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AMA-Gütesiegel: Mehr Auflagen, mehr Tierwohl

Das weiterentwickelte AMA-Gütesiegel soll Schweinebauern neue Perspektiven und Planungssicherheit für die Zukunft bieten. Für den Mehraufwand gibt es um ca. 2,5 Ct/kg mehr.

Lesezeit: 8 Minuten

Der Ruf nach mehr Tierwohl in der Schweinehaltung wurde in den vergangenen Jahren immer lauter. Mit der Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels setzt die Schweinebranche jetzt ein Signal, um den Wünschen der Gesellschaft Rechnung zu tragen. Gleichzeitig soll damit auch die Eigenversorgung mit österreichischem Schweinefleisch gesichert bleiben.

Teil­spalten für Neubauten

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Schon im Juni hat die Agrarmarkt Austria (AMA) das neue Konzept für das AMA-Gütesiegel angekündigt. Die neuen Anforderungen gehen deutlich über die gesetzliche Basis und internationale Anforderungen hinaus. Hier die fixen Details des mehrjährigen Stufenplanes (siehe auch die Übersicht):

Mit Anfang dieses Jahres stehen den AMA-Güte­siegel-Mastschweinen mehr Platz und mehr Beschäftigungsmaterial zur Verfügung. Das ab 2022 vorgeschriebene Platzangebot liegt im Gewichtsbereich ab 85 bis 110 kg mit 0,77 m² um 10 % über dem nationalen gesetzlichen Mindestniveau von 0,70 m². Dieses ist in den kommenden Jahren auch stetig zu steigern: Ab 2025 auf 15 % und ab 2033 auf 20 %. Das heißt, ab 2033 müssen AMA-Landwirte 0,84 m² pro Schwein zur Verfügung stellen.

Bei Stallneu- und -umbauten wird gleich bei 15 % mehr Platz (0,8 m²) gestartet. Die ­Betriebe müssen den ­Tieren ­neben dem höheren Platz­an-gebot zudem einen befestigten Liegebereich anbieten. Dieser muss mindestens ein Drittel der Fläche ausmachen. Auf den Liegeflächen darf der Perforationsanteil nicht mehr als 10 % betragen. Mit dieser Vorgabe wird der klassische Vollspaltenboden bis 2033 abgelöst. Die Ställe müssen zudem entsprechend große Buchten und eine Klimatisierung aufweisen.

Diese Änderung betrifft aber nicht nur AMA-Gütesiegelbetriebe, sondern alle Schweinebauern. Die Regierung hat im Dezember beschlossen, dass ab 2022 alle Stallneu- und -umbauten einen Liegebereich haben müssen. Der höhere österreichische Förderstandard 2022 wird somit ab 2023 zum gesetzlichen Mindeststandard für Um- und Neubauten.

Mehr Spielzeug

Beim Beschäftigungsmaterial müssen Schweinebauern mindestens zwei verschiedene Materialien pro Bucht anbieten. Und davon muss eines ein organisches sein (zum Beispiel Holz, Seile etc.). Neben dem größeren Platzangebot und mehr Beschäftigung ist auch ein Monitoring Teil der neuen AMA-Kriterien. So soll der Antibiotikaverbrauch weiter gesenkt werden. Bauern können sich für das Antibiotikamonitoring der AGES beim Tiergesundheitsdienst (TGD) anmelden.

Zudem soll der Verbrauch von Eiweißfuttermitteln durch eine stickstoffreduzierte Fütterung verringert werden. Konkret heißt dies, dass der Rohpro­teingehalt der Futtermittelration im Durchschnitt über die gesamte Mast­periode maximal 16, 1% bzw. 161 g/kg (bei 88 % TM) betragen darf.

Diese Anforderungen bilden die Grundlage für das Basisprogramm des AMA-Gütesiegels, in das rund 95 % aller AMA-Schweinebauern hineinfallen. Die Neuerungen für bestehende AMA-Betriebe sind laut Walter Lederhilger, Obmann des Verbandes Österreichischer Schweinebauern (VÖS) mit überschaubaren Kosten umsetzbar. „Ein zusätzliches Beschäftigungsmaterial in die Bucht zu hängen, ist nicht der große Aufwand. Kostspieliger sind die weniger eingestallten Tiere, wodurch der Platzbedarf steigt. Daneben müssen die Betriebe die Futterrationen anpassen und den Einsatz an Medikamenten dokumentieren“, erklärt er.

