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Zinkverbot

Aus für Zink: Was hilft noch gegen Absetzdurchfall?

Mit Zinkoxid verschwindet ab Juni ein „Wundermittel“ im Absetzbereich. Welche Maßnahmen gibt es, um ohne Zink Absetzdurchfall zu vermeiden?

Lesezeit: 5 Minuten

Unser Autor: René ­Renzhammer, ­ Vetmeduni Wien

Mit 26. Juni 2022 ist es EU-weit verboten, Zinkoxid-haltige Tierarzneimittel zu verwenden (siehe Anmerkung unten). Für Schweinebauern bedeutet dieses Verbot, dass verschiedene Tierarzneimittel, die sie gegen Absetzdurchfall einsetzen, dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Gerade in Zeiten, in denen die Bestrebungen dahingehen, den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren, kommt das Verbot ziemlich ungünstig.

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Denn neben Zinkoxid wird auch Colistin häufig zur Therapie von Absetzdurchfall eingesetzt (Stichwort: Kombipräparate). Gerade bei Colistin handelt es sich um ein kritisches Antibiotikum, das nur in Ausnahmesituationen verwendet werden sollte. In der Humanmedizin wird es zur Therapie von vielfach resistenten Keimen eingesetzt.

Die Anzahl anderer Antibiotikagruppen, welche effektiv zur Therapie von Absetzdurchfall eingesetzt werden können, ist leider ziemlich überschaubar. Aufgrund dessen ist es auf jeden Fall sinnvoll, alles daranzusetzen, Absetzdurchfall vorzubeugen. Dazu gehören folgende Maßnahmen:

Mehr Faser ins Futter

Als längst bekannt gilt, dass sich ein reduzierter Rohproteingehalt (~16 %) sowie ein erhöhter Rohfasergehalt im Absetzfutter positiv auf den Darm frisch abgesetzter Ferkel auswirken. Das kann Absetzdurchfall verhindern. Bei den Faserkomponenten lohnt es sich tatsächlich, genauer hinzuschauen.

Neue Studien gehen davon aus, dass vor allem lösliche Fasern positive Auswirkungen auf den Darm haben. Solche sind beispielsweise vermehrt im Lein­samen, aber auch in Getreidesorten wie Roggen oder Triticale enthalten. Auch Kartoffeln haben wegen ihrer so genannten resistenten Stärke einen positiven Effekt auf das Darmmikrobiom.

Am besten zwei Prestarter

Neben den einzelnen Futterkomponenten spielt das Fütte­rungsmana­gement eine wichtige Rolle. Dazu gehört insbesondere die rechtzeitige und schrittweise Gewöhnung an festes Futter (siehe dazu Seite 43, Reportage Betrieb Pfeffer). Dazu sollten den Ferkeln am besten zwei verschiedene Prestarter angeboten werden. Der langsame und schrittweise Übergang von einer Fütterungsphase zur nächsten ist dabei entscheidend.

Da Stress einen wesentlichen Trigger bei der Entstehung von Absetzdurchfall darstellt, sind grundsätzlich sämtliche Maßnahmen, die das Stressniveau senken, förderlich. Erwähnenswert ist dabei insbesondere, dass Landwirte das Tier-Fressplatz-Verhältnis verbessern. Zudem sollten diese geeignetes und auch interessantes Beschäftigungsmaterial (z. B. Hanfseile) anbieten.

Abgesehen davon hat sich eine Vielzahl an Futterzusätzen zur Vorbeugung von Absetzdurchfall etabliert.

Säuren: Organische Säuren (darunter vor allem Buttersäure, Zitronensäure, Milchsäure und Essigsäure) eignen sich diversen Studien zufolge gut, um Absetzdurchfall vorzubeugen. Wichtig ist dabei, dass sie nicht unterdosiert verabreicht werden.

Probiotika: Vieles deutet darauf hin, dass der Einsatz von Probiotika die Wahrscheinlichkeit, dass Absetzdurchfall auftritt, deutlich minimieren kann. Allerdings gibt es bislang eher wenige Studien aus diesem Bereich. Vielfach eingesetzt werden vor allem unterschiedliche Milchsäurebakterien. Welche Kulturen bzw. welches Präparat eingesetzt wird, scheint im Bezug auf Absetzdurchfall keinen großen Unterschied zu machen.

