zu erhöhen, wurden in jeder Gruppe jährlich ein bis zwei Mutterkühe durch neue ersetzt. Alle Jungtiere wurden ­gemästet und mit elf Monaten geschlachtet, wobei die männlichen Tiere mit etwa drei Monaten kastriert wurden. Pro Gruppe sollen zehn Jungrinder ausgewertet werden können.

Neben der täglichen Futteraufnahme wurden einmal pro Woche die Tiergewichte und einmal pro Monat die Körperkondi­tion der Kühe ermittelt. Die von den Kälbern aufgenommene Milchmenge wur­de ebenfalls einmal pro Monat per „Wiegen-Säugen-Wiegen“ erhoben. Alle Behandlungen der Kühe und Kälber sowie die Anzahl und die Zeitpunkte der Besamungen sowie der ­Abkalbungen wurden genau dokumentiert. Sowohl die Mast- und Schlachtleistungsdaten als auch die Schlachtkörper- bzw. Fleischqualität und die Fleischinhaltsstoffe der Jungrinder wur­­den tierindividuell erhoben.

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