Die größte Änderung stellt somit der Einbau einer Kühlung dar. Aufgrund der heißen Sommer ist diese Maßnahme aber auf jeden Fall für jeden Schweinebauern sinnvoll. Betriebe, die den Stall um- bzw. neu bauen, müssen zudem befestigte Liegeflächen planen.

Mehr Platz, mehr Beschäftigung, ein ­Antibiotikamonitoring und eine Kühlung sind die Kriterien für das Basisprogramm. Neu- und Umbauten müssen zudem ab 2022 eine befestigte Liegefläche haben.

Schon mehr Aufwand und Kosten bringt das Modul „Mehr Tierwohl“ mit sich, das jetzt neu strukturiert wurde. Künftig wird es zwei Segmente mit unterschiedlichen Haltungsnoten geben. Diese sehen wie folgt aus:

Das bereits bestehende Modul „Mehr Tierwohl“ garantiert 60 % mehr Platz im Stall oder als Auslauf, eine eingestreute Liegefläche mit Stroh oder Sägespänen sowie Stroh oder Heu als Beschäftigungsmaterial. Dieses Modul wird künftig mit der Haltungsnote Gut benannt.

Mit 100 % mehr Platz soll schließlich ein weiteres Segment in die AMA-Gütesiegel-Familie einziehen. Die Schweine haben dabei ständigen Zugang zu einem Auslauf. Die Bauern dürfen in diesem Modul nur zertifizierte europäische GVO-freie Eiweißfuttermittel einsetzen. Zudem verzichten sie auf das Schwanzkupieren der Ferkel. Die Kastration der männlichen Ferkel ist nur unter Narkose möglich. Dafür erhält dieses ­Modul die Bezeichnung Haltungsnote Sehr gut.

Diese beiden Module bilden ab sofort zusammen mit der Bioproduktion das Premiumsegment der Schweinefleischproduktion in Österreich. Derzeit macht dies 5 % aus. Das Ziel der Schweinebranche: Eine Steigerung auf 20 % in den nächsten zehn Jahren. Der Anteil der im Basisprogramm gehaltenen AMA-Schweine soll dabei bestmöglich bei 45 % bleiben. Insgesamt sollen ab 2030 eine Million österreichische Tierwohlschweine pro Jahr vermarktet werden.

7 Cent fürs AMA-Schwein

Damit sich der Mehraufwand für die Landwirte lohnt, hat die Österreichische Schweinebörse für ihre Mitglieder mit den namhaften Schlachtbetrieben die neuen AMA-Zuschläge ausverhandelt. Bauern, die AMA-Gütesiegelschweine im Basisprogramm er­­zeugen, erhalten künftig zwischen 6,7 und 7 Ct pro kg Schlachtgewicht (SG) – früher waren es 4,4 und 4,8 Ct/kg. Der Gewichtsbereich hat sich zudem auf 82 bis 102 kg verändert, der Magerfleischanteil reicht nun von 55 bis 64 %. Im optimalen Gewichtsbereich von 90 bis 102 kg gibt es weiterhin einen 2-Cent-Zuschlag.

Dazu Johann Schlederer, Chefverhandler der Österreichischen Schweinebörse: „Die Bereitschaft der Abnehmer, mehr zu bezahlen war anfänglich Null. Unzählige Verhandlungen mit dem LEH und den Schlachtbetrieben waren nötig, um einen vertretbaren Kompromiss zu erzielen.“ Er verweist dabei auf die Mehrkosten, die auch die Fleischbranche tragen muss, um die verschiedenen Chargen zu trennen.

Übergangszeit bis Juni

Die Betriebe sind gefordert, die neuen AMA-Kriterien ab Jahresbeginn umzusetzen. Da für bestimmte Maßnahmen wie die Adaptierung des Platzangebots mehr Zeit notwendig ist, werden die Kontrollen im 1. Halbjahr unter Berücksichtigung der Adaptionszeit bis Juni durchgeführt. Die Erzeugergemeinschaften werden die neuen AMA-Zuschläge mit Anfang April an die teilnehmenden Betriebe auszahlen.

Für das Premiumsegment der beiden „Mehr Tierwohl“-Module wird es aber eine Vertragslandwirtschaft mit dem Lebensmitteleinzelhandel brauchen, damit die Kosten abgedeckt werden. Das erklärte Franz Rauscher, Obmann der EGZ Gut Streitdorf beim NÖ Schweinemasttag Mitte Dezember.

