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Almbilanz

Tirol: Rund 450 gerissene und abgängige Schafe im Sommer 2021

In Tirol trübten zahlreiche Angriffe von Wolf und Bär den Almsommer 2021. Bergbauern-Vertreter fordern jetzt für 2022 schnellere Entscheidungen von den Behörden, was die Entnahme von Problemwölfen angeht.

Lesezeit: 3 Minuten

Die Almsaison in Tirol war heuer maßgeblich durch zahlreiche Probleme mit großen Beutegreifern geprägt. Mindestens 311 Tiere sind allein im heurigen Jahr nachweislich durch große Beutegreifer gerissen worden. 60 entfallen auf Bärenangriffe, der Rest wurde durch Wölfe getötet. Zusätzlich steht die Auswertung bei fünf weiteren Rissen noch aus, 133 Tiere sind im Zusammenhang mit Angriffen abgängig. "Stellt man diese Zahlen jenen der vergangenen Almperioden gegenüber, so sieht man, dass Risse und Zahl der in Tirol nachgewiesenen Wölfe extrem zunehmen. Dieser eine Abschussbescheid ist daher wichtig, aber noch zu wenig. Auch die Dauer, bis er erlassen wurde, muss diskutiert werden", zeigte Landwirtschaftskammer (LK) Tirol-Präsident Josef Hechenberger auf.

Langes Warten auf Abschussbescheid für Problemwolf 118MATK

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Elmar Monz, Almwirtschaftsverein-Bezirksobmann in Landeck, erörtert das "unzufriedenstellende Verfahren" bis zur Ausstellung des Abschussbescheides für den Problemwolf 118MATK: "Die ersten nachgewiesenen Risse des Tieres hat es bereits Ende Juni gegeben. Vermutlich war er aber bereits Mitte Mai für elf gerissene Schafe in Umhausen verantwortlich, wo keine Genotypisierung mehr durchführbar war. Der Nachweis, dass die gerissenen Tiere tatsächlich von einem Beutegreifer erlegt wurden, kam dann wieder Wochen später. Von 25. Juni bis zum 6. August hat er insgesamt 42 Schafe auf vier Almen gerissen. Über eineinhalb Monate später kam dann erst die Einschätzung des Fachkuratoriums, wonach es sich bei 118MATK um einen Problemwolf handelt. Dieser schlägt erneut zu, und vom Zeitpunkt dieser Risse dauert es noch einmal 25 Tage, bis die Jäger wirklich tätig werden können", berichtet Monz die Sicht der Bäuerinnen und Bauern.

Über 4.000 Weidetiere vorzeitig abgetrieben

In Tirol werden über 180.000 Rinder, Schafe, Pferde und Ziegen auf rund 2.070 Almen mit einer Fläche von 378.400 ha gehalten. Neben einer wichtigen Basis für die viehhaltende Landwirtschaft und damit für die Lebensmittelproduktion stehen die hohe Biodiversität, der Nutzen für Freizeit- und Tourismuswirtschaft und der Schutz vor Naturgefahren auf der langen Liste positiver Effekte, die mit der Almwirtschaft einhergehen. Aufgrund von Problemen mit der wachsenden Zahl an Beutegreifern wurden im Jahr 2020 rund 3.000 weniger Schafe aufgetrieben.

2021 wurden zwar zumindest noch zirka gleich viele Schafe wie im Vorjahr auf die Almen gebracht, nach Angriffen von großen Beutegreifern wurden aber insgesamt 2.111 Weidetiere von unmittelbar betroffenen Flächen vorzeitig abgetrieben. "Zusätzlich wurden noch zirka 2.300 gealpte Schafe und Ziegen vorsorglich vorzeitig ins Tal gebracht - ein großer Teil fällt dabei auf Almen in unmittelbarer Nähe zu den Wolfsangriffen", gibt der Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins, Josef Lanzinger, einen Überblick. Positiv sei, dass bei den Milchkühen nach jahrelangen Rückgängen im Jahr 2021 eine Steigerung um 1% der Auftriebszahlen erreicht werden konnte. "Die neu eingeführte Alm-Milchkuhprämie des Landes Tirol erfüllt damit ihr Ziel", so Lanzinger.

Vor Almsommer 2022 braucht es Klarheit

Hechenberger fordert eine raschere Beprobung und Auswertung nach Rissen von Nutztieren. "Es muss künftig schneller ein Ergebnis vorliegen. Ansonsten muss die amtstierärztliche Begutachtung beziehungsweise Einschätzung als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden. Dementsprechend muss das Expertengremium unverzüglich tätig werden, es darf nicht mehr so viel Zeit bis zu einer Entscheidung für einen Abschussbescheid verstreichen. Daher braucht es ein besseres länderübergreifendes Monitoring. Im Zuge dessen soll im Auftrag des Landes auch geprüft werden, inwieweit jene Ausnahmeregelungen, wie sie in anderen Ländern gelten, auch für Tirol umsetzbar wären", fasst Hechenberger zusammen.

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