Pflanzliche Präparate: Die Anzahl der sich im Umlauf befindlichen pflanzlichen Präparate ist groß. Aber welche wirken sich tatsächlich positiv auf die Ferkelgesundheit aus? Wahrscheinlich sind es die meisten – zumindest, wenn man den Studien vertraut.

Statistisch valide Aussagen konnten bis jetzt zum Beispiel für Seealgenmehl getroffen werden. So hatten Ferkel, welche zusätzlich Seealgenmehl bekamen, signifikant weniger Durchfall als solche, die kein Seealgenmehl verabreicht bekamen.

Außerdem verdeutlichen sämtliche Untersuchungen, dass vor allem das allgemeine Management am Betrieb einen besonders wesentlichen Punkt zur Vorbeugung von Absetzdurchfall darstellt. Das Ziel sollte hier vor allem sein, den Keimdruck durch E. coli, welcher der Hauptverursacher von Absetzdurchfall ist, zu senken.

Konsequentes Rein-Raus

Hilfreich ist eine ordentlich durchgeführte Reinigung sowie Des­infektion der Absetzabteile. Bei der ­Anwendung von Desinfektionsmitteln sollten Landwirte immer genau auf die Herstellerangaben (Mindesttemperatur, Konzentration, Mindesteinwirkzeit und Gesamtoberfläche) achten. Abgesehen davon kann auch das Aufstellen von Desinfektionsmatten und -wannen hilfreich sein.

Eine Desinfektion ist jedoch nur in ­jenen Kammern sinnvoll, welche auch komplett leer sind. Die Umsetzung eines konsequenten Rein-Raus-Verfahrens sollte dabei oberste Priorität haben. Wenn die Absetzabteile neu belegt werden, müssen Landwirte auf die ­richtige Einstalltemperatur achten. Diese sollte zwischen 25 und 30 °C betragen.

Einen anderen (bislang oft auch unbeachteten Baustein) stellt das Trinkwasser dar. Bei Stallneubauten ist die Installation einer Ringleitung sehr vorteilhaft, um den Keimgehalt im Trinkwasser zu minimieren. Bei älteren Stallungen kann zumindest über eine Desinfektion der Leitungen nachgedacht werden.

An vielen Schrauben drehen

Auch wenn in vielen unter experimentellen Umständen durchgeführten Studien die Umsetzung von nur einem Punkt schon zu einer Besserung geführt hat, scheint dies auf betriebsindividueller Ebene tatsächlich nicht immer umsetzbar zu sein. Während die eine Maßnahme in einem Betrieb zum gewünschten Ergebnis führt, sieht es beim nächsten Betrieb ganz anders aus.

Oft kann auch die Umsetzung von ganz grundlegenden Faktoren (Rein-Raus-Verfahren, Aufheizen der Absetzabteile, Gabe von Prestarter) mehr bewirken, als man anfangs vielleicht glauben mag. Dennoch scheinen es – wie oft vermutet – viele Schrauben zu sein, an denen man drehen muss, um dieses hartnäckige Problem Absetzdurchfall so gut es geht zu vermeiden.

Darum wird Zinkoxid verboten



Ausschlaggebend für das Verbot von Zinkoxid in der EU ­waren vor allem ­folgende zwei Umstände: ­Einerseits ist es mittlerweile unumstritten, dass es durch den therapeutischen Einsatz von Zink auch vermehrt zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen kommt.

Andererseits reichert sich Zinkoxid sehr gut im Boden an und wird nur sehr langsam abgebaut. Eine besondere Gefahr kann es aufgrund seiner ­wasserlöslichen Eigenschaften für das Grundwasser darstellen.

Die Beschlüsse der Europäischen Kommission für das Verbot von Zinkoxid beziehen sich in erster Linie auf eine Risikoanalyse für die Jahre 2030 und 2050. Jene Analyse geht von einer schwerwiegenden Umwelt­belastung aus, sofern Zinkoxid bis 2050 weiterhin in denselben Mengen wie heute eingesetzt werden würde. Verboten wird dabei vor allem der ­therapeutische Einsatz von Zinkoxid.

In geringen Dosen (150 mg/kg ­Futtermittel) darf Zink weiterhin ein­gesetzt werden, da es sich dabei um ein ­lebenswichtiges Spurenelement ­handelt. Diese Mengen sind in allen handelsüblichen Futtermitteln bzw. ­Mineralstoffmischungen enthalten und müssen nicht extra beigefüttert werden.

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