Finanzielle Unterstützung gibt es für die Schweinebetriebe auch über die Investitionsförderung „Pakt für mehr Tierwohl in der Landwirtschaft“ und über Module im neuen ÖPUL. Zusätzliche Anreize in Form von optionalen Aufschlägen bei ÖPUL-Programmen, z. B. für die Haltung unkupierter Tiere wird es geben. „Wir fordern auch eine Anhebung der Deckelung der förderbaren Kosten auf über 400 000 € und vereinfachte Genehmigungsverfahren insbesondere für tierfreundliche Stallungen“, betont Walter Lederhilger.

Gleichzeitig arbeitet die Schweinebranche zusammen mit der AMA daran, mit gezielten Werbekampagnen das Image der Schweinefleisch-Produktion zu verbessern. Das soll auch der Lebensmitteleinzelhandel unterstützen, und zwar in Form von Werbung der Haltungsform und Bewusstseinsbildung für die höheren Standards in Österreich. „Der Handel soll seine Werbebudgets nicht Richtung Rabatt lenken, sondern mehr auf das Lebensmittel“, fordert Bauernbund-Präsident Georg Strasser.

Auch der VÖS möchte gezielt auf die Konsumenten zugehen und eine Imagekampagne starten: „Wir brauchen eine bessere und intensivere Kommunikation, wie Schweinefleisch produziert wird“, erklärt Lederhilger.

Forschung sucht Betriebe

Außerdem wird sich die Forschung in den kommenden Jahren verstärkt mit dem Thema Tierwohl in Schweineställen beschäftigen. Der VÖS hat dazu zusammen mit der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und der Universität für Bodenkultur das Projekt IBeST (Innovationen für bestehende Stallungen in Ferkelaufzucht und Schweinemast) gestartet.

Mit diesem Projekt sollen jene Betriebe unterstützt werden, die keinen neuen Stall bauen wollen, aber dennoch ihr System bezüglich Tierwohl verbessern wollen. Es sollen hier auch gute Lösungen für befestigte Liegeflächen gefunden werden.

Ein wesentlicher Punkt neben den wirtschaftlichen Aspekten ist dabei auch, die Zufriedenheit der Landwirte mit den neuen Systemen zu erfassen. Aktuell werden noch teilnehmende Betriebe gesucht. Interessierte Schweinebauern können sich an Michael Klaffenböck, dem Geschäftsführer des VÖS wenden.

Kontakt: klaffenboeck@schweine.at 

Auch Ferkel erhalten Siegel

Eine schon lange geforderte Maßnahme wird ebenfalls umgesetzt: Die Eingliederung der Ferkelstufe ins AMA-Gütesiegel-Programm. Hierfür gibt es ebenfalls eine Übergangsfrist, die bis Ende 2026 läuft. Ab diesem Zeitpunkt müssen AMA-Gütesiegel-Schweinemäster Ferkel verpflichtend von AMA-Gütesiegel-Betrieben zukaufen. Die Ferkelerzeuger müssen dann unter anderem folgende Kriterien erfüllen:

  • jährliche Eigenkontrolle,
  • Einsatz kontrollierter, zertifizierter Futtermittel pastus+,
  • Teilnahme am Tiergesundheitsdienst sowie vollständige Dokumentation des Arzneimitteleinsatzes.

Geschlossene Betriebe sind bereits im AMA-Gütesiegel-Programm integriert. Diese erzeugen pro Jahr knapp 700.000 AMA-Ferkel. Direktbezieher können ab 2023 freiwillig AMA-Ferkel ausloben.

Herausforderungen bleiben

Da nun auch die gesamte Ferkelstufe im AMA-Programm integriert wird, profitieren auch die Sauenhalter vom Gütesiegel. Österreich stellt damit die Weichen für eine regionale und nachhaltige Schweinefleischproduktion, die alle Stufen zusammenfasst.

Eine große Herausforderung für die Branche ist hierbei aber die Logistik der Vermarktung der Ferkel. Das hebt Hans-Peter Bäck von der Styriabrid hervor. Denn die Erzeugergemeinschaften müssen nicht nur die AMA-Ferkel vermarkten, sondern auch die PRRS-Programmferkel.

In den kommenden Jahren wird sich generell zeigen, wie die Bauern, der Handel, die Gastronomie und die Wurst- und Schinkenerzeuger das AMA-Gütesiegel annehmen. „2022 wird für uns ein Lernjahr. Ich bin aber zuversichtlich, dass es gut ankommt“, erklärt Hans Schlederer.

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